DGE: vegetarisch ja, vegan nein
Vor Gesundheitsrisiken bei einer veganen Ernährung warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Besonders für Kinder sei diese Kostform nicht geeignet.
Frankfurt am Main, 27. Juli. Eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Stoffen ist nach Ansicht der DGE nur möglich, wenn Milch, Milchprodukte und eventuell Eier verzehrt werden sowie Lebensmittel so kombiniert werden, daß ausreichend Eiweiß und Eisen aufgenommen werden. "Bei einer rein pflanzlichen (veganen) Kost bestehen große Gesundheitsrisiken für das Kind", schreibt die DGE in ihrer neuesten Pressemitteilung. Die wissenschaftliche Organisation berät die Bundesregierung in Ernährungsfragen und gibt offizielle Empfehlungen heraus.Grundsätzlich muß man bei vegetarischen Ernährungsweisen drei verschiedene Formen unterscheiden: die ovo-lacto-vegetabile, die lacto-vegetabile und die vegane (streng vegetarische) Kost. Während Lacto-Vegetarier Milch und Milchprodukte akzeptieren, verzehren Ovo-Lacto-Vegetarier darüber hinaus auch Eier. Strenge Vegetarier verweigern sämtliche tierischen Produkte. Manche von ihnen lehnen sogar Honig ab.
Vorteile durch wenig tierisches Fett
Die DGE beurteilt diese drei Formen höchst unterschiedlich, gerade in Bezug auf die Kinderernährung. Ihr Fazit: "Bei einer rein pflanzlichen (veganen) Kost bestehen große Gesundheitsrisiken für das Kind. Die DGE rät daher von einer veganen Ernährung ab. Eine ausgewogene (ovo-)lacto-vegetarische Ernährung ist dagegen als Dauerkost geeignet.
Vorteile haben die beiden weniger strengen vegetarischen Kostformen vor allem bei der Vorbeugung von Krankheiten. Denn die Ernährung ohne Fleisch, dafür aber mit viel Vollkornprodukten, Gemüse, Hülsenfrüchten und Obst ist reich an Stärke, Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. "Die geringe Aufnahme an tierischem Fett und Cholesterin", so die DGE, "ist vorteilhaft bei der Vorbeugung ernährungsmitbedingter Krankheiten wie Übergewicht oder Fettstoffwechselstörungen."
Der einzige kritische Nährstoff bei einer überwiegend pflanzlichen, mit Milchprodukten kombinierten Ernährung ist Eisen. "Bei richtiger Lebensmittelauswahl und -kombination kann die Eisenzufuhr aber sichergestellt werden", stellt Dr. Helmut Oberritter, Wissenschaftlicher Leiter der DGE, klar. Die Verfügbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird durch pflanzliche Inhaltsstoffe wie Phytin- und Oxalsäure sowie Tannine beeinträchtigt; sie beträgt deshalb nur zwei bis fünf Prozent. Aus Fleisch wird dagegen bis 20 Prozent Eisen aufgenommen.
Durch die richtige Auswahl können aber auch Vegetarier die Verfügbarkeit von Eisen steigern. Werden zu eisenreichen pflanzlichen Lebensmitteln gleichzeitig Vitamin-C-reiche Produkte verzehrt, verbessert sich die Eisenverfügbarkeit. Deshalb konnte ein manifester Eisenmangel konnte auch bei (ovo-)lacto-vegetabil ernährten Kindern nicht häufiger beobachtet werden als bei Nichtvegetariern. Jedoch sind deren Eisenreserven deutlich geringer. Fazit der DGE: Die (ovo)lacto-vegetabile Ernährung kann als Dauerernährung geeignet sein. Vor allem bei Kindern ist aber besondere Sorgfalt bei der Lebensmittelauswahl geboten.
Vegane Ernährung kann kritisch sein
Durch die stark eingeschränkte Lebensmittelauswahl kann bei der veganen Kost die Versorgung des Kindes mit einer Reihe wichtiger Nährstoffe kritisch sein. So besteht nach Ansicht der DGE besonders in der Wachstumsphase das Risiko, daß das Kind zuwenig Eiweiß und Energie bekommt. Darüber hinaus würden die Mineralstoffe Calcium und Eisen, das Spurenelement Jod sowie die Vitamine D, B2 und B12 meist in zu geringen Mengen aufgenommen.
