Nur auf Öko-Fleischsiegel ist Verlaß
Die Werbung mit ,,artgerechter Tierhaltung ist oft irreführend, kritisiert die Arbeits gemeinschaft der Verbraucher verbände (AgV).
Bonn, 15. April. Schlechte Noten für konventionelle Markenfleischprogramme und Gütesiegel: Bei einer bundesweiten Untersuchung der AgV erfüllte lediglich ein Drittel das Kriterium ,,artgerechte Tierhaltung. Viele der 44 überregionalen Gütesiegel für Schweine- und Rindfleisch entsprachen nicht einmal den grundlegenden Forderungen der Verbraucherschützer, heißt es in einer Pressemitteilung. Dennoch warben sie mit angeblich ,,tiergerechter Haltung.Die Kriterien dieser Programme seien schwammig formuliert, kritisiert die AgV. Daß sich die irreführenden Gütesiegel den Tierschutz auf die Fahnen schreiben, aber den landwirtschaftlichen Betrieben keine konkreten Vorgaben machen, finden die Verbraucherverbände ziemlich ärgerlich. Ganz anders die sechs Gütesiegel des ökologischen Landbaus: Bioland, Biopark, Demeter, Gäa, Landfrau und Naturland. Sie sammelten durchweg Pluspunkte beim Kriterium ,,artgerechte Tierhaltung.
Obwohl die AgV mit ihren Kriterien deutlich unter den Anforderungen der Öko-Verbände blieb, mußten zum Beispiel beim Schweinefleisch 14 von 18 konventionellen Siegeln passen. Gefordert waren Tageslicht, getrennte Liege- und Kotbereiche sowie eine Liegefläche von 0,8 Quadratmeter pro Tier.
Zehn Prozent des deutschen Fleischmarktes
Untersucht wurden konventionelle Siegel wie ,,Alter Landrasse, ,,Eichenhof oder ,,Hergestellt und geprüft in Schleswig-Holstein. Ein Großteil dieser Marken trägt auch das Prüfsiegel der Centralen Marketing Gesellschaft (CMA). Sie werden überwiegend in Supermärkten und Metzgereien vertrieben. Darüber hinaus geht das Fleisch an die Gastronomie und die verarbeitende Industrie. Die 44 Markenfleischprogramme machen etwa zehn Prozent des deutschen Fleischmarktes aus.
Nur in einem Punkt schnitten die Okosiegel nicht besser ab als die konventionelle Konkurrenz. Die Verkaufskennzeichnung in Metzgereien und Supermärkten war den Verbraucherschützern nicht transparent genug Oft werde der falsche Eindruck erweckt, das gesamte Angebot stamme aus dem Markenfleischprogramm, obwohl auch andere Produkte in der Kühltheke liegen. ,,Nur ein Drittel der Anbieter erfüllte das von der AgV geforderte Kritierium, nach dem möglichst hundert Prozent des in der Verkaufsstelle angebotenen Frischfleisches aus dem Markenfleischprogramm stammen soll.
Bei einem dritten Kriterium haben sämtliche Ökoprogramme jedoch wieder die Nase vorn. Bei den meisten konventionellen Marken sind nämlich antibiotische Leistungsförderer keineswegs tabu. Außer den anerkannten Ökoverbände verbieten lediglich ,,Neuland und ,,Thönes Natur den Einsatz von Antibiotika. Der massenhafte Einsatz dieser Arzneimittel ist gefährlich, weil er die Resistenzbildung von Krankheitserregern fördert. Experten warnen davor, daß bewährte Antibiotika dadurch ihre Wirkung gegen Virusinfektionen beim Menschen verlieren könnten. AgV-Geschäftsführerin Anne-Lore Köhne verlangt deshalb ein europaweites Verbot von Antibiotika als Masthilfsmittel.
Generell ziehen die Verbraucherverbände aus den Untersuchungsergebnissen den Schluß, daß die Transparenz beim Fleischeinkauf noch sehr zu wünschen übrig lasse. Die Geschäftsführerin fordert die Fleischwirtschaft auf ,,die Richtlinien für Markenfleisch zu präzisieren und die Verbraucher besser über die Bedingungen der Fleischerzeugung zu informieren.
Weitere Infos: http://www.agv.de
Die Untersuchungsergebnisse sind in einer Broschüre zusammengefaßt. Wer sie beziehen möchte, bekommt sie gegen 4,20 Mark in Briefmarken bei der AgV, Heilsbachstraße 20, 53123 Bonn.
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