Aktuelle Meldungen vom 14.09.2007
Greenpeace-Protest bei IAA gegen Klimaschweine
VCD: Hersteller müssen mehr tun / Auch Carsharing ein Thema
Zur offiziellen Eröffnung der IAA durch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Greenpeace vor dem Eingang der Automesse gegen die klimaschädliche Modellpolitik der deutschen Hersteller protestiert. 20 Aktivisten der Umweltorganisation verwandelten mit rosa Farbe, Schnauzen, Ohren und Ringelschwänzen drei Fahrzeuge der Marken Audi, BMW und VW mit besonders hohem Verbrauch in "Klimaschweine".
Bis zu sieben Meter lange und fünf Meter hohe aufblasbare Säcke hinter den Autos und mehrere Dutzend schwarze Ballons mit der Aufschrift "CO2" symbolisierten den hohen Kohlendioxidausstoß der Fahrzeuge.
Eine aktuelle Emnid-Umfrage im Auftrag von Greenpeace zeigt, dass fast sechzig Prozent der Deutschen beim Kauf eines neuen Autos bereit wären, für den Klimaschutz auf Motorleistung zu verzichten und ein Fahrzeug mit höchstens 100 PS zu kaufen. Nur 16 Prozent der Befragten wollen keine Einschränkung der Motorleistung. Das widerlegt die Behauptungen der Autoindustrie, der Markt verlange schwere und übermotorisierte Autos.
"Die Autoindustrie setzt weiter auf Leistungssteigerung, statt die Trendwende zu sparsamen und klimafreundlichen Fahrzeugen einzuleiten. Die Öko-PR der Autobauer und die reale Modellpolitik klaffen weit auseinander", sagt Wolfgang Lohbeck, Auto- und Klimaexperte von Greenpeace. "Die Autofirmen zünden ein Feuerwerk von Scheinaktivitäten, um die Automesse in eine Grüne Woche zu verwandeln. Doch die angebotenen Lösungen sind überwiegend alte Hüte, die schon seit Jahren in den Schubladen der Ingenieure verstauben und jetzt in aller Eile hervorgeholt werden."
Der Kraftstoffverbrauch der meistverkauften Modelle wird durch Maßnahmen wie Start-Stopp-Automatik, verbesserte Aerodynamik und Leichtlaufreifen kaum verringert. Das ist für den Klimaschutz zu wenig. Dafür müssen das Gewicht der Fahrzeuge und die Motorleistung drastisch sinken.
Mit dem Konzeptauto SmILE (small, intelligent, light, efficient) hat Greenpeace bereits 1996 vorgemacht, wie die Trendwende zu sparsamer und intelligenter Technik im Automobilbau aussehen kann. Das funktioniert durch einen kleineren, aber durch Hochaufladung und Hubraumverkleinerung extrem effizienten Motor, geringeres Fahrzeuggewicht und eine optimierte Aerodynamik. Der von Greenpeace entsprechend umgebaute Renault Twingo verbraucht nur halb so viel Benzin wie das ursprüngliche Serienfahrzeug. Das Konzept nutzt vorhandene Technik, verursacht keine Mehrkosten und schmälert weder Fahreigenschaften noch Sicherheit.
Während der IAA können Besucher das SmILE-Auto in unmittelbarer Nähe der Messe kennen lernen. In der benachbarten Matthäus-Kirche hat die Gemeinde gemeinsam mit Greenpeace eine ergänzende Ausstellung organisiert, die täglich von 9-19 Uhr geöffnet ist.
"CO2-Grenzwerte notwendig und machbar"
Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) bewertet die auf der IAA präsentierten Anstrengungen der Autohersteller in Sachen Klima- und Umweltschutz als nicht ausreichend. Zwar sei es gut, dass sich die Autobauer in Folge öffentlichen Drucks verstärkt zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit äußerten und entsprechende technische Offensive ankündigten. Doch die Autoschau zeige immer noch viel zu wenig Spritspartechnik in massentauglichen Serienfahrzeugen.
"Moderne Spritspartechnologie ist insbesondere in der Modellpalette der meisten deutschen Hersteller nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel", konstatiert Hermann-Josef Vogt vom VCD-Bundesvorstand. "Doch um wirklich etwas für den Klimaschutz im Straßenverkehr zu erreichen, muss Sparsamkeit und Effizienz für alle Fahrzeuge oberste Priorität bekommen." Jetzt seien die Hersteller gefordert, ihren grünen Worten Taten folgen zu lassen und den großen Nachholbedarf in Sachen Klimaschutz schnell abzuarbeiten.
