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Aktuelle Meldungen vom 20.09.1999

Ess-Störungen und Aggressivität nehmen zu

Jugendpsychiater schlagen Alarm

Psychosoziale Erkrankungen wie Ess-Störungen bei Mädchen und Aggressivität bei Jungen nehmen immer mehr zu. Das sagte der Präsident der Europäischen Vereinigung für Kinder- und
Jugendpsychiatrie, Prof. Helmut Remschmidt (Marburg), in einem dpa-Gespräch anlässlich eines Internationalen Kongresses der Organisation in Hamburg. Mehr als 1000 Kinder- und Jugendpsychiater aus aller Welt befassten sich mit den seelischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen.

Jedes siebente Kind betroffen

In Europa sind nach Angaben Remschmidts 14 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren psychisch auffällig. Dabei gebe es deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. In Ländern mit einem extremen Schlankheitsideal litten Mädchen häufig an
Ess-Störungen. Schlankheit werde mit Schönheit gleichgesetzt. In nicht westlichen Kulturen sei das anders. «Im Tschad beispielsweise sind Frauen besonders schön und begehrenswert, wenn sie rundlich sind. Sie nehmen sogar Anabolika, um diesem Schönheitsideal zu entsprechen», erklärte Remschmidt.

Während Jungen vor der Pubertät häufig mit Depressionen auf Probleme reagierten und sich eher nach innen kehrten, schlage ihr Verhalten nach der Pubertät um und richte sich vermehrt auf die
Wirkung nach außen. «Das ist zum Teil hormonell bedingt. Aber hier spielen die sozialen Erwartungen ebenfalls eine große Rolle.» Die Folgen seien Aggressivität und gar das Abrutschen in die Kriminalität. Daran seien die Medien nicht unbeteiligt. So werde den kleinen Zuschauern häufig vorgespielt, dass Probleme mit Gewalt zu lösen seien. «Sie imitieren die Gewalt, vor allem wenn die Problemlösung mit Heldentum belohnt wird», kritisierte Prof. Remschmidt.

Mutter und Vater können gegensteuern

Eltern rät der international renommierte Kinder- und Jugendpsychiater, ihrem Nachwuchs von vornherein Regeln und Werte zu vermitteln, an die sie sich zu halten haben. Dazu gehöre der Respekt anderen Menschen gegenüber und vor dem Eigentum anderer. «Sie müssen
lernen, dass Eigentum Eigentum ist.»

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