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Aquazucht

Definition:

Süßwasser- und Meeresfische, die in Fischfarmen zum Verzehr gezüchtet werden.

Geschichte:

Etwa ein Drittel der Fischereiprodukte, vor allem Fische, Muscheln und Krebstiere, stammt aus Zuchtanlagen. Die Jahresproduktion 2000 lag bei rund 36 Millionen Tonnen, wobei der größte Anteil aus Asien kommt. Allein die weltweite Aquakultur von Garnelen hat sich seit 1990 von 680 000 t auf rd. 1,3 Mill. t fast verdoppelt. Insgesamt ist die Aquakultur der am schnellsten wachsende Sektor der Nahrungsmittelproduktion auf der Welt (Quelle: Bundesforschungsanstalt für Fischerei). In den letzten Jahren steigt besonders auch die Nachfrage nach Bio-Fisch aus Aquakultur.

Konventionelle Produkte:

Herkömmliche Zuchtbedingungen auf Fischfarmen sind problematisch für Mensch, Tier und Umwelt. Kritisiert werden Massentierhaltung in beengten Verhältnissen, Antibiotika und Wachstumsförderer im Fischfutter sowie Rückstände im Fisch. Untersuchungen von Lebensmittelkontrollstellen zeigen immer wieder, dass Tiere mit Rückständen des hochwirksamen Antibiotikums Chloramphenicol belastet sind. Damit bekämpfen Züchter Krankheiten, die durch die beengte Haltung auftreten. So gezüchtete Fische schmecken meist nicht: Das Fischfleisch wird durch den Bewegungsmangel und schlechtes Futter zu weich, der Geschmack tranig oder modrig.

Ein weiteres Problem ist die Belastung der Umwelt. Zum einen durch eine Gewässerbelastung mit den Fischausscheidungen, zum anderen durch die Eingriffe in die Natur. Zum Beispiel werden für die Shrimps-Massenproduktion in Indien, Thailand, Ecuador und Mexiko Mangrovenwälder zerstört.

Prinzipiell ist die Fütterung von Raubfischen wie Lachs, Forelle oder Hecht schwierig. Ihr Stoffwechsel braucht tierisches Eiweiß. Abfälle aus der Speisefischerei allein können die gigantischen Mengen an Fischmehl nicht decken, die Farmlachse in konventionellen Massenzuchtanlagen verspeisen. Deshalb müssen eigens dafür gefangene Fische ihr Leben lassen, was die Überfischung der Meere fördert.

Biolologische Produkte:

Wegen der unbefriedigenden Situation hat die Biobranche nach neuen Wegen in der Aquazucht gesucht und für einige Fischarten eigene Kriterien aufgestellt. Bio-Lachs darf beispielsweise nur mit Fischmehl aus Beifängen und Fischabfällen gefüttert werden, die bei der Speisefischerei ohnehin anfallen. Medikamente im Tierfutter sind verboten. Die Tiere haben viel Platz zum Schwimmen und bewegen sich in Küstengehegen mit Gezeitenströmung mehr als in ruhigen Teichen konventioneller Farmen. Ihr Fleisch ist deshalb fester, weniger fett und schmackhafter.

Bei der Bio-Garnelen-Aquakultur in Ecuador steht die Aufzucht der Garnelen in natürlichen Lebensbedingungen im Vordergrund. Die Schalentiere leben in großzügig angelegten Teichen und ernähren sich von Bio-Futter und natürlich vorkommendem Plankton. Künstliche Zusatzstoffe und Gentechnik werden nicht eingesetzt. Die umweltschonende, nachhaltige Aufzucht schützt die Mangrovenwälder an den Küstenstreifen Ecuadors und erhält den natürlichen Lebensraum einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Außerdem werden die Bestände der stark überfischten Wild-Garnelen werden geschont.

Öko-Forellen und -Saiblinge leben in Naturteichen mit einer hohen Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen. Die Fische haben etwa viermal mehr Platz als in der Intensivhaltung. Sie ernähren sich von Fisch und fressen Fischmehl aus Abfällen. Die normale Teichwirtschaft greift zu Pestiziden, um unerwünschtes Pflanzenwachstum einzudämmen. Das ist in der Öko-Haltung verboten.

Die pflanzenfressenden Karpfen, andere karpfenartige Fische und Schleien haben in ökologisch geführten Teichen fast doppelt so viel Platz wie ihre Artgenossen in konventionellen Zuchtanlagen. Sie ernähren sich von Pflanzenresten, Schnecken oder Mückenlarven im Teich. Etwa die Hälfte des Futterbedarfs muss so erreicht werden. Der Rest wird zugefüttert, die Zutaten stammen aus Öko-Anbau. Fischmehl brauchen die überwiegend vegetarisch lebenden Teichbewohner nicht.

Das Augenmerk der Bio-Fischzüchter liegt vor allem auf der einwandfreien Wasserqualität, der eigenen Fischnachzucht, einer verträglichen Besatzdichte der Fische, dem qualitativ hochwertigen Futter sowie der Klärung der kotreichen Abwässer.

Achtung:

Gesetzliche Vorgaben wie sie für andere Bio-Lebensmittel durch die EU-Bioverordnunggeschaffen wurden, gibt es für die Fischhaltung noch nicht. Der Europäischen Kommission liegen Richtlinienvorschläge vor, so dass diese Lücke bald geschlossen sein soll. Verschiedene Bio-Verbände sind bereits einen Schritt weiter, sie haben Bio-Standards für die Öko-Aquakultur erlassen. Naturland labelt Shrimps, Muscheln, Lachs, Forellen, Pangasius und Karpfen, die französische Soil Association Bio-Lachs. Bioland und Demeter zertifizieren Karpfen, karpfenartige Fische und Schleien.

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