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Aktuelle Meldungen vom 16.01.2008

Kennzeichnung "ohne Gentechnik" kommt

Große Koalition einigt sich - Bio ohne Gen-Zusätze

Die große Koalition hat sich auf präzisere Vorschriften für eine "ohne Gentechnik"-Kennzeichnung von Lebensmitteln geeinigt. Anders als von Landwirtschaftsminister Seehofer geplant, soll bei solchen Produkten der Einsatz von Zusatzstoffen, die mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden, nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt sein.

Mehrfach hatte Seehofer weniger strenge "ohne Gentechnik"-Regeln angekündigt, um vor allem eine entsprechende Kennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern zu erleichtern. Allein die Verwendung von Futtermitteln aus konventionellen Pflanzen sollte ausreichen, um die erzeugten Lebensmittel mit dem "ohne Gentechnik"-Etikett auszeichnen zu können. Mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellte Futtermittelzusätze sollten auch bei "ohne Gentechnik"-Produkten erlaubt sein.
Während SPD, Umwelt- und Verbraucherverbände Seehofers Vorhaben unterstützten und seine "ohne Gentechnik"-Kennzeichnung als "praktikabel" und "transparent" lobten, kam Kritik aus der eigenen Fraktion. Es sei Verbrauchertäuschung, wenn bei "ohne Gentechnik" deklarierten Produkten nicht tatsächlich alle Anwendungen der Gentechnik ausgeschlossen seien.

Nun hat sich die große Koalition auf einen Kompromiss geeinigt. Danach dürfen bei "ohne Gentechnik"-Produkten gentechnisch hergestellte Zusatzstoffe nur dann verwendet werden, wenn diese nach der EU-Öko-Verordnung erlaubt sind und es keine "gentechnikfreie" Alternative gibt. Wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bleser erklärte, gelten diese Kriterien auch für Futtermittelzusätze wie Vitamine, Aminosäuren oder Enzyme. Hier ist die Herstellung mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen weit verbreitet. Solche Zusätze sind in vielen Futtermischungen enthalten.

Lob vom BÖLW

Die beabsichtigte Reform der Ohne-Gentechnik-Kennzeichung nennt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) eine "gute Nachricht". Mit ihr werde dem Handel und der Bevölkerung ein wichtiges Stück Wahlfreiheit an die Hand geben. "Endlich werden auch konventionelle Bauern dem Kunden sagen können, wenn sie auf den Einsatz von Gentechnik im Futter verzichten", so Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des BÖLW. Die bisherige Regelung habe in ihrer praxisfernen Kompliziertheit der Wirtschaft keine Rechtssicherheit bei der Verwendung des Begriffes "ohne Gentechnik" geboten.

"Dass jetzt ausgerechnet diejenigen gegen eine reformierte Kennzeichnung Front machen, die an anderer Stelle der Agro-Gentechnik Tür und Tor öffnen wollen, hat sehr durchsichtige Gründe", erläutert Löwenstein. "Sobald die Verbraucher wählen können, wird es nämlich eng für die Zwangsbeglückung mit den Kunstpflanzen aus den Laboren der Gentechniker!"

Entgegen anders lautender Berichte werden Bioprodukte ohne den Einsatz gentechnisch veränderter Zutaten hergestellt. (Quellen: BÖLW, transgen.de)

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