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Aktuelle Meldungen vom 19.05.2005

Kranke Kinder durch Tabakrauch in der Wohnung

Passivrauchen verschlimmert 112 Kleinkind-Erkrankungen

Jedes Jahr müssen in Deutschland mehr als 14.000 Kinder unter fünf Jahren in Krankenhäusern behandelt werden, weil ihre Gesundheit durch Tabakrauch in der Wohnung geschädigt wurde. Jede vierte bis fünfte Klinikbehandlung wegen Mittelohrentzündung oder Atemwegserkrankungen wäre vermeidbar, wenn die Eltern wenigstens zuhause das Rauchen aufgeben würden.

Dies haben Krankheitsforscher (Epidemiologen) in der Deutsche Medizinische Wochenschrift (DMW, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2005) ausgerechnet. "Rauchen gilt international als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko", schreibt Dr. René Thyrian von der Universität Greifswald. Wobei der aktive Raucher keineswegs nur sich selbst schädigt, sondern auch seine Mitbewohner, vor allem wenn diese noch sehr jung sind. Laut Dr. Thyrian gibt es insgesamt 112 Erkrankungen, für die eine schädliche Wirkung des Passivrauchens auf die Gesundheit von Kleinkindern bekannt ist.

Beispielsweise steige das Risiko von tiefen Atemwegserkrankungen um 57 Prozent und das Risiko einer Mittelohrentzündung um 62 Prozent, wenn die Kinder zuhause zum Passivraucher werden. Das Asthmarisiko werde sogar mehr als verdoppelt. Diese Daten setzte Dr. Thyrian mit den Ergebnissen des Mikrozensus 1995 in Beziehung. Diese repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass fast die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren (46,5 Prozent) in Haushalten mit mindestens einem Raucher leben.

Aus beiden Datenquellen berechnete Dr. Thyrian die "tabakrauch-attributable Morbidität" (TAM). Das ist der rechnerische Anteil der Krankheitsfälle, die durch die Belastung mit einem Schadstoff, hier dem Passivrauchen verursacht wird. Die TAM-Werte sind in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten. Hier sind 3,8 Prozent aller Klinikbehandlungen von Kleinkindern auf häusliches Passivrauchen zurückzuführen. In Bayern und Rheinland-Pfalz waren es "nur" 1,6 Prozent. Die höchsten TAM-Werte wegen Mittelohrentzündung oder Atemwegserkrankungen gab es in Schleswig-Holstein (27,1%), die wenigsten in Berlin (22,0%).

Dr. Thyrian fand außerdem heraus, dass Klinikbehandlungen wegen "tabakrauch-attributabler" Erkrankungen um einige Tage länger dauern, als wenn die gleichen Erkrankungen andere Ursachen haben.
Das Fazit ist klar: Rauchfreie Wohnungen haben für die Krankheitsvorsorge von Kleinkindern aber auch von Erwachsenen oberste Priorität. Die Zahlen mögen zwar abstrakt sein. "Doch hinter jeder tabakrauch-attributablen Diagnose steht ein persönliches Schicksal", schreibt Dr. Thyrian. Deshalb gebe es für die Beendigung des Rauchens keine Alternative.

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