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Sojasoße

Ein Hauch von Fernost

Sojasoßen sind aus der asiatischen Küche nicht wegzudenken und erfreuen sich auch hierzulande wachsender Beliebtheit. Als universelles Würzmittel betonen sie den Eigengeschmack der verschiedensten Gerichte und verleihen ihnen einen Hauch von Fernost.

Die würzige Soße wurde vor etwa 5000 Jahren in China erfunden und verbreitete sich von dort über ganz Ostasien. Der Sage nach brachten buddhistische Mönche das Geheimnis der Sojasoßenbereitung zunächst nach Japan. Wann die JapanerInnen die Sojasoße erstmals kennenlernten, läßt sich wohl nicht mehr so ganz nachvollziehen. Die Literaturangaben reichen vom 5. bis zum 12. Jahrhundert. Ursprünglich war die Sojasoße nichts anderes als die Flüssigkeit, die bei der Herstellung von Hatcho-Miso, einer fermentierten Sojapaste, abgeschöpft wurde. Als die Nachfrage nach dieser Original-Sojasoße - Tamari genannt - stieg, wurde Miso schließlich auch eigens zur Tamari-Produktion angesetzt. Diese traditionelle Sojasoße - also ausschließlich aus Sojabohnen - wird in China auch heute noch am häufigsten produziert. Auf die Idee, geröstetes und zerkleinertes Getreide mitzuverwenden, kamen erst die Japaner. Dieses sogenannte Shoyu ist dünnflüssiger und etwas milder im Geschmack als Tamari. Bereits im 15. Jahrhundert tauchte Shoyu in einem japanischen Wörterbuch auf. Damals kam Gerste mit hinein, etwa seit dem 18. Jahrhundert wird Weizen mitvergoren. Heute ist das Mischungsverhältnis Sojabohnen:Weizen für die Shoyu- Herstellung auf 1:1 festgelegt. Shoyu ist die Art von Sojasoße, die nicht nur in Japan Karriere gemacht hat, sondern auch zuerst in europäischen Küchen Einzug hielt.

Traditionsbewußt:
Gut Ding will Weile haben

Ganze Sojabohnen werden eingeweicht und gar gekocht, für Shoyu werden Weizenkörner in heißem Sand geröstet und aufgebrochen oder geschrotet. Nach dem Abkühlen werden die Sojabohnen oder die Mischung aus Sojabohnen und Weizen mit Kojikultur beimpft. Diese besteht aus Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus oryzae, manchmal ist auch Aspergillus soyae mit dabei. Manche Hersteller beimpfen gleichzeitig auch mit der Hefe Saccharomyces rouxii. Nach drei Tagen haben sich die Pilzkulturen auf den Sojabohnen und dem Weizen vermehrt: Koji ist jetzt reif für die Weiterverarbeitung. Mit Salzwasser vermischt entsteht eine Maische, die Moromi, mit bis zu 20 Prozent Meersalz. Das Salz stellt sicher, daß keine unerwünschten Mikroorganismen wachsen können. Das Moromi wird nun in Fässer gefüllt, wo es vergärt und reift. Traditionell geschieht dies in handgefertigten, offenen Zedernholzfässern, die bis zu acht Tonnen Moromi fassen. Im Faß beginnt die Maische spontan unter Beteiligung von natürlich vorhandenen Milchsäurebakterien und später von Hefen zu gären. Schneller geht's durch Zusatz von Mikroorganismen oder bereits fertig gegorenem Moromi, in dem sich die Milchsäurebakterien und Hefen schon angereichert haben. Mindestens sechs Monate nimmt der Fermentationsprozeß bei der natürlichen Umgebungstemperatur heute in Anspruch. Üblich sind 18 Monate bis zwei Jahre. Es gibt auch noch hochwertigere Soßen, die bis zu fünf Jahren im Faß liegen. Beschleunigen läßt sich die Fermentation durch eine Temperatursteuerung, was bei der traditionellen Herstellung natürlich verpönt ist. Alle Hersteller von Bio-Sojasaucen verzichten selbstverständlich darauf und lassen natürliche Sommer- und Wintertemperaturen wirken. Zur Vermeidung des Wachstums unerwünschter anaerober Mikroorganismen erfolgt die Gärung unter guter Belüftung. Dazu wird entweder Luft in die Fässer gedrückt oder mit einem Paddel umgerührt.

