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Sommerküche und Getränke

Der Reis und die Götter

Die Geschichte vom Reis beginnt vor mehr als 6000 Jahren in China. Von dort breitete er sich in alle feucht-warmen Regionen Asiens aus und wurde rasch zur Nahrungsgrundlage. Die Geschichten reichen sehr weit zurück und erzählen zuerst von Göttern und sehr viel Blut. Die Parallele liegt auf der Hand: Beide beherrschen das Leben der Menschen.

Ein Mythos auf Borneo erzählt, wie die Tochter des Schöpfergottes von ihrer Mutter getötet wurde, um die Hungersnot der Bevölkerung zu lindern. Die Mutter zerstückelte den Leichnam und pflanzte die Teile am Fluss ein. Aus dem Kopf wuchs die Kokosnuss, aus den Armen das Zuckerrohr, aus den Knien Taro (eine stärkehaltige Knollenpflanze) und aus dem Blut der Reis. Die meisten Mythen erzählen, wie die Menschen den Reis durch schwere Opfer den Göttern abtrotzten. Nur wenige Götter gaben so freiwillig wie das Götterpaar auf Bali, die den Reis vom Himmel auf die Erde sinken ließen.

In Europa gibt es keine Geschichten vom Reis und schon gar keine göttlichen. Dafür lernten die Europäer ihn zu spät kennen. Die Griechen, die ihm den Namen "oryza" gaben, erfuhren von ihm durch Alexander den Großen. Der Anbau von Reis im Mittelmeerraum begann erst viel später, ab dem 7. Jahrhundert.

Der Reis und die Ökotrophologie

Das Reiskorn wird von einer harten, unverdaulichen Hülle (Spelze) umschlossen, die in speziellen Mühlen und Schleifen entfernt wird. Durch das Schleifen werden Geschmack, Nährwert und Haltbarkeit des Reiskorns bestimmt, das aus mehreren Schichten mit unterschiedlichem Nährstoffgehalt besteht. So befinden sich 80% des im Reiskorn enthaltenen Vitamins B1, 53% Vitamin B2, 65% Niacin (Nikotinsäure), 60% Pantothensäure sowie 85% des gesamten Fettgehalts in der Schale des Korns. Je mehr davon abgeschliffen wird, desto mehr Nährstoffe gehen verloren.

Der Naturkosthandel vertreibt ausschließlich braunen Reis. Dieser Naturreis ist Vollkornreis, bei dem nur die unverdauliche Spelze entfernt wurde. Er enthält noch alle Nährstoffe und hat ein intensives, nussiges Aroma. Im konventionellen Handel werden verschiedene Reissorten angeboten, die vor allem auf "convenience" abzielen: Den Verbrauchern soll so viel "Arbeit" wie eben möglich abgenommen werden. Das bedeutet für den Reis kurz und wertlos geschliffen zu werden.

Gegarter Naturreis enthält pro 100 Gramm 73% Wasser, 23g Kohlenhydrate, 2,6g Eiweiß, 1,7g Ballaststoffe und 0,9g Fett. Er hilft bei Verdauungsproblemen, Bluthochdruck und ist dank seines milden Geschmacks nicht nur im Sommer eine leichte und köstliche Beilage zu fast allen Gerichten.


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