Steigendes Infektionsrisiko für Menschen durch Massentierhaltung
Die Bundesärztekammer macht die industrielle Tierhaltung dafür verantwortlich, daß immer mehr Lebensmittel mit Bakterien belastet sind.
Bürgenstock (Schweiz), 13. Juli. In den letzten drei Jahrzehnten ist ein kontinuierlicher Anstieg bei Infektionskrankheiten durch industriell hergestellte und mit Bakterien belastete Lebensmittel festzustellen, warnte die Ärzteorganisation bei einer Tagung in der Schweiz.Bakteriell bedingte Durchfallerkrankungen werden vor allem durch Salmonellen und Campylobacter hervorgerufen. Hauptursache für die Zunahme der Lebensmittelinfektionen, so die Bundesärztekammer in einer Pressemitteilung, seien die industrielle Tierhaltung und -verarbeitung.
Die Mediziner sparen nicht mit Kritik: Massentierhaltung sei unnatürlich, die forcierte Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion auf industrielle Massenfertigung bringe anhaltende Gefahren mit sich. Durch die Massentierhaltung und die zum Teil tagelangen Transporte komme es zu einer Campylobacterbelastung von über 90 Prozent sowie einer Salmonellenbelastung bei mindestens jedem vierten verkauften Huhn.
Die ärztlichen Spitzenorganisationen Liechtensteins, Luxemburgs,
der Schweiz, Südtirols, Österreichs und Deutschlands
appellieren deshalb an die Europäische Kommission und die nationalen
Regierungen, den Wiederaufbau regionaler Schlachtbetriebe zur Vermeidung
überlanger Tiertransporte durchzusetzen.
"Qualität und Gesundheit haben ihre Preis"
Darüber hinaus müßten die Gesetzgeber und Behörden eine für den Verbraucher unmißverständliche Kennzeichnung von Herkunft, Haltung und Verarbeitung garantieren. Qualität und gesundheitliche Sicherheit, so die Mediziner, hätten eben ihren Preis.
Der überwiegende Teil der tierischen Lebensmittel wird in Europa nicht mehr in traditioneller Art mit bewährten, aber "unprofitablen" Tierrassen erzeugt, sondern mit überzüchteten Hochleistungstieren. Das Turbohuhn zum Beispiel mit einer Leistung von 300 Eiern pro Jahr ist zur natürlichen Fortpflanzung nicht mehr fähig. Eine Milchkuh mit einer Tagesleistung von 30 Litern muß mit Eiweißzufütterung erkauft werden.
Im Unterschied zu Campylobacter findet sich das Reservoir für andere
Erreger nachhaltiger Durchfallerkrankungen - die enterohämorrhagischen
Escherichia coli - beim Rind. Ausbrüche in Japan, Schottland und Bayern
mit Todesfällen sind
noch in Erinnerung. Eine wesentliche Ursache ist die fäkale Verunreinigung
von Schlachtvieh. Die Schließung vieler regionaler Schlachthöfe
und die dadurch bedingten längeren Transportzeiten sind nach Auffassung
der Ärztevertreter an dieser Problematik erheblich beteiligt.
Während der Verbraucher in letzter Zeit gelernt hat, rohes Fleisch einschließlich Abtauwasser als Infektionsquelle zu meiden, ist die Salmonellenbelastung roher Hühnereier den Erfahrungen der Ärzte zufolge noch immer ungenügend bekannt. Deshalb fordern die Mediziner von der EU-Kommission und den nationalen Regierungen, ihrer Informationspflicht gegenüber den Konsumenten über die möglichen Gefahren der industriellen Tierproduktion offensiv nachzukommen.
Quelle: Bundesärztekammer
Kontakt: Pressestelle der deutschen Ärzteschaft, Tel.: (0221) 4004-390
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