Passivrauchen ist krebserzeugend
Erstmals ist die Schädlichkeit des sogenannten "Nebenstromrauchs" offiziell und rechtlich verbindlich dokumentiert worden.
Bonn, 27.Juli. Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mitteilt, wird Passivrauchen als erwiesenermaßen krebserzeugend eingestuft. Die Gefahr werde in der diesjährigen MAK-Liste (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) für Schadstoffe am Arbeitsplatz beschrieben, die eine DGE-Kommission dem Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung als Vorschlag zur Verbesserung von Arbeitsschutzmaßnahmen übergab. Die offizielle Bewertung des Passivrauchens als krebserzeugend ist nach Ansicht von Experten die wichtigste Neuerung in der überarbeiteten MAK-Liste.In der Begründung verweisen die Wissenschaftler auf die seit 30 Jahren eindeutig belegte Verursachung von Bronchialkrebs durch Zigarettenrauchen. Dies treffe Raucher und Passivraucher gleichermaßen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Während der Raucher beides inhaliert, den sogenannten Hauptstromrauch und den Nebenstromrauch, definieren die Wissenschaftler das Passivrauchen als "Exposition von Nichtrauchern gegenüber dem von der Zigarette abgehenden Nebenstromrauch und der von Rauchern ausgeatmeten Luft".
Signifikant mehr Lungentumore
Die DFG läßt in ihrer Pressemitteilung keinen Zweifel an der wissenschaftlich belegten Gefährdung von Nichtrauchern: "Über 30 epidemiologische Studien aus verschiedenen Ländern zeigen für Passivraucher statistisch signifikant mehr Lungentumore als für Nichtexponierte". Die sei eindeutig durch das krebserzeugende Potential der Stoffe im Nebenstromrauch zu erklären. Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Exposition des Passivrauchers und Lungenkrebs lasse sich bis in den Niedrigdosisbereich hinein ableiten.
Unter Berücksichtigung aller Einflußgrößen kommt die Kommission wie auch die amerikanische Umweltbehörde (EPA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu dem Schluß, daß für Passivraucher ein höheres Lungenkrebsrisiko belegt ist.
Der Nebenstromrauch, so die einhellige Überzeugung, enthalte eine Vielzahl von Stoffen, die sich entweder beim Menschen oder bei Tieren als kanzerogen erwiesen haben und die in zum Teil deutlich höheren Konzentrationen als im Hauptstromrauch vorliegen. Der Nebenstromrauch werde von Nichtrauchern in solchen Mengen inhaliert und resorbiert, die vermehrt zu Lungenkrebs führen können.
Und was das Eingenebeltwerden am Arbeitsplatz betrifft, schließen die Forscher weitere gefährliche Nebenwirkungen nicht aus: "Eine verstärkte Wirkung von Passivrauchen und bekannten krebserzeugenden Arbeitsstoffen ist außerdem in Betracht zu ziehen".
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