Pflanzliches Eiweiß besitzt eine geringere biologische Wertigkeit als tierisches. Um diese zu verbessern, können bestimmte pflanzliche Lebensmittel, die sich in ihrer Aminosäurestruktur (Eiweißbausteine) gegenseitig ergänzen, kombiniert gegessen werden (z.B. Getreide mit Hülsenfrüchten). Berücksichtigen die Eltern diese Kombinationswirkung nicht, kann es laut DGE bei veganer Ernährung zu einer Eiweißunterversorgung kommen, die bei Säuglingen und Kindern zu Wachstumsstörungen führe.
Die geringe Energiedichte pflanzlicher Nahrung ist in den Augen der DGE ebenfalls kritisch. Vor allem, wenn viel Rohkost, aber wenig Kartoffeln oder Getreide verzehrt würden, bestehe die Gefahr, daß (Klein)Kinder nicht genügend Nahrung aufnehmen, um ihren Energiebedarf zu decken.
Calciumbedarf kaum ohne Milch zu decken
Auch Calcium, das für den Knochenaufbau wichtig ist, zählt zu den Problemen der veganen Kinderernährung. Fallen die Hauptlieferanten Milch und Milchprodukte weg, wird der Mineralstoff nach den Erkenntnissen von Oberritter in zu geringen Mengen aufgenommen. Hinzu komme, daß Calcium pflanzlicher Lebensmittel vom Körper schlechter verwertet wird. Es sei daher kaum möglich, die erforderliche Menge an Calcium ohne Milch und Milchprodukte zu erreichen.
Für besonders kritisch hält der wissenschaftliche Leiter die Versorgung mit Vitamin B12, das fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Denn Säuglinge und Kleinkinder könnten keinen ausreichenden Vitamin B12-Speicher bilden, wenn sie rein pflanzlich ernährt würden. Deshalb warnt Oberritter und zitiert einschlägige Studien: Bei Säuglingen, die von vegan ernährten Müttern voll gestillt wurden, konnten schwere und zum Teil bleibende Störungen der Nerven- und Hirnentwicklung beobachtet werden.
Die DGE gibt Eltern bei einer (ovo-)lacto-vegetabilen Ernährung folgende Tips:
- Geben Sie ihrem Kind eisenreiche pflanzliche Lebensmittel wie Hirse oder Vollkorngetreide immer in Kombination mit Vitamin-C-reichem Obst (z.B. Orangen), Obstsäften oder Gemüse (z.B. Paprika, Brokkoli oder verschiedene Kohlgemüse). Das verbessert die Eisen-Verfügbarkeit aus pflanzlichen Lebensmitteln.
- Verwenden Sie ausschließlich Jodsalz und damit hergestellte Produkte.
- Kombinieren Sie verschiedene proteinreiche Lebensmittel in einer Mahlzeit, wie z.B. Milch und Kartoffeln, Kartoffeln und Hülsenfrüchte oder Kartoffeln und Eier. Dadurch können Sie eine ausreichende Proteinversorgung Ihres Kindes gewährleisten.
- Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund empfiehlt für die Beikost eines fleischfrei ernährten Säuglings einen Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei mit Zugabe von Orangensaft oder einem anderen Saft mit vergleichbarem Vitamin-C-Gehalt.
- Wenn Sie industriell hergestellte Babynahrung bevorzugen, achten Sie dabei auf die Zutatenliste. Enthalten die angebotenen Gemüse-Vollkorngetreide-Breie kein Vitamin C, geben Sie einige Eßlöffel Orangensaft zu.
- Achten Sie darauf, daß der Gemüse-Kartoffel-Brei keine Milch enthält. Diese vermindert die Verfügbarkeit des Eisens in der Mahlzeit.
- Ernähren Sie ihr Kind nicht vegan.
Quelle: http://www.dge.de
Siehe auch: Ernährungsformen
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