Aktuelle Meldungen vom 23.04.2003
"Künast kuscht vor Knabberindustrie"
Ein Jahr Acrylamid
Anlässlich der einjährigen Bekanntheit des Acrylamid-Problems in Lebensmitteln erklärt foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode:
„Das Verbraucherschutzministerium setzt auf ein ‚Acrylamid -
Minimierungskonzept’, das nicht die am niedrigsten belasteten Produkte als Messlatte nimmt, sondern die am höchsten belasteten Produkte. Das Vorsorgeprinzip ist damit außer Kraft gesetzt, denn wirtschaftliche Interessen bestimmen Tempo und Umfang der Acrylamid-Reduzierung. Die Hersteller blockieren eine deutlichere Absenkung der Acrylamidbelastung, weil die dazu erforderliche verbesserte Auswahl und Lagerung der Rohstoffe, die Optimierung von Erhitzungsabläufen oder striktere Qualitätskontrollen am Endprodukt ihre Profite schmälern. Durch die Weigerung der Bundesregierung, produktbezogene Acrylamidwerte zu veröffentlichen, haben die Verbraucher keine Möglichkeit, besonders stark belastete Lebensmittel zu vermeiden. Deshalb entsteht auch kein Druck auf die Hersteller, die Belastungen ihrer Produkte zu reduzieren. Verbraucherministerin Renate Künast kuscht vor der Industrie, anstatt Verbraucherrechte durchzusetzen."
foodwatch forderte die Bundesregierung auf, die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung schnellstens durch folgende Maßnahmen zu verringern:
- Produktbezogene Veröffentlichung von Messergebnissen.
- Orientierung von Vorschriften für eine ‚Gute Herstellungspraxis zur Vermeidung von Acrylamid-Kontaminationen’ an den niedrigsten Messwerten.
- Ständige Verbesserung dieser ‚Guten Herstellungspraxis’. Ziel muss die weitestgehende Eliminierung von Acrylamid sein, wie für Trinkwasser bereits durch eine EU-Richtlinie vorgeschrieben.“
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat indessen ein enttäuschendes Fazit gezogen: Aus den vorhandenen Daten ließen sich keine nachhaltigen Verbesserungen erkennen.
Es sei zwar klar gewesen, dass Wirtschaft, Wissenschaft, Behörden und Verbraucher große Anstrengungen unternehmen müssten, um das Verbraucherrisiko zu minimieren. Dennoch seien aus Sicht der Risikobewertung größere Erfolge wünschenswert gewesen. „Die Forderung nach einer weiteren deutlichen Reduzierung der Acrylamidgehalte in Lebensmitteln bleibt uneingeschränkt bestehen“, verlautete es jetzt aus der Behörde.
Mehr zum Thema
- Acrylamid im Essen
- Hersteller sollen Acrylamid-Belastung offenlegen
- Krebsrisiko Acrylamid größer als befürchtet
| - | + | Leserbrief schreiben | Seite empfehlen | |


