Kaum Futtermittel ohne Antibiotika
Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und Ärztekammer Berlin fordern Verbot. Durch Tiermast Hilfsmittel werden Human Antibiotika zunehmend wirkungslos.
Berlin, 12. Oktober. "Das Verbot ist überfällig. Die neue Bundesregierung muß die Warnungen der Wissenschaftler endlich beherzigen", sagte Hubert Weiger, der agrarpolitische Sprecher des BUND, bei einer Pressekonferenz in Berlin. Während in Schweden Antibiotika im Tierfutter längst verboten seien und in Dänemark bald auf den Index kämen, habe die abgewählte Bundesregierung vor dieser "drängenden Notwendigkeit" die Augen verschlossen. In Dänemark war vor wenigen Wochen eine Frau wegen der Problematik gestorben.Vor allem die riesigen Schweineställe und Legebatterien seien "Trainingslager für widerstandsfähige Bakterien", kritisierte Weiger. Im Dauerkontakt mit Antibiotika-Zusätzen im Tierfutter lernten die Erreger regelrecht, sich gegen die Wirkstoffe zu wappnen und so resistent gegen sie zu werden, fügte Weiger hinzu. Nach einer vom BUND in Auftrag gegebenen Studie der Erzeugergemeinschaft NEULAND konnten nur 5 von 45 deutschen Futtermittel-Herstellern antibiotikafreie Produkte garantieren.
Massenbetriebe wollen nicht verzichten
"Vielen Tierzüchtern ist die mastbeschleunigende Wirkung der Futterzusätze sehr willkommen", sagte der BUND-Landwirtschafts-Experte Andreas Krug. Doch der Preis dafür sei hoch: Immer wieder würden in Fleisch- und Wurstwaren Antibiotika-Reste nachgewiesen, so daß die Resistenz-Bildung bei den Erregern auch im menschlichen Körper ablaufen könne.
Die Medizinerin Angelika Mindel-Hennies von der Ärztekammer Berlin warnte vor "wachsenden Gefahren für die menschliche Gesundheit" durch das pauschale Zufüttern von Antibiotika in Tierställen. Dabei könnten sich einerseits Resistenzen im Körper des Menschen selber bilden, wenn er über seinen Fleischkonsum häufig kleine Antibiotika-Mengen aufnehme.
Letzter Retter versagt
Bedrohlicher aber sei das Versagen von sogenannten Reserve-Antibiotika,
die bei schweren Infektionen "als letzte Retter
in der Not" dienen sollen. Was viele nicht wüßten: "Auch
wer nie Antibiotika zu sich nimmt, kann ernste Probleme kriegen, wenn sich
die attackierenden Bakterien anderswo stählen konnten - zum Beispiel
in Massen-Tierställen", sagte Mindel-Hennies.
Nach Angaben der europäischen Tierarzneimittel-Hersteller wurden 1997 in der Europäischen Union und der Schweiz rund 1600 Tonnen Antibiotika in Futtermitteln eingesetzt (Verbrauch in der Humanmedizin: 5400 Tonnen).
Die BUND/NEULAND-Studie ist erhältlich beim BUND oder direkt bei NEULAND, Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, Bonn, Tel. 0228 / 6049688.
Kontakt BUND: Walter Schmidt, Lucian Haas, Pressestelle,
Tel.: 0228/40097-25, Fax: - 49;
e-mail: presse@bund.net;
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