Pilze, Bakterien und Hefen sorgen für Würze

Aspergillus oryzae produziert Enzyme, die das Sojabohnenprotein während der Gärung zu Peptiden, einzelnen Aminosäuren und Amoniak spaltet. Aus dem Sojaöl werden die Fettsäuren freigesetzt. Die Stärke wird von Enzymen des Schimmelpilzes bis zur Glucose abgebaut, die dann zum Teil von Milchsäurebakterien zu Milchsäure und von den Hefen in Alkohol umgesetzt wird. Da Weizen im Gegensatz zu Sojabohnen reichlich Stärke enthält, produzieren die Hefen während der Fermentation von Shoyu auch mehr Alkohol als bei der von Tamari. So hat Shoyu zwei Prozent und mehr Alkohol, während reines Tamari fast alkoholfrei ist. Mehr Alkohol enthält Tamari, wenn zur Geschmacksabrundung Reiswein oder Mirin - ein sojasoßenähnliches Produkt aus Reis - zugesetzt wurde. Bei der Fermentation gelangen auch noch zahlreiche andere Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen in die Soße. Insgesamt finden sich im fertigen Produkt rund 300 Geschmacks- und Aromastoffe. Auch Mineralstoffe wandern hinein, wie beispielsweise das in Sojabohnen reichlich vorhandene Eisen. Um die nun hell- bis tiefbraune fertige Sojasoße abzutrennen, wird abgepreßt, filtriert oder vorsichtig abgeschöpft und anschließend zwischengelagert, damit sich Feststoffe absetzen können und sich das Öl oben ansammelt. Anschließend wird durch Pasteurisierung der Fermentationsprozeß gestoppt und die Haltbarkeit der Sojasoße erhöht. Dabei werden auch die Enzyme denaturiert, die sonst zum Beispiel in Sojasoße eingelegten Sojakäse abbauen würden.

Fades Soßenimitat
oder Bio-Qualität

Viele Sojasoßen, die es zu Billigpreisen auf dem Markt gibt, haben mit traditionellem Tamari oder Shoyu wenig zu tun. Denn was Aspergillus oryzae bei der traditionellen Herstellung in mühevoller Kleinarbeit schafft - nämlich den Abbau der Proteine, Öle und Kohlenhydrate - nimmt ihm in der Industrie konzentrierte Salzsäure ab. Entfettetes Sojamehl, ein Rückstand aus der Sojaölgewinnung, dient als Rohstoff, der durch die sogenannte Säurehydrolyse abgebaut wird. Anschließend müssen dann nur noch Milchsäurebakterien und Hefen einwirken. Das geht natürlich viel, viel schneller und ist damit billiger. Zudem ist kaum noch Öl im entfetteten Sojamehl, was den Fermentationsprozeß zusätzlich verkürzt. Geschmacklich kann ein solches Produkt dem Original natürlich nicht das Wasser reichen. Deshalb wird die Industriesoße mit traditionell fermentierter Soße verschnitten und oft zusätzlich mit Aromen, Zucker und Karamel für die Farbe versetzt. Für den Export wird meist mit Natriumbenzoat (E211) konserviert. Leider haben solche Soßen inzwischen den höchsten Marktanteil erreicht. Selbst in Japan erfreuen sie sich allergrößter Beliebtheit. Zu 90 Prozent vorherrschend ist dort der Sojasoßen-Typ Koikuchi, der bis zur Hälfte aus dem auf chemische Weise gewonnenen Hydrolysat besteht. Noch mehr Salzsäure-Hydrolysat enthält Usukuchi.

Alle Hersteller von Bio-Saucen verwenden Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau und fermentieren selbstverständlich nach traditioneller Art im Holzfaß. ARCHE importiert Shoyu und Tamari, die auch makrobiotischen Qualitätsansprüchen genügen, von Familienbetrieben in Japan. Ebenfalls in japanischen Zedernholzfässern reifen die MUSO Shoyu- und Tamari-Sojasoßen. Größter europäischer Bio-Shoyuhersteller ist die Firma DANIVAL in Frankreich, die französische Rohstoffe aus ökologischer Landwirtschaft (Nature & Progres) einsetzt. Ebenfalls in Frankreich produziert die Firma LIMA ihre Shoyu und Tamarisoßen. Noch weniger Transportwege hat Shoyu der Firma NOKA hinter sich: Die Rohstoffe stammen aus kbA deutscher Anbauverbände, produziert wird in Rheinhessen. Da Tamari und Shoyu noch geringe Mengen von intaktem Sojaprotein enthalten, gibt es jetzt auch ein ausschließlich aus Hafer hergestelltes Produkt für Sojaeiweiß-AllergikerInnen. Die Firma Bio Vita bringt es unter der Bezeichnung Shoyu in den Handel.

Ein völlig natürlicher Geschmacksverstärker

Sojasoße eignet sich im besonderen Maße dazu, den Geschmack der verschiedensten Speisen zu verstärken. Das schafft sie durch den natürlichen Gehalt an der Aminosäure Glutamat, die während der Fermentation vom Soja- und Weizenprotein abgespalten wird. So können einige Tropfen Sojasoße das Aroma von Gemüsen, Suppen, Getreidegerichten, Salaten, Fleisch und Fisch so richtig zur Geltung bringen. Dadurch läßt sich auch Speisesalz einsparen. Aber Vorsicht: Auch "salzarme" Sojasoße enthält aus Haltbarkeitsgründen mindestens 13% Salz. Während Shoyu sich geschmacklich mehr im Hintergrund hält, hat Tamari eine stärkere eigene Geschmacksnote, die einen Hauch Fernost auch in europäische Gerichte bringt. Sojasoße in Marinaden gibt beispielsweise Gemüsen oder Tofu den letzten Pfiff. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Probieren Sie's einfach aus.
Ulrike Berges
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