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Naturkost für Kinder

Gesunde Ernährung während Schwangerschaft und Stillzeit

Auch hier ist wieder die „vollwertige Ernährung“ der beste Rat, denn sie versorgt den Organismus optimal mit allen notwendigen Nährstoffen.

Vollwerternährung besteht hauptsächlich aus naturbelassenen, wenig verarbeiteten und frischen Lebensmitteln. Die Grundlage dieser Ernährungsform sind Pflanzen – vor allem Getreide und Kartoffeln. Gemüse und Obst kommen reichlich und voller Abwechslung – je bunter desto besser – auf den Tisch. Tierische Lebensmittel müssen hochwertig sein, Fleisch wird nur selten verwendet (maximal zweimal pro Woche).

Wichtig ist die schonende, nährwerterhaltende Zubereitung, d.h. dämpfen oder dünsten und mit wenig Wasser kochen. Etwa die Hälfte der Lebensmittel werden frisch und roh verzehrt. Gewürzt wird mit Kräutern und dafür auf Salz und Zucker weitgehend verzichtet.

Die Zutaten für die vollwertige Küche stammen aus biologischem Anbau und sind daher rückstandsärmer. Freilandgemüse wird bevorzugt, stammt vorwiegend aus der Region und paßt zu den Jahreszeiten. Das garantiert Frische, denn lange Transportwege und Lagerungszeiten vernichten wertvolle Nährstoffe, und schont die Umwelt.

Schwangerschaft & gesunde Ernährung

In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten steigt der Kalorienbedarf kaum an. Erst ab dem 4. Monat werden ca. 300 kcal pro Tag mehr benötigt. Dagegen steigt der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stark an und ist auch für das gesunde Wachstum des Kindes wichtig. Die Vollwerternährung bietet eine ausreichende und ausgewogene Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen. Auch die Versorgungsengpässe bei einigen Vitaminen und Mineralstoffen, die besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft auftreten können, lassen sich auf diese Weise ausgleichen:

Eisen wird minimal gespeichert und muß häufig während der Schwangerschaft zusätzlich aufgenommen werden. Eisenhaltige Produkte wie Vollkorn, Hülsenfrüchte sowie mageres Fleisch (nicht öfter als 2mal pro Woche) und viel Vitamin C sind dabei ideal.

Folsäure ist ein in Spinat, Spargel, Tomaten, Broccoli, Roter Bete, Orangen und Weizenkeimen enthaltenes Vitamin, das den Eiweißstoffwechsel reguliert. Der Bedarf ist bei Schwangeren verdoppelt.

Jod wird für die Synthese der Schilddrüsenhormone benötigt, Jodmangel führt zum Kropf. Meeresfische, Algen, jodiertes Salz (max. 5g täglich), das oft auch schon in speziellen Brotsorten enthalten ist, beugen diesem vor.

Kalzium kann durch einen gesteigerten Verzehr von Milchprodukten aufgenommen werden und ist wichtig für den Skelettaufbau des Babys.

Vitamine der B-Gruppe werden vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft benötigt und sind für viele Stoffwechselvorgänge wichtig. Der erhöhte Bedarf läßt sich gut durch Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, mageres Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte und viel Obst abdecken.

Stillzeit & gesunde Ernährung

Während der Stillzeit werden ca. 600 Kalorien mehr benötigt, und zwei Drittel mehr Vitamine und Mineralstoffe. Frisches Obst und Gemüse, Getreide, Kartoffeln und Milchprodukte bilden dafür eine gute Basis.

Auch der Durst der stillenden Mutter wächst und sollte mit mindestens zwei Litern am Tag gestillt werden. Wasser und ungesüßte Tees sind zu empfehlen, weniger aber Kaffee, schwarzer Tee und nur wenig bis gar keine alkoholische Getränke. Das Baby trinkt durch die Muttermilch immer mit.

Einige Lebensmittel – frisches Brot, Zwiebeln, Knoblauch, Kohl, Hülsenfrüchte, stark kohlensäurehaltiges Wasser – können zu leidigen Blähungen bei Säuglingen führen. Meist gut vertragen werden von Mutter und Kind ein Tag altes Brot, Blumenkohl, Broccoli, Tomaten, Kohlrabi, Möhren und stilles Wasser.

