Todesfälle durch Resistenz gegen Antibiotika
Wovor Kritiker seit langem warnen, ist jetzt eingetreten: In deutschen Krankenhäusern sterben Patienten, weil Antibiotika nicht mehr wirken.
Hamburg, 18. Mai. Für die steigende Resistenz von Krankheitserregern gegen Penizillin und Co. wird eine verfehlte Ernährungs- und Umweltpolitik verantwortlich gemacht. Der routinemäßige Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung führe zu einer unnötigen "Dauerbehandlung" des Menschen, die gefährliche Krankheitserreger letztlich resistent gegen die lebenswichtige Medizin mache.Wie Sprecher des zweiten europäischen Chemotherapiekongresses jetzt in Hamburg erklärten, sind erstmals Patienten gestorben, weil die verabreichten Antibiotika keine Wirkung zeigten. Es habe sich dabei vor allem um ältere Menschen gehandelt, deren Widerstandskraft stark reduziert war. Außerdem seien sie zuvor längere Zeit mit Antibiotika behandelt worden.
Unabhängig davon berichten britische Wissenschaftler von einem "superresistentem" Bakterium. Es handele sich um einen neuen Stamm des Erregers Pseudomonas aeruginosa, meldet die Fachzeitschrift New Scientist. Besonders bei einem geschwächten Immunsystem könne das Bakterium bedrohliche Infektionen verursachen.
"Der neue Fund läßt Böses ahnen, wie weit die Resistenzen schon auf dem Vormarsch sind", sagte der Wissenschaftler David Livermore vom britischen Gesundheitsdienst dem Fachblatt. In England will daher das Oberhaus des Parlaments den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast generell verbieten. Nach Ansicht der Lords sind diese Fleischfabriken "Zuchtanstalten für resistente Bakterien".
Wie beim Hamburger Kongreß berichtet wurde, arbeitet die Pharma-Industrie wegen der Resistenzen an einer neuen Klasse von Antibiotika. Bis diese auf den Markt kommen, vergehen aber nach Ansicht von Experten mindestens fünf Jahre.
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