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Ernährungsfragen

Wie kocht man trennköstlich oder makrobiotisch?

An dieser Stelle dokumentieren wir die wichtigsten Fragen, die bei einer Telefonaktion von Schrot & Korn im September 1996 von Lesern gestellt wurden. Die Antworten stammen von Ursula Paschen (Trennkost), Klaus Schubrink (Makrobiotik) und Jamila Peiter (Rohkost).

Fragen zum Thema Trennkost an Ursula Paschen

Ist die Trennkost auch fleischlos möglich?

Ja. Trennkost heißt zwar, Trennen der konzentrierten Eiweiße von den konzentrierten Kohlenhydraten innerhalb einer Mahlzeit. Das Eiweiß muß jedoch nicht in Form von Fleisch gegessen werden. Es können sehr wohl damit auch Fisch oder Milchprodukte in Form von Käse gemeint sein. Sollte auf Fisch und Milchprodukte verzichtet werden, ist immer noch nach den pflanzlichen Produkten zu trennen. Jene, die zur Eiweiß-, zur Kohlenhydrat- und zu der kombinierbaren Gruppe gehören.

Warum nehme ich trotz Trennkost nicht ab?

Hierfür kann es mehrere Gründe geben: Daß nicht ordnungsgemäß nach Dr. Hay getrennt wird. Daß nicht täglich 70 bis 80 Prozent Basenbildner, das heißt Obst, Gemüse und Salat, gegessen werden. Daß der Rohkostanteil unberücksichtigt bleibt. Daß trotz Trennung keine vollwertigen Nahrungsmittel, das heißt zum Beispiel Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Naturreis, gegessen werden. Daß auf den isolierten Zucker und damit auf Süßigkeiten nicht verzichtet wird. Daß bei der Zubereitung der Mahlzeiten zuviel Fett und minderwertige Fette verwendet werden. Daß mengenmäßig zuviel gegessen wird. Beim Abnehmen mit der Trennkost sollten auch Portionsgrößen berücksichtigt werden.

Ist Schokolade unter Kohlenhydrate oder zu den Eiweißmahlzeiten einzuordnen?

Schokolade ist in der Trennkost weder zu der einen noch zu der anderen Mahlzeit einzuordnen. Wenn Schokolade gegessen wird, dann nur selten, in kleinsten Mengen, zum Beispiel Zartbitterschokolade aus dem Naturkostladen, die mit Honig gesüßt ist und keine Milch enthält. Die meisten von uns haben eine zu hohe Süßschwelle, die nicht zu senken ist, indem wir Honig gegen isolierten Zucker austauschen. Sinn und Ziel sollte sein, durch eine vollwertige Ernährungsweise das Verlangen nach Süß zu reduzieren. Heißhunger nach Süß ist immer ein Zeichen dafür, daß unserem Körper etwas fehlt. Ihm fehlen jedoch nicht die Süßigkeiten und schon gar nicht der isolierte Zucker. Nein, ihm fehlen sogenannte essentielle Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente. Mit einer vollwertigen Ernährung können wir unseren Körper mit diesen lebensnotwendigen Inhaltsstoffen versorgen und uns dadurch von Heißhungeranfällen befreien.

Warum zählt Obst zur Gruppe der eiweißhaltigen Nahrungsmittel?

Hier ist zu unterscheiden, um welches Obst es sich handelt. Bananen, Datteln und Feigen gehören zur Kohlenhydratgruppe. Diese Obstsorten benötigen zur optimalen Verdauung ein basisches Milieu. Die Heidelbeeren zählen zur Gruppe der kombinierbaren Nahrungsmittel, da ihre Verdauung sowohl im sauren als auch im basischen Milieu möglich ist. Alle anderen Obstsorten gehören zur Eiweißgruppe, da diese zur Verdauung ein saures Milieu brauchen.

Warum zählen Quark und Joghurt zur Gruppe der kombinierbaren Nahrungsmittel?

Die angesäuerten Milchprodukte können sowohl im sauren wie im neutralen Milieu verdaut werden.

Ich bin untergewichtig - kann ich mit der Trennkost zunehmen?

Ja. Allerdings ist zu beobachten, daß, wenn Untergewichtige sich nach der Trennkosternährung richten, diese in den ersten zwei bis vier Wochen weiter abnehmen. Spätestens jedoch nach beziehungsweise ab der vierten Woche nehmen diese Menschen langsam aber stetig zu. Durch die Ernährungsweise nach der Trennkost wird der Körper entsäuert. Unter- und Übergewicht sind immer ein Hinweis dafür, daß der Säure-Basen-Haushalt entgleist ist. Bei Unter- und Übergewicht ist jedoch zu berücksichtigen, daß sehr wahrscheinlich eine Eßverhaltensstörung vorliegt. Hier kann die Trennkost nur dann erfolgreich angewendet werden, wenn begleitend eine Therapie bei Fachleuten durchgeführt wird. Die Trennkost allein wird wohl kaum eine dauerhafte Änderung des Eßverhaltens bewirken.

