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Kochen & Kinder

Kochen mit Kindern

„Die Milch kommt aus der Tüte, oder?“ Diese Frage sollte heute eigentlich niemanden mehr wundern. Fast alle Grundnahrungsmittel kommen direkt aus dem Regal auf den Tisch – Milch, Brot, Käse und Wurst warten fertig zubereitet und meist hübsch verpackt auf ihre Konsumenten. Selbst Gemüse kommt immer häufiger als Fertig-Gericht daher – für Kinder ist es ganz „natürlich“ Eßbares stets in Dosen, Gläsern und bunten Kartons vorzufinden.

Bunt und in allen nur erdenklichen Formen sind auch die speziellen Kinderprodukte abgepackt. So fantasiereich und vielfältig die knalligen Hüllen – so einseitig der Inhalt. Zu süß und zu salzig ist hier die Devise. Von Fruchtzwerg bis Milchschnitte, von Chips bis Salamistangen – all die Nährstoffangaben, die auf den Verpackungen prangen, sollen über viel Zucker, Fett und Salz hinwegtäuschen und darüber, daß Ballaststoffe, Mineralstoffe und natürliche Vitamine hier Mangelware sind. Neuerdings gibt es auch spezielle Kindermenüs. Dahinter verbergen sich normale Gerichte, an denen selbst die Stiftung Warentest bemängelt, daß sie zu viel Salz, zu viel Sauce und zu wenig Gemüse enthalten. Mit selbst zubereiteten Gerichten können diese Fertig-Menüs nicht mithalten. Insbesondere dann nicht, wenn beim Kochen viel Gemüse und Vollkornprodukte verwendet werden.

Die bewährte Alternative und Abhilfe heißt: Kochen für Kinder und – die besonders familien- und kinderfreundliche Variante – Kochen mit Kindern. Das Rezept hierfür ist denkbar einfach: Man nehme reichlich pflanzliche Lebensmittel, seltener tierische, gehe sparsam mit fett- und zuckerreichen um, ergänze alles um ein oder zwei Kinder, und verwandle die Küche in ein kulinarisches Schlachtfeld. Das Ergebnis: viel Spaß, jede Menge Erfahrungen für die kleinen KöchInnen sowie Anleitungen zu Lebensfreude und gesundem Genuss.

Wer gemeinsam mit Kindern kocht, kann drei Dinge erreichen: In der Küche erfahren die Kinder Geborgenheit und Entspannung. Nebenbei lernen sie den Umgang mit Werkzeugen und Küchenutensilien, was ihre Motorik ebenso schult wie ihre Selbstständigkeit. Und – nicht zu vergessen ist – der „gesund-essen-Effekt“. Lebensmittel nicht nur zu schmecken, sondern auch auszuwählen, zu kaufen und zu verarbeiten führt auch zu einem bewußteren Umgang mit Ernährung. So jedenfalls sehen es die Pädagogen und die Theorie.

Wenn Mütter und Väter andere Erfahrungen machen, liegt es oft an ihnen selbst. Überfallartige „Einladungen“ an die Kleinen, jetzt doch mal zu Kochen bringen nichts. Entscheidend ist: Regelmäßig kochen und frühzeitig damit anfangen.

Mit Kindern kochen: Spiel & Ritual

Gelegentlich hat der Volksmund doch recht: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das gilt besonders für Kochen und Essen. Wie eingekauft, gekocht und serviert wird, ist vielfach Gewohnheit. Ernährung bedeutet zwar in erster Linie die Versorgung unseres Organismus mit Nährstoffen. Aber Frühstück, Mittagessen und Abendbrot – sie alle teilen unseren Tag auch in verträgliche Portionen auf und sind im Laufe der Jahre zur Gewohnheit geworden. Und nochsoviel intellektuelle Erkenntnis macht es uns im „fortgeschrittenen“ Alter schwer, unsere Gewohnheiten wieder zu ändern. Die Millionen Bundesbürger mit gescheiterten Diäten sind Beleg dafür.

Gerade beim Kochen mit Kindern ist es wichtig, frühzeitig und regelmäßig anzufangen. Schaffen Sie Rituale. Zu diesen Ritualen kann auch das gemeinsame Vor- und Zubereiten der Speisen gehören. Besonders viel Spaß machen dabei Formeln, Rhythmen, Melodien und Bewegungsabläufe, die mit ihrer Bildhaftigkeit und Heiterkeit kleine Kinder bis etwa vier Jahren direkt und kindgerecht ansprechen. So macht beispielsweise Kuchenbacken doppelt soviel Spaß, wenn dazu das Lied „Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen …“ gesungen wird.

