Aktuelle Meldungen vom 04.11.2007
"Nur" 46 Prozent der Lebensmittel pestizidbelastet
Industrieverband Agrar ist zufrieden
So leicht ist der Industrieverband Agrar zufrieden zu stellen. Er jubelt über die positive Rückstandssituation bei konventionellen Lebensmitteln, die jetzt im EU-Monitoringbericht für 2005 vorgestellt wurde. In 46 Prozent der Proben wurden Pestizide gefunden, in fünf Prozent sogar über dem Grenzwert.
Der erste Satz der Pressemitteilung des Industrieverbands Agrar lautet: "Gute Nachrichten für Verbraucher: Mehr als die Hälfte aller Lebensmittel in Europa ist frei von Pestizidrückständen." Die Zahlen stimmen schon, aber sie bedeuten auch, dass sich in 41 Prozent der Proben Rückstände innerhalb der zulässigen Höchstmengen fanden, und bei knapp fünf Prozent wurden Überschreitungen festgestellt.
Die Schlagzeile sollte also eher lauten: "Schlechte Nachrichten für Verbraucher: Fast die Hälfte aller Lebensmittel in Europa sind mit Pestiziden belastet."
Das ergaben die nationalen Rückstandskontrollen für das Jahr 2005. Die EU-Kommission hat die Ergebnisse jetzt in einem Bericht zusammengefasst.
Die nationalen Rückstandskontrollen in 28 europäischen Ländern umfassten mehr als 60.000 Proben, vorzugsweise Obst, Gemüse und Getreide. Besonders häufig untersucht wurden Produkte, bei denen in früheren Jahren auffällige Rückstände gefunden worden waren. Die Kommission verweist darauf, dass durch bessere Analysetechnik und Laborausstattung immer kleinere Mengen und immer mehr verschiedene Substanzen aufgespürt werden können.
Verarbeitete Lebensmittel schneiden im Übrigen besser ab als Frischware. Zwei Drittel aller Proben sind hier rückstandsfrei. Entsprechend höher ist der Anteil der Belastungen bei frischem Obst und Gemüse. Bei Babykost, für die besonders strenge Grenzwerte gelten, wurden nur in sechs Prozent Pestizidrückstände gefunden.
Dann versteigt sich der Industrieverband in die Aussage: "Viele Verbraucher glauben, wegen möglicher Rückstände nur von Biokost gesund leben zu können. Wir verstehen diese Befürchtung, aber der Bericht der Kommission zeigt, dass man unbesorgt zum ganz normalen Obst und Gemüse greifen kann. Jede zweite Frucht ist auch dort frei von Rückständen." Na, das ist doch toll! Jede zweite konventionelle Frucht ist frei von Pestiziden! Für wie doof hält der Industrieverband die Verbraucher? Das heißt doch auch, dass jede zweite Frucht pestizidbelastet ist, wenn auch oft nur in kleinen Mengen.
Bio-Anbau deutlich besser
Die Ergebnisse der entsprechenden Untersuchungen im Bio-Anbau sind deutlich besser: Im Monitoring des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel sind bei lediglich 4,7 Prozent der Bio-Proben Rückstände unterhalb der gesetzlichen Höchstmenge festgestellt worden. Und nur 1,4 Prozent der Proben hielten die gesetzliche Höchstmenge nicht ein.
Der Industrieverband Agrar e. V. mit Sitz in Frankfurt am Main ist übrigens der Zusammenschluss von Unternehmen der agrarchemischen und agrarbiologischen Industrie in Deutschland. Zu den Geschäftsfeldern der 44 Mitgliedsunternehmen gehören Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Schädlingsbekämpfung und Biotechnologie..
- Kaum Pestizide in Bio-Ware (Schrot & Korn 5/2006)
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