Fragen zum Thema Makrobiotik an Klaus Schubrink

Wenn ich Makrobiotik versuche, bekomme ich dann genug Eiweiß?

Getreide plus Hülsenfrüchte als Grundnahrungsmittel sind eine sehr wirksame pflanzliche Eiweißkombination. Sie können auch tierisches Eiweiß dazunehmen.

Makrobiotik finde ich interessant. Wo kann ich das Kochen kennenlernen?

Das Ost-West-Zentrum e.V. unter meiner Leitung organisiert immer wieder Makrobiotik-Kochkurse zu günstigen Preisen in verschiedenen Teilen Deutschlands. Außerdem druckt die Zeitschrift "Das große Leben" einen Terminkalender mit entsprechenden Informationen ab.

Makrobiotik soll ja auch bei Aids helfen. Ist da was dran?

Makrobiotik will in erster Linie zur vergrößerten Lebensfreude und Freiheit des Menschen und zum Abbau von unnatürlichen Beschränkungen wie Krankheit, materieller, seelischer Armut, Naturzerstörung und so weiter beitragen. HIV-Infektion ist ja nun eine echte Beschränkung. Makrobiotik hilft da. In meiner Beratungspraxis betreue ich einige Menschen mit dieser Entwicklung und weiß daher, daß der persönliche Zustand sich, auch medizinisch kontrolliert, ausgezeichnet verändern kann.

Diese Yin/Yang-Geschichte bei der Makrobiotik ist mir oft unklar. Gibt es da Bücher?

Sofort fällt mir ein: Georges Ohsawa: Das Einzige Prinzip - Die Philosophie der Makrobiotik - erschienen im Mahajiva-Verlag. Außerdem hat der Schauspieler Dirk Benedict einen Bericht geschrieben, in dem es vordergründig um seine Selbstheilung von Krebs geht durch Makrobiotik, aber eigentlich um Lebensstil und Veränderung, der sehr gut verständlich dieses yin/yang-Prinzip im Leben wirksam zeigt. Das Buch heißt: "Mein Leben als Kamikaze Cowboy", auch Verlag Mahajiva. Es ist sehr amerikanisch, Sie werden es lieben oder wegschmeißen. Diese Bücher werden Sie anregen, weiter zu studieren. Oder es reicht Ihnen dann. Wäre aber schade für Ihr Verständnis des Lebens.

Allergien sind ja heute ganz schlimm. Bei mir wird es nicht besser, obwohl ich schon einige Naturkost-Methoden versucht habe. Kann ich was mit der Makrobiotik erreichen?

Sehr viel! Seit Jahren habe ich ständig mit Allergikern in der Beratung zu tun. Wer sich so sehr von der menschlichen Natur entfernt hat, daß er auch in einer ganz natürlichen Umwelt nicht mehr seines Lebens froh ist, hat auch die Möglichkeit, diese Entwicklung grundlegend umzukehren. Eine genaue Betrachtung ist dabei oft eine große Hilfe. Sehr sinnvoll wäre das Buch "Allergien und Immunsystem" von Aveline und Michio Kushi - erschienen im Ost-West-Verlag. Zum Verständnis der Wirkung der Makrobiotik ist auch sehr hilfreich das Buch des Biochemie-Ingenieurs Hubert Descamps "Hippokrates hatte recht", ebenfalls erschienen im Ost-West-Verlag. Descamps analysiert hier ausführlich die verschiedenen Nahrungsbestandteile, Zubereitungsmethoden und vergleicht das mit den Empfehlungen der Makrobiotik.

Warum gibt es denn bei der Makrobiotik diese japanischen Produkte?

Japan hat über Jahrhunderte gezeigt, daß eine grundlegend pflanzliche Ernährung ohne Mangelerscheinungen möglich ist. Dabei entstand sogar eine besondere Vitalität und ein sehr flexibles Immunsystem. Nicht zufällig hat ein Heidelberger Forscher entdeckt, daß eine Art "Anti-Krebs-Hormon" (Genistein) bei traditioneller japanischer Ernährung mit Reis, Kohl und Miso-Suppe im Körper gebildet wird. In Makrobiotik-Gerichten genießen wir diese besondere Energie täglich als kleine Beilage oder Kochzutat zu den Grundnahrungsmitteln und sind sehr dankbar, daß einige Menschen in Japan diese Tradition lebendig gehalten haben. Gucken Sie doch mal in den Warenführer "Naturkost aus Japan" der Firma Schwarzbrot, da finden Sie viele ausführliche Erläuterungen.

Fragen zu Rohkost an Jamila Peiter

Zwei Fragen wurden am häufigsten an Jamila Peiter gestellt:

Wie kann ich mit reiner Rohkost meinen Eiweiß- und Calciumbedarf decken?