Haben Sie solche Rituale aber mit ihren Kindern nicht von Klein auf an eingeübt und zur Gewohnheit gemacht, wird es schwieriger. „Backe, backe Kuchen“-Attacken auf ein Fünfjähriges können leicht die „Mama/Papa spinnt“–Miene auf Kindergesichter zaubern und für sofortigen Rückzug zum Fernseher sorgen.

Eine Erfahrung, die Eltern in anderen Bereichen ja auch machen. Ob zu Bett gehen oder Zähneputzen: Es hilft nur das regelmäßige, immer wieder eingeübte Ritual – bis es eben automatisiert, zur Gewohnheit geworden ist.

Geben Sie sich keiner Illusion hin, daß Ihre Kinder, gleich welchen Alters, hier rationalen Argumenten zugänglich sein müßten. „Das ist gesund“ zieht nicht! Überprüfen Sie sich doch selbst. Wie oft hält Sie das Argument: „Das ist (un)gesund“ davon ab, etwas zu tun oder zu lassen? Und welche Willenskraft benötigen Sie dafür? Für Kinder und Jugendliche ist das noch schwieriger. Zumal es kaum noch natürliche oder wirtschaftlich vorgegebene (Zwangs-)Rhythmen gibt.

Früher waren Wochentage oft mit verschiedenen Arten von Mahlzeiten verbunden: die Werktage mit einfachen Gerichten aus Zutaten von Feld und Garten, und am Freitag gab es Fisch. Sonntags standen der Braten und der Sonntagskuchen auf dem Tisch. Schon das konnte sich bei weitem nicht die jeder leisten. Überdenkt aber man diese Auswahl, erscheint sie auch nach heutigen ernährungsphysiologischen Erkenntnissen sehr vernünftig. Der zusätzlich positive Effekt dieser Speisenabfolge für Kinder war, daß sie ein Gefühl für den Wochenablauf entwickelten. Auch heute ist die Erstellung eines Wochenplans für Kinder sinnvoll. Die Einbeziehung in Haushaltspflichten gewährt Ihnen, insofern sie am Alter orientiert ist und sie nicht überfordert, innerhalb der Familie Gleichmaß und Sicherheit. Aber bitte immer an das Gleichmaß denken! Eine Woche Pflichten und Fernsehverbot, weil Mama schlechte Laune hat und dann drei Wochen Seifen-Oper und Freizeit vor dem Fernseher erzeugen keine Zuneigung zu den Pflichten – sie werden dann immer als Strafe empfunden. So sind sie dann ja auch gedacht.

Ab etwa vier Jahren übernehmen Kinder im Haushalt gern Verantwortung – „dabei“ zu sein und mitzumachen. Solche Pflichten können sein: Post aus dem Briefkasten holen, den Mülleimer hinuntertragen, auch beim Kuchenbacken helfen, das Geschirr abtrocknen, den Tisch decken etc. Das hilft die Konzentration auf eine bestimmte Sache zu fördern. Auch Familiengefühl, Geborgenheit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten werden dadurch gestärkt.

All das lernen Kinder am besten spielerisch. Hier erleben sie sich und ihre Grenzen, können Aggressionen und Spannungen abbauen und lernen selbstständig mit Problemstellungen umzugehen. Wie ein zweijähriges Kind mit Messer und Gabel umgeht und wie ein fünfjähriges, hat nicht nur viel mit sozialem Lernen zu tun, sondern auch ganz banal mit der Entwicklung von Feinmotorik. Einkaufen, Kochen und Essen können so wesentliche Bestandteile der körperlichen Entwicklung sein und zwar weit über bloße Ernährung hinaus. Denn: Spielzeug und Spiele, die die Vorstellungskraft und handwerklichen Fähigkeiten beleben und schulen, sind selten geworden. Dabei ist es im Grunde so einfach – und auch so billig. Allein der Alltag bietet Spielzeug in Hülle und Fülle: Ausflüge auf den Markt, spielerischer Umgang mit Obst, Gemüse und Kochgeschirr sowie das Fertigstellen eines Gerichts sind unterhaltsam. Am Ende hat das Kind nicht nur gespielt, sondern auch noch etwas „hergestellt“. Dafür sollte es mächtig Lob geben von den Eltern – das Resultat ist immer perfekt! Kinder, die in der Familie so Respekt, Wärme, Zuwendung und Regelmäßigkeit erfahren, haben bessere Chancen, aktive, unabhängige, sozial aufgeschlossene und kreative Erwachsene zu werden.

Und außerdem haben sie es als Erwachsene leichter, sich guten Essgewohnheiten zuzuwenden.

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