Aktuelle Meldungen vom 29.09.2005
Jedes zweite Kind leidet an Kopfschmerzen
Ursachen könnten vielfach psychisch bedingt sein
Einer Studie der Universität Göttingen zufolge hat jedes zweite Kind im Alter zwischen sieben und 14 Jahren im vergangenen halben Jahr an Kopfschmerzen gelitten. Rund 6,5 Prozent aller Kinder hat einmal wöchentlich oder sogar häufiger Kopfschmerzen.
Für die Studie wurden mehr als 5.600 Familien mit Kindern per Fragebogen befragt. Die Wissenschaftler um Birgit Kröner-Herwig vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie wollen neben der Verbreitung der Kopfschmerzen auch die Faktoren, die das Auftreten von Kopfschmerzen begünstigen, ermitteln.
Wichtige Fragen waren etwa die Symptome der Schmerzen, weitere gesundheitliche Belastungen der Kinder und der Familien sowie nach möglichen Risikofaktoren wie zum Beispiel Depressivität. Nach den Studienergebnissen tritt der erste Kopfschmerzanfall im Durchschnitt mit acht Jahren auf, bei Jungen früher als bei Mädchen. Insgesamt haben Mädchen häufiger Kopfschmerzen, insbesondere ab einem Alter von zwölf Jahren. 13 Prozent aller 13- bis 14-jährigen Mädchen, aber nur sechs Prozent der gleichaltrigen Jungen, haben einmal wöchentlich Beschwerden. Auffällig war, dass mit dem Alter die Anzahl der betroffenen Kinder kontinuierlich ansteigt ebenso wie die Zahl derjenigen, die regelmäßig Kopfschmerzen haben. "Der sozioökonomische Status der Familie zeigt keine bedeutsame Beziehung zum Auftreten von Kopfschmerz. Ein signifikanter, wenn auch nicht schwergewichtiger Faktor ist das Leben in einem Haushalt mit einem allein erziehenden Elternteil", so Kröner-Herwig im pressetext-Interview.
Rund 7,5 Prozent der Kinder sind von Migräne betroffen. "Problematisch dabei ist, dass diese Art von Kopfschmerzen bereits sehr früh, mit sechs bis sieben Jahren auftritt", so die Wissenschaftlerin. "Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen". Diese Kopfschmerzen beeinträchtigen die betroffenen am stärksten. Ein Migräneanfall auf einer Skala von null bis zehn wird mit der durchschnittlichen Wertung sechs als sehr schmerzhaft angegeben. "Migräne führt zu Fehlzeiten und erheblicher Beeinträchtigung in der Schule", erklärt die Wissenschaftlerin. "Daten legen nahe, dass es eine enge Verbindung zwischen Kopfschmerz und anderen Schmerzarten wie Bauch- und Rückenschmerzen gibt", so Kröner-Herwig. Es könne daher von einer besonderen Schmerzempfindlichkeit gesprochen werden. Auch andere gesundheitliche Beschwerden sind mit dem Auftreten von Kopfschmerzen verbunden.
"Risikoanalysen machen deutlich, dass Schulprobleme und andere psychologische Variablen in Zusammenhang mit den Kopfschmerzen stehen", erklärt die Psychologin. Schulstress und kritische Lebensereignisse sind solche möglichen Belastungsfaktoren, die das Auftreten von Kopfschmerz begünstigen. "Es ist jedenfalls Ernst zu nehmen, wenn Kinder an Kopfschmerzen leiden, auch wenn die erhobenen Zahlen aus Deutschland nicht so hoch liegen wie etwa jene aus Island oder Holland", erklärt die Wissenschaftlerin. Eine weitere Erhebung soll von Oktober bis Dezember 2005 folgen. Die Psychologin will erreichen, dass das Problem besser und früher beachtet werden soll. Damit soll auch verhindert werden, dass bereits Kinder mit starken Schmerzmedikamenten behandelt werden. (Quelle: pressetext austria)
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