Die Vitalstoffe, samt Mineralstoffen und Eiweißen, die sich in der gekochten Nahrung befinden, befinden sich erst recht in der rohen Nahrung. Zwei Drittel der Menschheit ißt kein Fleisch beziehungsweise äußerst wenig und leidet deswegen nicht automatisch an einem Eiweiß- oder Eisendefizit. Viele Menschen nehmen ebenfalls keine Milch zu sich, aus Armuts- oder religiösen Gründen und leiden ebensowenig an Calciummangel. Wenn Calciumwerte von der Milchzufuhr herrühren würden, dann müßten wir uns fragen: Woher nehmen die Kühe ihr Calcium? Ein Eiweiß-Calcium- beziehungsweise Eisendefizit ist in unserer Zivilisation nur dann möglich, wenn Menschen, sei es durch Nachlässigkeit oder durch akute Armut, sich über längere Zeit einseitig ernähren. Das heißt zum Beispiel Brot und Nudeln, Nudeln und Brot, tagein tagaus, eben nur, um satt zu werden. Außerdem dann, wenn die Wertigkeit der Vitalstoffe durch kontinuierliche Einnahme von schädlichen Stoffen negativ beeinflußt wird (Drogen, Alkohol und so weiter). Darüber hinaus, wenn eine Resorptionsstörung vorliegt.

Man muß sich außerdem die Frage stellen, was ist ein Mangel? Werte, die unter den Normwerten liegen? Damit kommen viele Menschen seit Jahrzehnten zurecht. Wichtig wäre, im Zweifelsfall zu beobachten, ob sich diese Werte stabilisieren oder ob sie zunehmend weiter sinken. Wenn sie stabil bleiben, dann sollte der Betroffene einfach beobachten, ob er an irgendetwas leidet oder ob diese niedrigen Werte eher seiner individuellen Konstitution zuzuschreiben sind. Bei einem Eisendefizit könnte es sich um leichte innere Blutungen handeln, oder um starke, langanhaltende Menstruation. Tumore oder Zahnfleischbluten wären als weitere Ursachen nicht auszuschließen (Blutbeimischungen im Stuhl sorgfältig beobachten). Weitere ausführliche Hinweise sind in dem Kapitel "Vegetarische Kost" in dem Buch "Pro und Contra Rohkost" zu finden.

Wie werde ich Hunger- und Kältegefühle bei der reinen Rohkost los?

Was kann ich tun, damit sowohl Hunger- als auch Kältegefühl verschwinden? Ich setze die Tabufrage hinzu, die niemand zu stellen wagt: Welche rohe Nahrung vermittelt mir soviel Gaumenfreude wie zum Beispiel Kartoffelsuppe oder Käsebrot?

Auch hier komme ich nicht um eine Gegenfrage umhin: Wieso bestehen Sie darauf, eine Kost beizubehalten, bei der Sie frieren und ständig Hungergefühle haben? Die meisten antworten: Weil ich mich damit wohler fühle. Diese Antwort ist zwar richtig, aber das Wohlbefinden ist nicht ganzheitlich betrachtet. Wie kann man sich nämlich wohlfühlen, wenn zwei Grundbedürfnisse wie Sättigung und Körperwärme, hinzu kommt die Freude am Genuss, nicht befriedigt werden? Mein Rat heißt: Loslassen und löffelweise wieder warme Nahrung zu sich nehmen. Der eine wird mit 20 Prozent Kochkost wieder zufrieden sein, während der andere wesentlich mehr braucht, zumindest an bestimmten Tagen.

Ein Problem dabei ist: Wenn sich ein Mensch länger mit Rohkost ernährt hat und jetzt meinem Ratschlag folgen will, wird er eventuell feststellen, daß das nicht ohne weiteres geht, denn er ist nicht mehr in der Lage, eine Scheibe Brot zu essen, ohne sich danach schlecht zu fühlen. Die Wiederherstellung der Enzyme für Kochkost bedarf längerer Zeit. Wenn der Körper über Monate und Jahre ausschließlich mit roher Nahrung versorgt wurde, hat er seinen Stoffwechsel zwangsweise neu programmiert. Bestimmte Enzyme, die für eine gute Verdauung und Resorption unablässig sind, waren vor der Umstellung auf reine Rohkost vorhanden. Der Körper hat nach Wochen beziehungsweise Monaten festgestellt, daß ihm keine gekochte Nahrung mehr zugefügt wird und stellt aufgrund dessen die Produktion der entsprechenden Enzyme ein. Da die Kochnahrung immerhin keine natürliche Nahrung für den Menschen ist, sondern eine angepaßte, scheint der Körper eine längere Zeit zu brauchen, bis er sich auf Kochkost wieder einstellt, indem er neue Co-Enzyme für diese Kost in ausreichender Masse zur Verfügung stellt. Es gibt keine Pauschalregel. Der eine braucht Wochen und Monate, bis er problemlos einen Gemüseeintopf zu sich nehmen kann, der andere allerdings Jahre. Das Schlüsselwort heißt: Geduld und nochmal Geduld, denn die Wiedergewöhnung an die Kochkost braucht seine Zeit.

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