Begegnen - Interview: Protest mit Alternative (S&K 01/2010)

wer:
Nicolaus Kessener
wann:
9. Januar 2010
Bewertung:

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,

aber nicht genug

für jedermanns Gier.“

Mahatma Gandhi





Die globale Ausweitung regionaler Märkte, das Erfinden immer neuer Finanzmehrwertprodukte, die durch keine realen Werte mehr gesichert werden, das Aufgeben tradierter Werte zugunsten einer bequemen und egoistischen Beliebigkeit führen in ihrem Zusammenspiel zum Kollaps unseres Finanz- und gesellschaftlichen Wertesystems. Die T- Helferzellen unseres gesellschaftlichen Systems, die sozialen, karitativen und christlichen Organisationen, politische Parteien und Organisationen werden finanziell nicht mehr gesichert und müssen ihren Dienst einstellen. Da unser gesellschaftlicher Organismus es nicht gelernt hat, sich auf andere Weise gegen Finanznot, Arbeitslosigkeit und Finanzjonglagen zahlreicher Vertreter zu wehren, wird er zum Selbstbedienungsladen für Ausbeuter und muss auf Dauer zugrunde gehen.



Es gab bis in die 1980er Jahre fest gefügte Weltbilder, Antagonisten: der Westen gegen den Osten, Kommunismus gegen Kapitalismus. Mit dem Fall der Mauer, der Zerschlagung kommunistischer Staaten und hemmungsloser Ausbreitung des Kapitalismus gab es auch keinen ernst zu nehmenden Gegenspieler für den Kapitalismus: das Fehlen eines Gegenparts in einer gesellschaftlichen Ordnung zwingt nicht mehr zum Überdenken der eigenen Positionen sondern leistet der Selbstzerstörung Vorschub: Gier ist kein tragfähiger gesellschaftlicher Faktor und wir sind längst weit fortgeschritten auf dem Weg in eine gierige Gesellschaft.



Wir überlegen, was zu tun ist, damit wir das Virus Gier zerstören, dass unsere Gesellschaft von innen ausgehöhlt hat und unsere tradierten ethischen Werte durch Reichtum/Macht/Gier ersetzt hat.

>Die Firma Monsanto ist ein börsennotierter Konzern mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Er stellt unter anderem Süßstoffe, Pestizide, Herbizide und gentechnisch verändertes Saatgut her. Das Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2007 bei einem Umsatz von 8,6 Milliarden US-Dollar einen Nettogewinn von 993 Millionen US-Dollar.

In den 1960er- und 1970er-Jahren, während des Vietnamkriegs, war Monsanto ein wichtiger Lieferant des als chemischer Kampfstoff klassifizierten und mit Dioxinen kontaminierten Herbizids „Agent Orange“.< (http://de.wikipedia.org/wiki/Monsanto)



In Deutschland wurde im April die Freilandausbringung des genveränderten Maissaatguts MON 810 der Firma Monasanto verboten. Die Gefahr bestehe, dass genverändertes Saatgut auf Dauer den Menschen und Tiere, die mit dem Saatgut in Verbindung kommen, schädigen kann. Monsanto klagte vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig gegen das Verbot und unterlag am 19.05. erneut; genverändertes Saatgut der Sorte MON 810 bleibt (vorerst) verboten in Deutschland.



Ich wünschte, dass diese Entscheidung der Beginn eines Umdenkens in allen gesellschaftlichen und politischen Belangen bedeuten möge. Gier und unkontrolliertes, hemmungsloses Durchsetzen einseitiger Interessen ohne den Blick auf benachteiligte Menschen, Nationen oder Kontinente werden auf Dauer dazu führen, dass wir diese Welt zerstören. Nur das Anerkennen anderer Denkungsart, Respekt, Ehrfurcht und Demut vor dem Leben, den Menschen und ihren Lebensleistungen wird uns auf Dauer dazu befähigen, mit unserer Welt statt gegen sie zu leben. Nicht größer, höher und weiter sind gefragt, sondern eine Synergie des Wissens; das Zusammenbringen und Verstehen unterschiedlicher Denkansätze.

Global oder weltweit zu denken bedeutet in erster Linie, Verstehen zu wollen, wie andere Menschen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten ihr Leben gestalten und von ihren Lebensentwürfen zu lernen. Es ist nicht erstrebenswert, sich mit dem Virus Gier zu infizieren und dem Streben nach Geld, Macht und Reichtum alle anderen lebenswerten Verhalten unter zu ordnen.

Ich wünschte, dass Lehren und Lernen wieder interessierte Menschen zusammenführt, die es als Aufgabe ansehen, die Welt von Morgen zu gestalten mit der Hilfe gemachter Erfahrungen und auf der Grundlage menschlicher Erkenntnisse. Es wäre ein großer Schritt auf diesem Weg, wenn wir im Mikrokosmos unserer Heimatstadt wieder den Blick und das Verständnis für andersdenkende Menschen gewinnen und der Gier in jeder Ausprägung entsagen; das wäre ein guter Beginn eines vermutlich langen Weges.



Dank an Benedikt Haerlin, der schon oft gezeigt hat, dass es möglich ist, die Welt zu verändern!



„Ein Irrtum kann niemals zu Wahrheit werden, ganz egal wie oft man ihn wiederholt. Eine Wahrheit hingegen kann niemals Irrtum sein, auch wenn niemals jemand von ihr erfährt.“

Mahatma Gandhi

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