150 Heilpflanzen drohen auszusterben
Gesundheit kontra Naturschutz: Durch Wildsammlung werden die Bestände wichtiger Heilpflanzen in besorgniserregendem Maße dezimiert.
Brüssel, 22. Juni. Auf das Problem macht eine Studie aufmerksam, die der World Wide Fund for Nature (WWF) und die Weltnaturschutzunion (IUCN) zum Handel mit bedrohten Arten vorgestellt haben. Die Untersuchung mit dem Titel "Europas Wirkstoffpflanzen: Verwendung, Handel und Schutz" identifiziert rund 150 Pflanzenarten, deren Bestände in einem oder mehreren europäischen Ländern durch Wildsammlung deutlich zurückgegangen sind.Insgesamt werden mindestens 2000 Arten in Europa zur Weiterverarbeitung in Heilmitteln, Kosmetika, Kräutertees, Spirituosen, Pflanzenschutzmitteln und Haushaltsprodukten kommerziell gehandelt. Von diesen 2000 Arten wachsen etwa 1200 bis 1300 Arten wild in Europa. Zwischen 70 Prozent und 90 Prozent werden noch heute direkt der Natur entnommen.
"Es ist alarmierend, daß Schutzbestrebungen meist erst dann einsetzen, wenn eine Art bereits bedroht ist", warnt der Direktor von TRAFFIC Europa (dem Artenschutzprogramm des WWF), Tom De Meulenaer. "Für einige Populationen kommt dies schlicht zu spät".
Wildsammlungen sind vielerorts unkontrolliert
Verantwortlich für die Bestandsgefährdung vieler europäischer Heilpflanzen sind nach Ansicht des WWF die Zerstörung ihrer Lebensräume und die vielerorts unkontrollierte Wildsammlung. Daher sei die Ausweisung von Schutzgebieten für diese Pflanzen dringend notwendig. Dies gelte besonders für Bulgarien, Ungarn, Albanien und die Türkei. Von dort kommen die meisten dieser Arten für den europäischen Markt.
Seit altersher sind Pflanzen wichtige Arzneimittel des Menschen. Noch heute enthält eine von vier Verschreibungen, die in westlichen Apotheken abgegeben werden, Inhaltsstoffe pflanzlichen Ursprungs.
Deutschland ist der bedeutendste In- und Exporteur von Wirkstoffpflanzen
in Europa: Über ein Drittel des europäischen
Gesamtimportes und ein Fünftel des Exportes entfallen auf Deutschland.
Außerdem fungiert Deutschland als Drehscheibe im
europäischen Handel: Die Länder Ost- und Südosteuropas liefern
ihre Ware zu zwei Dritteln nach Deutschland. Von hier wird sie vielfach
in die umliegenden mittel- und westeuropäischen Staaten geliefert.
In der Zeit von 1992 und 1996 wurden im Durchschnitt jährlich 30 000
Tonnen Wirkstoffpflanzen in Deutschland verbraucht.
Am 22.und 23. Juni findet das Erste Internationale Symposium zum Schutz von Heilpflanzen und ihrem Handel in Europa statt.. Ort: Royal Botanic Gardens, Kew, bei London.
Weitere Informationen enthält ein Faktenblatt mit Beispielen bedrohter Wirkstoffpflanzen, das erhältlich ist bei der Presseabteilung des WWF: Tel: 069 / 60 50 03 - 78/45.
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