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Aktuelle Meldungen vom 14.12.98

Putenhaltung ist ein Trauerspiel

Das Image vom glücklichen Federvieh trügt: Puten in Massen tierhaltung leiden noch schlimmer als Mast hähnchen.

Hannover, 14. Dezember. Bislang war das Großgeflügel die einzige Tierart, über die es vergleichsweise wenig Horrormeldungen gab. Das dürfte sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" gründlich ändern. Die Tiere werden in den Fleischfabriken grotesk verkrüppelt, mit Antibiotika vollgepumpt und durch schmerzhaftes Schnabelkupieren gequält.

Hochtechnisierte Produktion

Von einem "wirklichen Trauerspiel", spricht Siegfried Ueberschär, Veterinär an der Tierärztlichen Hochschule Hannover: Die hochtechnisierte Truthahn-Produktion, "in die noch niemand richtig reingeleuchtet hat", sei "noch schlimmer als die der malträtierten Masthähnchen", prangert der Tierpathologe im Spiegel die Praktiken der Massentierhalter an. Nur wenige Ökolandwirte füttern glückliches Federvieh in Freiheit.

Zwar auf dem Boden, aber in drangvoller Enge, "fast übereinander", so Professor Ueberschär, sitzen die mehr als sieben Millionen Truthähne und -hennen in deutschen Mastanstalten ein. Im Endstadium der Mast würden pro Quadratmeter 50 Kilogramm "Tiermasse" gehalten, wie es im Fachjargon heißt.

Enorme Steigerungsraten

Die Steigerungsraten sind enorm: Seit 1990 stieg der Putenkonsum in Deutschland laut einem Bericht der Lebensmittelzeitung um 80 Prozent an - nicht zuletzt wegen der ständigen Skandale bei Schweinen, Rindern und Kälbern.

Doch die Wirklichkeit bei der vermeintlich gesunden Alternative sieht auch nicht besser aus. Kläglich rutschen oder liegen, so der Spiegel, die Tiere zu Ende ihrer 22 Lebenswochen auf der überbreiten und schweren Brust, dem begehrtesten und teuersten Teil. Skelett, Beine und Sehnen können mit dem viel zu schnellen Wachstum nicht mithalten und verbiegen unter der Fleischlast.

Aufgrund der Massenhaltung richten die gequälten Kreaturen ihre Aggression - ähnlich wie die Hühner in Legebatterien - gegen die Artgenossen. Die reißen einander am Gefieder und hacken sich teilweise sogar zu Tode.

Ständige Schmerzen

Um dies zu verhindern, werden den Puten die Schnäbel gekappt. Dabei nehmen jedoch Nervenfasern, Bindegewebe und Blutgefäße Schaden. Die Folge sind Schmerzen und ständige Irritationen. Und: Die Tiere können sich nicht mehr das Gefieder putzen. "Es ist, wie wenn Sie einem Menschen die Lippen abschneiden würden," bestätigte Veit Kostka, Fachtierarzt für Geflügel in Gießen, dem Spiegel.

Zusätzlich stehen die Tiere ständig unter Medikamenten. Aspirin und Tranquilizer sollen Schmerzen und Angriffslust unterdrücken; Antibiotika werden ins Trinkwasser und ins Futter gegeben, um Infektionen zu vermeiden.

Ökolandwirtschaft als Alternative

Daß es auch anders geht, beweisen Öko-Landwirte wie Martin Bohn aus Fahrenzhausen bei München. Hier dürfen die Puten, die mit Ökogetreide, Erbsen und Bohnen gefüttert werden, tagsüber ins Freie. Allerdings ist die Aufzucht dieser Tiere doppelt so teuer wie in den Fleischfabriken. Auch Heinrich Tiemann aus dem niedersächsischen Bassum und das Gut Kappel im hessischen Arolsen haben das behäbige Vieh in ihre Landwirtschaft aufgenommen.

Glückliche Alternativ-Puten finden laut Spiegel immer mehr Abnehmer. Babykosthersteller Hipp verarbeitet sie in seinen Gläschen. Und mindestens zu Weihnachten liegen sie auch bei Großabnehmern wie Edeka, Tengelmann- und Grosso-Märkten in den Kühltheken.

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