War "Ötzi" akupunktiert?
Maßgebende Vertreter der Akupunktur sind davon überzeugt, daß die alternative Heilmethode viel älter ist als bisher gedacht.
München, 27. Oktober. Ausgelöst wird die wissenschaftshistorische Revolution durch neue Erkenntnisse über "Ötzi". "Der Mann aus dem Eis wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit akupunktiert", schreiben die Deutsche Akademie für Akupunktur und die Österreichische Gesellschaft für Kontrollierte Akupunktur in einer gemeinsamen Stellungnahme.Daher sei der Ursprung der Akupunktur deutlich älter als bisher
angenommen, da "Ötzi" etwa vor 5200 Jahren gelebt hatte.
Auch müsse der Ursprung der chinesischen Heilmethode in geographischer
Sicht nach Mitteleuropa verschoben werden.
Schon damals Meisterpunkte
Der Eismann, so die Vorsitzenden Dr. Frank Bahr und Dr. Leopold Dorfer, weise nicht nur eine einfache lokale Akupunktur an Schmerzpunkten auf, sondern auch Hinweise für eine bereits weit entwickelte Form der Akupunktur.
Schon damals seien Meisterpunkte zusätzlich zu lokalen Akupunkturpunkten eingesetzt worden. Auch das hohe Niveau der Akupunktur-Punkteauswahl bei den bekannten Krankheiten des Ötzi sei erstaunlich: Auch heute würde man eine Punkteauswahl treffen, die sich zu etwa 80 Prozent mit den Punkten des Eismannes decken. Aufgrund von früheren Untersuchungen weiß man, daß der Jäger Probleme mit der Wirbelsäule und der Verdauung hatte.
Tätowierung mit Holzkohle
Gefunden wurden beidem Mann aus dem Eis Tätowierungen, die auf eine ärztliche Behandlung zurückgehen sollen. Unter den fünfzehn Tätowierungen an der Leiche Ötzis sollen sich neun Akupunkturpunkte befinden, die auch von heutigen Vertretern der sanften Medizin noch benutzt werden.
Doch warum wurden die Akupunkturpunkte tätowiert? Die Wissenschaftler haben dazu zwei Theorien anzubieten: Vielleicht sollte die Tätowierung mit Holzkohle einen Dauerreiz erzeugen. Oder Ötzis Therapeut wollte uneigennützig bei seinem Patienten die entscheidenden Stellen markieren, damit der Jäger sich unterwegs selbst behandeln konnte.
Die Forscher weisen zudem auf ähnliche Tätowierungen auch an anderen Mumien hin, die "über die ganze Welt verteilt" sind. Auch sie sollen von einer prähistorischen Akupunktur zeugen.
Angezweifelt wird die Theorie der frühzeitlichen Akupunktur jedoch vom Medizinhistoriker Karl-Heinz Leven.
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