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Aktuelle Meldungen vom 24.06.2002

Rauchen noch viel gefährlicher als bislang befürchtet

Internationale Studie zeigt: Jeder zweite Raucher wird an einer Krankheit sterben, die er sich durch Tabak eingehandelt hat

Der Tabak hat noch schrecklichere Folgen, als Raucher und Nichtraucher bisher befürchtet haben: Zigaretten sind deutlich gefährlicher und führen auch zu mehr Krebsarten, warnt die umfassendste Untersuchung, die es je zur Nikotinsucht gegeben hat.

Experten aus zwölf Ländern haben für die International Agency for Research on Cancer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 3.000 Studien ausgewertet, an denen mehr als eine Million Raucher teilgenommen haben.

Deren Zukunftsaussichten sind demnach grässlich. Mindestens jeder Zweite von ihnen wird an einer Krankheit sterben, die er sich mit dem Tabak eingehandelt hat - zum Beispiel an Krebs, aber auch an einem Herzleiden, Schlaganfall oder Lungenemphysem. Bei der Hälfte von ihnen wird der Tod schon im mittleren Alter eintreten - sie verlieren also im Schnitt 20 bis 25 Lebensjahre.

Nicht nur altbekannte Leiden

"Wir sind immer noch dabei zu lernen, wie gefährlich Tabak ist", sagt der Vorsitzende des Experten-Panels, Jonathan Samet von der Johns Hopkins University in Baltimore. "Erst langsam erkennen wir, was passiert, wenn eine Generation schon in jungen Jahren mit dem Rauchen anfängt. Und dieses Gesamtbild ist beunruhigender als das, was wir uns aus Einzelteilen zusammengesetzt hatten."

Zu diesem Gesamtbild gehört auch, dass Zigarettenrauch nicht nur die altbekannten Leiden auslösen kann. Er führt auch Krebsarten herbei, die man dem pflanzlichen Killer bisher nicht angelastet hat. Mit der Studie, die erst im Laufe dieses Jahres vollständig publiziert wird, ist nun erstmals bewiesen, dass Tabakkonsum auch Tumore in Magen, Leber, Gebärmutterhals und Niere auslösen kann. Dies war zuvor nur vermutet worden.

Risiko höher als prophezeit

Aber auch das Risiko für bereits bekannte tabakbedingte Krebsarten ist höher als prophezeit. So dachten Epidemiologen, Raucher erkrankten drei- bis viermal so häufig an Tumoren von Blase und Nierenbecken wie Nichtraucher. Tatsächlich ist ihr Risiko aber fünf- bis sechsmal so hoch.

Ein weiteres wichtiges Argument liefert die Studie auch den Nichtrauchern: Definitiv ist nun bewiesen, dass Passivrauchen töten kann, so das Fazit der WHO. Wer unfreiwillig im blauen Dunst sitze, dessen Lungenkrebs-Risiko sei um 20Prozent erhöht. Erstmals kommt somit eine internationale Organisation zu diesem brisanten Schluss, den manche nationalen Institute längst gezogen haben.

Die Studie hat in vielen Bereichen für Klarheit gesorgt: Zum einen haben zumindest manche Krebsarten - wie Karzinome von Brust, Prostata und Gebärmutterschleimhaut - wenig bis nichts mit dem Tabakkonsum zu tun. Zum anderen ist es zwar am gesündesten, erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen, aber immerhin nützt es jederzeit etwas, damit aufzuhören.

Aufhören mit Anfang dreißig

Wer noch mit Anfang dreißig von den Glimmstängeln lässt, senkt sein Risiko sogar fast wieder auf Normalniveau. "Aber auch später aufzuhören ist in jedem Fall besser, als unverdrossen weiterzumachen", sagt Peter Drings von der Deutschen Krebsgesellschaft.

Gerade das haben aber die Deutschen noch nicht begriffen: Erst am Dienstag hat die WHO in Bonn eine weitere Studie vorgestellt. Demnach denken fast zwei Drittel der deutschen Raucher nicht einmal daran, dem Nikotin zu entsagen. "Diese Leute wissen zwar, dass jeder Zweite am Tabak stirbt", so Drings. "Aber sie denken immer, dass sie es nicht sind." (Quelle: Süddeutsche Zeitung online)

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