Muttermilch-Ersatznahrung & gesunde Ernährung fürs Baby

Muttermilch ist die gesündeste und optimal an die Bedürfnisse des Babys angepaßte Ernährung. Steht aus irgendwelchen Gründen nicht genug oder keine Muttermilch zur Verfügung kann sie durch adaptierte oder teiladaptierte Flaschennahrung ersetzt werden.

Vorbild für diese Muttermilchersatznahrungen ist immer die Muttermilch, die allerdings nicht gleichwertig kopiert werden kann.

Kuhmilch

unterscheidet sich erheblich von Muttermilch, so daß sie dieser angepaßt werden muß. Die Unterschiede bestehen hauptsächlich beim Eiweiß, bei der Fettsäurenzusammensetzung und beim Mineralstoffgehalt. Der Eiweißgehalt der Kuhmilch ist sehr hoch und überlastet die noch nicht ausgereiften Nieren des Säuglings, so daß sie mit 50% Wasser verdünnt werden muß.

Dadurch vermindern sich aber auch Fett und Kohlenhydrate, die wieder hinzugefügt werden müssen, um der Muttermilch zu entsprechen. Muttermilch enthält einen hohen Anteil an der wichtigen ungesättigten Fettsäure Linolsäure, die der Kuhmilch, die hauptsächlich über gesättigte Fettsäuren verfügt, zugefügt werden muß.

Durch solche Adaptionen kann die Kuhmilch der Muttermilch angeglichen werden, Ersatz für die wichtigen Immunstoffe, die Babys beim Stillen erhalten, kann sie nicht bieten.

Sojamilch

ist eine rein pflanzliche Milch, die aus der Sojabohne gewonnen wird. Sie ist im Nährwert der Mutter- und Kuhmilch sehr ähnlich und enthält Eiweiß mit fast allen essentiellen Aminosäuren, ist reich an Eisen, Phosphor und Vitamin B1. Als Kalziumquelle ist sie aber nicht geeignet.

Industrielle Sojamilch wird aufwendig hergestellt: sterilisiert, homogenisiert und oft entbittert und dadurch entwertet. Im Naturkosthandel angebotene Sojamilch ist biologisch und unbedenklich. Als gesunde und wichtige Nahrung gilt sie besonders für Babys und Kinder mit Laktoseunverträglichkeit. Allergische Reaktionen gegen den in Milch enthaltenen Milchzucker können zu Hautkrankheiten wie Ausschlägen und Milchschorf führen.

Flaschennahrung mit Getreide

Mit Getreide kombiniert – z.B. mit Reisschleim, Reis- oder Hirseflocken – ergibt Milch eine sättigende und nahrhafte Flaschennahrung für Babys. Milch wird mit Wasser verdünnt und zusammen mit Lactose und Getreide oder auch Stärkezusatz aufgekocht. Zum Schluß wird noch etwas Keimöl untergerührt.

Der Gehalt an Vitamin A und C reicht für eine gesunde Entwicklung bis in die fünfte Woche. Ab der sechsten Woche müssen möglichst frisch gepreßte Säfte zusätzlich in die Flasche gegeben werden, z.B. 2 ml Möhren- oder Apfelsaft.

Industrielle Muttermilchersatznahrung

entspricht strengen Sondervorschriften über die Qualität der verwendeten Ausgangsstoffe. Sie dürfen nicht mehr als 0,01 mg/kg Pflanzenschutzmittel enthalten und der Nitratgehalt nicht 250mg/kg überschreiten.

Diese Grenzwerte orientieren sich aber nicht ausschließlich an dem Wohlbefinden der Babys, sondern am technologisch Machbaren. Denn Werte unter 0,01mg/kg sind mit Meßgeräten nicht mehr nachweisbar und spielen daher für den Gesetzgeber keine Rolle mehr.

Leider fehlen auch Grenzwerte für toxische oder gesundheitsschädliche Substanzen, die noch diskutiert und später festgelegt werden sollen.

Wichtig ist, aufmerksam die Zutatenetiketten zu lesen und dabei auf zusätzliche und überflüssige Kohlenhydrate wie Maltose, Saccharose, Maltodextrine, Glucosesirup, vorgekochte oder gelatinierte Stärke zu achten. Diese Energieträger sind überflüssig, da sie süßer als Muttermilch sind und das Baby in die Geschmacksrichtung Süß drängen.

