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Schnelle Küche

Der Mikrowellenherd

Achtung gefährliche Strahlen?

Eine Mikrowelle in der Küche ist praktisch. Man nimmt ein Fertiggericht aus der Tiefkühltruhe oder die Reste vom Vortag aus dem Kühlschrank, stellt sie in das Gerät, schaltet ein und in wenigen Minuten steht ein leckeres Gericht auf den Tisch. Kein Wunder, dass inzwischen in der Hälfte aller Haushalte in Deutschland eine Mikrowelle steht. Doch die anscheinend unentbehrliche Küchenhilfe hat womöglich unerwünschte Nebenwirkungen. Ursache sind die Strahlen, die das Lebensmittel erhitzen, indem sie die Moleküle zum Schwingen bringen. Gleichzeitig können sie auch dessen Zellen unerwünscht beeinflussen. Zwar wollen amtliche Stellen wie das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV) und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) von solchen nicht-thermischen Wirkungen nichts wissen. Sie schließen eine Gesundheitsgefährdungen durch Mikrowellenkost aus. Doch es gibt auch andere Stimmen.

Experimente sowjetischer Wissenschaftler ergaben, dass die zur Erhitzung verwendeten Mikrowellenstrahlen Nahrungsbestandteile wie Eiweiße oder Glukoside unnatürlich zerfallen lassen. In Milch und Getreide entstanden durch die Bestrahlung neue krebserregende Verbindungen und in anderen pflanzlichen Produkten stieg die Zahl der freien Radikale. Diese Veränderungen in der Nahrung führten bei Probe-Essern zu Verdauungsbeschwerden, Funktionsstörungen im Lymphsystem und zu einer Zunahme der Krebszellen im Blutserum. Die UdSSR hatte deshalb 1976 Mikrowellengeräte kurzzeitig verboten. Bekannt gemacht hat diese Ergebnisse der Amerikaner William Kopp, der in den 70-er Jahren die Auswirkungen von Mikrowellen auf Menschen untersuchte. Er wies auch darauf hin, dass sich die sowjetischen Ergebnisse mit Erkenntnissen aus amerikanischen Tierversuchen decken.

Eine andere kritische Stimme kommt aus der Schweiz. Dort stieß der Biologe Hans U. Hertel von der Technischen Hochschule in Lausanne 1991 bei Versuchspersonen, die Mikrowellennahrung gegessen hatten, auf ein verändertes Blutbild. Veränderungen, "die das Anfangsstadium eines pathologischen Prozesses anzuzeigen scheinen, wie es sich bei der Auslösung eines Krebsgeschehens präsentiert", wie Hertel damals formulierte. Er wurde deshalb vom Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz (FEA) verklagt und siegte erst vor kurzem vor dem Europäischen Gerichtshof. Seitdem darf Hertel ungestraft sagen: "Mikrowellen machen Krebs".

Die Hersteller und die große Mehrheit der Experten lehnt diese These ab, kritisieren Studien, die sie stützen, als methodisch mangelhaft. Sie halten die Mikrowelle für ungefährlich und verweisen darauf, dass nicht mehr Nährstoffe zerstört würden, als beim Kochen auf dem Herd. Biophotonenforscher Fritz-Albert Popp dagegen hat mit seinen Messmethoden festgestellt, dass die Qualität der Nahrungsmittel durch die Strahlung erheblich leidet. Er warnt davor, die Mikrowelle zum Auftauen zu benutzen oder Fleisch darin zu erhitzen. Bei Pflanzen hält er die Auswirkungen für nicht so dramatisch.

Auch wenn man diese vermuteten Wirkungen der Strahlen auf die Nahrungsmittel nicht teilt, hat die Mikrowelle Nachteile. Die extra hergestellten Fertiggerichte für die Mikrowelle sind voll von Zusatzstoffen und Aromen, über deren gesundheitliche Auswirkungen nur wenig bekannt ist. Diese Chemikalien sorgen zum Beispiel dafür, dass sich eine braune Kruste bildet oder das Gericht nach gebratenem Fleisch riecht, obwohl die Mikrowelle gar nicht braten kann. Auch Energie lässt sich mit dem strahlenden Heißmacher kaum sparen. Beim Aufwärmen verbraucht die Mikrowelle nur bei kleinen Portionen bis 500 Gramm weniger Strom als ein Elektroherd mit Keramikfeldern. Vergleicht man die Energie, die notwendig ist, ein Fertiggericht herzustellen, es tiefgefroren zu halten und in der Mikrowelle zu erhitzen mit derjenigen, die man braucht, um das gleiche Gericht aus frischen Zutaten zu kochen, gibt es bei Single-Mahlzeiten ein Unentschieden. Sobald für mehr als eine Person gekocht wird, fällt die Bilanz zugunsten des frisch zubereiteten Essens aus, ebenso, wenn man einen Gas-Herd benutzt.

In der Vollwertküche hat die Mikrowelle aus all diesen Gründen keinen Platz. Hier dient zum Erhitzen und Kochen weiterhin der Herd. Der läßt sich auch gut zum Aufwärmen benutzen. Man gibt die Reste mit etwas Fett in einen Topf oder eine Pfanne und lässt sie bei leichter Hitze aufkochen. Bei soßigen Gerichten genügt statt dem Fett etwas Wasser oder Milch. Umrühren nicht vergessen. Das alles ist eine Idee aufwendiger als mit der Mikrowelle, dafür handelt es sich um eine seit Jahrhunderten erprobte Technik.


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