Die Umweltambitionen der Hersteller seien offensichtlich sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während beispielsweise BMW seine gesamte Messepräsenz auf Effizienz ausgerichtet habe, feiere Audi mit dem RS6 einen neuen Klimakiller, der mit 580 PS einen CO2-Ausstoß von 333g/km habe. "Bei der Präsentation dieses PS-Monsters war von öko selbstverständlich keine Rede", berichtet Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, von der IAA.
Schon die Vergangenheit habe gezeigt, dass die deutsche Autoindustrie in Sachen Umweltschutz nur auf massiven Druck von außen reagiere, so zum Beispiel bei der Einführung des geregelten Katalysators oder des Dieselrußfilters. Die Politik dürfe sich deshalb nicht länger auf Selbstverpflichtungen oder windelweiche Grenzwerte einlassen. Auch die selbsternannte Klimakanzlerin solle aus den Fehlern zu Beginn ihrer Amtszeit lernen und in Brüssel nicht länger gegen wirksame Verbrauchsobergrenzen agitieren. Vielmehr müsse die EU jetzt zügig einen CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer für Neuwagen ab 2012 verabschieden.
"Die Hersteller sollen endlich aufhören, über Umweltvorgaben zu jammern und die Grenzwerte für das Treibhausgas CO2 zu torpedieren", fordert Lottsiepen. Schon heute gebe es rund 50 Modelle in unterschiedlichen Ausführungen auf dem Markt, deren CO2-Ausstoß nach offiziellen Herstellerangaben maximal 120 Gramm pro Kilometer betrage. "Und sogar die zehn besten Familienautos in der aktuellen VCD Auto-Umweltliste stoßen im Durchschnitt nur 127 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das zeigt: Klimaschutz ist machbar, wenn man nur will."
Die Verbrauchswerte könnten nach Einschätzung des VCD in den kommenden fünf Jahren erheblich sinken, wenn die Hersteller konsequent auf Spritspartechnik setzen und ihre Marketingstrategien von "größer, luxuriöser, schneller" auf "intelligenter, wendiger, sparsamer" umstellen. Ziel müsse eine Halbierung des Verbrauchs von Neuwagen bis 2020 sein.
CarSharing erstmals Thema auf IAA
In diesem Jahr ist CarSharing, das organisierte Autoteilen, erstmals seit diese Mobilitätsdienstleistung auf dem deutschen Markt angeboten wird, Thema während der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main.
Am Dienstag erläutert Willi Loose, der Geschäftsführer des Bundesverbandes CarSharing e. V. (bcs), auf der IAA die Potenziale des CarSharing und Chancen seiner weiteren Verbreitung in Deutschland. Dies findet statt während eines Talks im Rahmen des Green Car Programms mit Winfried Hermann, dem verkehrspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 /Die Grünen, am Messestand von Bündnis 90 /Die Grünen. Dass das Thema CarSharing und der damit verbundene rationale und umweltschonende Umgang mit dem Auto damit endlich Einzug in die Leistungsschau der deutschen und internationalen Automobilhersteller hält, ist lange überfällig und passt zu dem versprochenen Nachhaltigkeitsforum, das die diesjährige IAA nach den Aussagen des Verbandes der Automobilhersteller (VDA) darstellen soll. Auch ist es erfreulich, dass an dem Messestand der Deutschen Bahn AG erstmals das Thema DB Carsharing präsentiert wird.
Schade nur, dass die Einladung zur Thematisierung des CarSharing nicht vom Veranstalter VDA selbst ausging. In einem Schreiben des VDA an den bcs vom 02.07.2007 wurde zwar vom Geschäftsführer Dr. Kunibert Schmidt und vom Abteilungsleiter Verkehr Dr. Michael Niedenthal festgestellt: "In der Tat ist das Thema CarSharing auch aus unserer Sicht ein höchst interessanter Ansatz im Rahmen eines innovativen Mobilitätsdienstleistungsangebots." Jedoch fand die in diesem Schreiben versprochene Prüfung, ob CarSharing Eingang in die Fachveranstaltungen der IAA finden könnte, kein positives Ergebnis.
"Wenn es auch dieses Jahr (noch) nichts mit einer offiziellen, vom Veranstalter VDA ausgehenden Thematisierung des CarSharing geworden ist, so sind wir uns sicher, dass bei der folgenden IAA der Veranstalter nicht mehr an dieser zukunftsweisenden Mobilitätsdienstleistung der umweltschonenden Autonutzung vorbeikommen wird, wenn er seinen Anspruch, die IAA zu einem Nachhaltigkeitsforum der Automobilwirtschaft zu gestalten, Ernst nimmt." sagt bcs-Geschäftsführer Willi Loose.
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