Frau starb wegen "Schweinedoping"
Die dänischen Züchter zogen sofort Konsequenzen und verzichten ab sofort freiwillig auf Antibiotika zur Mast beschleunigung. Der Wirtschafts- und Sozialausschuß (WSA) der EU fordert ein Verbot dieser Praktiken.
Kopenhagen, 14. September. Wie der Chef des dänischen Schweinezüchterverbandes, Kai Skaaning, mitteilte, sei die freiwillige Entscheidung eine Reaktion der Landwirte auf die Meldung vom ersten Todesfall in dem Land durch Verzehr von Schweinefleisch mit dem gegen Antibiotika resistenten Salmonellenstamm DT 104.Hintergrund ist der Tod einer 62jährigen Frau, die nach dem Verzehr von Schweinefleisch gestorben war. Das Tier war nachweislich mit antibiotikahaltigem Futter aufgezogen worden. Die Frau war mit hohem Fieber an schwerer Diarrhöe erkrankt. Obwohl sofort im Krankenhaus mit mehreren Breitbandantibiotika behandelt, starb sie. Wie sich herausstellte, war sie an Salmonellen vom Typ DT 104 erkrankt.
Klarer Zusammenhang
"Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen ihrem Tod und dem Schweinefutter," sagte Kare Mölbak vom staatlichen Serum-Institut in Kopenhagen: Der Fall mache klar, wie real die Gefahr sei, daß resistente Bakterienstämme von Tieren auf Menschen überführt werden: "Ganz klar ist die großzügige Gabe von Antibiotika in der Landwirtschaft das Übel."
Eine Einschätzung, die Susanne Stärnberg von der schwedischen staatlichen veterinärmedizinischen Anstalt (SVA) teilt: "Die stetige Antibiotika-Zufuhr über das Futter in extrem kleinen Dosen läßt die Bakterien resistent werden."
Am Rande der EU-Konferenz zur "Antibiotika-Gefahr", die derzeit in Kopenhagen läuft, wurde gewarnt, daß derartige Todesfälle bald an der Tagesordnung sein könnten. In Dänemarks Landwirtschaft wurden im letzten Jahr allein laut offizieller Statistik 50 Tonnen Antibiotika zur Behandlung - angeblich - akuter Krankheitszustände verabreicht, weitere 100 Tonnen zum offen erklärten Zweck, die Tiere schneller zum richtigen Schlachtgewicht hochzufüttern.
Totalverbot nur in Schweden
Im Gegensatz zu Dänemark hat Schweden seit 1986 ein Totalverbot für Antibiotika im Stall, das die Schweden auch gegen die EU durchsetzen wollen. In Deutschland dagegen ist die Fütterung von Antibiotika grundsätzlich erlaubt.
DT 104, das der 62jährigen Dänin zum Todesurteil wurde, ist kein dänisches Spezialproblem. Wie die dänische Veterinärbehörde bekanntgab, war allein im August innerhalb von zwei Wochen DT-104- haltiges Fleisch bei Stichproben in französischem Truthahn- und Hähnchen- sowie in deutschem Schweinefleisch festgestellt worden.
Der Verzicht auf Antibiotika-Mast setzt allerdings die Umstellung auf eine großzügigere und artgerechte Tierhaltung voraus, sonst ist das eingepferchte Vieh zu anfällig für Ansteckung. Daher werde der Übergang Jahre erfordern, wissen schwedische Experten. Die Kosten des Verzichts auf die Turbomast halten sich nach ihren Angaben aber in Grenzen und betragen nur etwa zwei bis drei Pfennig pro Kilo Fleisch.
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