Dennoch ist industriell gefertigte Säuglingsnahrung in ihrer Nährstoffzusammensetzung der Muttermilch gut angepaßt. Sie wird unter Laborbedingungen hergestellt und ist daher hygienisch einwandfrei, die Zutaten können hier optimal abgewogen und auch analytisch getestet werden. In der heimischen Küche sind diese Voraussetzungen nur sehr schwer zu schaffen.

Selbstzubereitete Muttermilchersatznahrung

erfordert viel Disziplin, Genauigkeit und Zeit. Die geringen Mengen müssen genau abgewogen werden, Unachtsamkeiten können zu Fehlernährung führen, zeitsparendes Vorkochen birgt ein Hygienerisiko und die Zutaten können in den seltensten Fällen unter Laborbedingun-gen kontrolliert werden. Das alles sind teils Argumente gegen selbsthergestellte Ersatznahrung, können und müssen aber auch als Aufforderung zu Präzision und damit auch Beschreibung des Schwierigkeitsgrades der zu bewältigenden Aufgabe verstanden werden.

Wichtig ist die genaue Befolgung der Rezepte sowie das Achten auf Hygiene. Jede Mahlzeit muß frisch zubereitet werden, Reste dürfen nicht – auch nicht im Kühlschrank! – aufbewahrt werden.

Rezept für Muttermilchersatznahrung

nach Droese und Stolley:

  • 50 ml pasteurisierte Milch
  • 50 ml abgekochtes Wasser
  • 4g Lactose
  • 2,5g Stärke oder Reisschleim, Reis- oder Hirseflocken
  • 1,5g Keimöl
  • ab der 6. Woche: 2 ml Möhren- oder Apfelsaft

Milch, Wasser, Lactose und Stärkezusatz (oder mit Reisschleim, Reis-, Hirseflocken) zusammen aufkochen. Anschließend mit dem Schneebesen das Keimöl unterrühren.
Milchzubereitungen zur Ernährung nicht gestillter Kinder, die den jeweiligen Entwicklungsstufen des Säuglings angepaßt sind, finden sich besonders in:

  • „Kindersprechstunde“
    Dr. W. Goebel, M.Glöckler
    Verlag Urachhaus, ISBN 3-878383959
    663 Seiten, 56,00 DM

Eigene Beikost contra Gläschenkost

Argumente für die selbst zubereitete Beikost

  • Beikost wird nicht immer ökotrophologischen Empfehlungen angepaßt und allgemein zu früh als Säuglingsernährung empfohlen.
  • Gläschen enthalten oft zu viele Vitaminzusätze, Proteine und Kohlenhydrate und oft auch zuviel Salz. Dafür mangelt es meist an hochwertigen Fetten, mit mehrfachungesättigten Fettsäuren.
  • Entgegen offiziellen Empfehlungen, Zusatzstoffe wie Bindemittel, künstliche Vitamine und Süßungsmittel nicht ins Gläschen zu geben, sind sie dennoch oft enthalten.
  • Der Geschmack einer frischen Zubereitung übertrifft bei weitem den der industriell hergestellten.
  • Sie ist billiger als Gläschenkost.
  • Unüberschaubare Vielfalt und Angebote suggerieren Gesundheitswert und Geschmacksvielfalt, die Säuglinge und Kleinkinder noch nicht benötigen.

Argumente für Gläschen

  • Säuglingsnahrung fällt unter die Diätverordnung mit verbindlichen Grenzwerten. Der Nitratgehalt ist somit garantiert unter 250mg und Pestizidrückstände unter 0,01mg pro Kilogramm.
  • Die Rohstoffe unterliegen strengen Untersuchungen, die bei selbst angebauten oder gekauften Zutaten nicht durchführbar sind.
  • Die verwendeten Gemüse in Gläschen sind von ausgewählter Qualität und – bei einigen Marken – zunehmend auch aus Bio-Anbau.
  • Obst und Gemüse werden sofort verarbeitet und schonend mit Dampf konserviert. So werden Nährstoffe und Vitamine geschont und bleiben erhalten.
  • Die Qualität ist aufgrund der Kontrollen weitgehend konstant. Hygiene und Keimfreiheit sind durch Sterilisation garantiert.
  • Nicht zu vergessen: Gläschen sind schnell und einfach zubereitet.
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