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Aktuelle Meldungen vom 14.12.2007

Robin Wood: "Krebsgefahr Atomkraft"

Neue Studie: gesundheitliche Gefahren für AKW-Anwohner

Robin Wood fordert, dass aus der neuen Studie über die Häufung von Krebserkrankungen bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken wohnen, politische Konsequenzen gezogen werden.

"Angesichts der erdrückenden Fakten wollen wir uns nicht noch weiter hinhalten lassen und warten, bis noch mehr Kinder an Krebs erkrankt sind. Die AKWs müssen vom Netz. Jetzt nur weitere Studien anzukündigen, wie Bundesumweltminister Gabriel das getan hat, ist verantwortungslos",/ sagt Dirk Seifert, Energiereferent bei Robin Wood. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben Aktivisten von Robin Wood vor dem AKW Krümmel östlich von Hamburg demonstriert. Vor dem Tor des AKWs spannten sie Transparente auf mit einem großen Totenschädel und dem Slogan "Für unser Recht auf Leben. Abschalten statt Atome spalten."

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte die "Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie)" vorgestellt. Erstellt wurde sie vom Deutschen Kinderkrebsregister im Auftrag des BfS und gefördert vom Bundesumweltministerium. Ergebnis: Das Risiko für Kinder unter fünf Jahren, an Leukämie zu erkranken, nimmt zu, je näher ihr Wohnort an einem Kernkraftwerk liegt. Der Grund dafür ist nicht bekannt und muss noch untersucht werden.

Die Studie wurde erstellt unter Leitung von Professorin Maria Blettner im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). BfS-Präsident Wolfram König: "Das Ergebnis der Studie ist belastbar. Es ist nach bisheriger Prüfung kein Fehler bzw. Irrtum bei der Entwicklung des Studiendesigns noch bei der Gewinnung und Analyse der Daten erkennbar, der den beobachteten Effekt erklären könnte."

Die Studie stellt den entscheidenden Fortschritt bei der Beantwortung der seit etwa 30 Jahren diskutierten Frage nach gesundheitlichen Effekten in der Umgebung von Reaktoren dar, da hier ein neuer, epidemiologisch anspruchsvollerer Ansatz als bisher angewandt wurde.

Die Studie hat festgestellt, "dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem 5. Geburtstag an Krebs (bzw. Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird".

Das Ergebnis dieser Studie gibt vielen kritischen WissenschaftlerInnen und internationalen Studien recht, die seit vielen Jahren auf einen Zusammenhang von Krebserkrankungen und der Nähe des Wohnortes zu einem Atommeiler hinweisen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat in Reaktion auf die Studie gesagt, dass nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand die Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Betrieb der Atomkraftwerke zu niedrig sei, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos zu verursachen. "Anstatt nun die Studienergebnisse anzuzweifeln, sollten nach Ansicht von Robin Wood die derzeitigen Strahlenschutz-Grenzwerte auf den Prüfstand. Offenbar wird die biologische Wirkung vor allem der so genannten Niedrigstrahlung auf Kinder bis heute völlig unterschätzt", so Seifert. Schon seit Jahren steht die atomfreundliche Internationale Strahlenschutzkommission ICRP in der Kritik, dass sie neue Erkenntnisse über die stärkere Wirksamkeit radioaktiver Strahlung nicht konsequent berücksichtigt und aus wirtschaftlichen Gründen niedrigere Grenzwerte verhindert. Die Empfehlungen der ICRP zum Strahlenschutz sind Grundlage auch für die deutschen Strahlenschutzbestimmungen.

Besonders hoch ist die Zahl der Krebserkrankungen rund um das AKW Krümmel. Im Umfeld eines der größten Siedewasserreaktoren der Welt sind seit 1989 insgesamt 17 Kinder und Jugendliche an Leukämie erkrankt, vier davon sind inzwischen gestorben. Seit Anfang der 90er Jahre wird - gestützt auf viele Indizien - ein Zusammenhang zwischen dem Atommeiler sowie der benachbarten Atomforschungsanlage GKSS und der weltweit einzigartig hohen Zahl von Leukämieerkrankungen im Umfeld der Anlagen vermutet. Nun liegt eine staatlich finanzierte Studie vor, die diesen Zusammenhang bestätigt.

"Allein die Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung", so Seifert, "müssten für die zuständige Atom-Ministerin in Schleswig-Holstein, Gitta Trauernicht, Grund genug sein, die Betriebsgenehmigungen für den Vattenfall-Reaktor in Krümmel und den Forschungsreaktor der GKSS umgehend zu widerrufen."

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