Aktuelle Meldungen vom 06.02.2006
Was heißt hier zu dick?
Schlankheitswahn in der Diskussion
Angeblich ist jeder zweite Deutsche zu dick. Doch sind ein paar Pfunde mehr auf der Waage wirklich so schädlich? Und wer legt eigentlich fest, was normal, dick oder dünn ist?
Vor fast 15 Jahren einigten sich verschiedene Expertenrunden in so genannten Konsensuskonferenzen darauf, ab welchem Body Mass Index (BMI) jemand als übergewichtig beziehungsweise untergewichtig einzustufen ist. Mit dieser Kennzahl für das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße werden Erwachsene in unter-, normal- und übergewichtig oder adipös eingeteilt. Während zunächst ein Index bis 27 als akzeptabel galt, senkte die WHO Ende der 1990er Jahre den Wert für Normalgewicht auf durchschnittlich 24,9. Jeder, der einen Index von 25 und mehr erreicht, gilt seither als übergewichtig. Diese Bewertung ließ die Zahl der Übergewichtigen gewaltig in die Höhe schnellen, so dass die WHO seitdem von einer weltweiten Epidemie spricht.
Doch die Einteilung nach dem BMI ist umstritten. Da es keine
einheitlichen und eindeutigen Daten gibt, beruht die Festlegung
von Übergewicht letztendlich nur auf Schätzungen
und Hochrechnungen. Möglicherweise hat höheres Gewicht
im Alter sogar einen biologischen Sinn. Verschiedene Studien
haben festgestellt, dass ein paar Pfunde mehr auf den Rippen
älteren Menschen ganz gut tun. Tatsächlich ist es
so, dass die Verteilung des Körperfetts entscheidend
für die Gesundheit ist. So ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
höher, wenn sich die Fettzellen am Bauch ansiedeln. Fettpolster
an Hüfte und Oberschenkel sind dagegen weniger problematisch.
Ob hinter dem Thema Übergewicht eher Panikmache von Diätanbietern
und Herstellern von Schlankheitsmitteln steckt oder man aus
gesundheitlichen Gründen wirklich auf eine Idealfigur
achten sollte, steht im Februarheft der Fachzeitschrift UGB-FORUM.
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