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Aktuelle Meldungen vom 20.01.2008

Landwirtschaft soll umweltfreundlich und gerecht sein

AgrarBündnis präsentiert kritischen Agrarbericht 2008

Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche hat das AgrarBündnis in Berlin den "Kritischen Agrarbericht" präsentiert. Ein Schwerpunkt darin ist die Landwirtschaft als Energieerzeuger.

Bernd Voß, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, machte deutlich, dass der Energiepreis zunehmend die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe bestimmt. Allerdings erreiche der Getreidepreis trotz der erheblichen Preissteigerungen immer noch nicht den "Energiewert". Trotz aller positiven Impulse, die insbesondere das Erneuerbare Energiengesetz für die Entwicklung und Markteinführung regenerativer Energien gesetzt hat, beobachtet das AgrarBündnis die aktuelle Entwicklung mit Sorge: "Mit Kraftstoffquoten setzt die Bundesregierung Prioritäten im ineffizientesten Bereich der Nutzung nachwachsender Rohstoffe.

Wärmenutzung und Kraftwärmekopplung, die die Bundesregierung selbst als schlafende Riesen bezeichnet, lässt man weiter schlafen. Die effizientesten Nutzungsmöglichkeiten werden auf diese Weise vertan."

Das AgrarBündnis weist auch auf die vielen, potenziellen negativen Begleiterscheinungen einer ungelenkten Biomassenutzung hin. Die Zertifizierungssysteme sind weder für den internationalen Handel noch für den Binnenmarkt funktionsfähig. Es ist derzeitigen auch nicht erkennbar, dass sich hieran etwas ändert. Die Biomassenutzung führt daher in ihrer gegenwärtigen Form zu einer Verschärfung der bekannten negativen Auswirkungen der intensiven Landnutzung auf Klima, Umwelt, soziale Strukturen und Ernährungssouveränität. Daher fordert das AgrarBündnis, dass die Entwicklung erneuerbarer Energien viel stärker auf die Nutzung von Bei- und Nebenprodukten ausgerichtet wird: Das Motto könnte lauten "Gülle, Mist und mehr zu Gold". Außerdem müsse die Entwicklung so voran getrieben werden, dass die Energieerzeugung zu einer Vielfalt in der Fruchtfolge beitrage, statt zu Monokulturen. Zukunftsfähig wird nur eine Biomassenutzung sein, die dezentral und regional angepasst ist. Nur so werden die Potentiale genutzt, um Landwirtschaft und ländliche Wirtschaft an der Wertschöpfungskette zu beteiligen. Das Agrarbündnis fordert daher auch die gezielte Förderung der Entwicklung kleinerer Anlagen bis 75 Kilowatt.

AgrarBündnis lehnt das Gentechnikgesetz ab

Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bezeichnete es als größte Herausforderung, die gentechnikfreie Landwirtschaft zu sichern. 2007 sei es den im AgrarBündnis zusammengeschlossenen Verbänden gelungen, konventionelle und Biobetriebe im Kampf für eine gentechnikfreie Landwirtschaft zusammenzuführen. Die Zahl der Initiativen für gentechnikfreie Regionen sind im vergangenen Jahr weiter gestiegen: Derzeit gibt es 176 gentechnikfreie Regionen und entsprechende Initiativen auf knapp einer Million Hektar.

Weiger lehnt das zur Abstimmung anstehende Gentechnikgesetz als "Gentechnikförderungsgesetz" ab. Ein Miteinander von gentechnikfreier und Gentechniklandwirtschaft werde es bei den vorgesehenen Regelungen zur guten fachlichen Praxis nicht geben können.

Extensive Landwirtschaft leistet einen Beitrag zum Klimaschutz

Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund forderte die Politik auf, die Extensivierung der Landwirtschaft zu fördern: "Das ist im Hinblick auf den Klimaschutz enorm wichtig! Die intensive Landwirtschaft ist ein wesentlicher Mitverursacher des Klimawandels. Es gilt: Tierschutz ist Klimaschutz, denn die intensive Nutztierhaltung trägt massiv zur globalen Klima-Veränderung bei." Ursachen sind der Ausstoß klimawirksamer Emissionen von zu vielen Tieren auf zu engem Raum, hoher Energie- und Wasserverbrauch, Brandrodungen zur Gewinnung von Weideland und Futtermitteln sowie Langzeittransporte. Hinzu kommen Produktion und Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. "Eine regional angepasste, extensive Landwirtschaft und die Haltung robuster Nutztierrassen wirken sich dagegen vorteilhaft auf das Klima aus und ermöglichen den Erhalt einer Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten."

Health Check muss heilen und nicht nur an Symptomen herumdoktern

Mit der vom AgrarBündnis und seinen Verbänden mitgetragenen Transparenzinitiative ist die Diskussion um die Gerechtigkeit und die Effizienz der Verteilung der landwirtschaftlichen Direktzahlungen der Europäischen Union in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Stark rationalisierte Betriebe erhalten derzeit umgerechnet bis zu 120.000 Euro je Arbeitskraft, während bäuerlich organisierte Betriebe nicht ein Zehntel davon erhalten. Am Markt treffen beide aufeinander. Das ist staatlich organisierte Wettbewerbsverzerrung. Während die EU-Kommission vorschlägt, durch eine Degression diese Ungerechtigkeit zumindest zu verringern, torpediert die Bundesregierung diese Ideen, die im Grundsatz den schon lange erhobenen Forderungen des AgrarBündnisses entsprechen. Das AgrarBündnis ruft die Bundesregierung daher auf, sich endlich mit konstruktiven Vorschlägen - wie z.B. die Bindung der Direktzahlungen an die Bereitstellung von Arbeitsplätzen - an der Debatte zu beteiligen.

Bäuerlicher Widerstand und Selbsthilfe sind erfolgreich!

Erfreut zeigt sich das AgrarBündnis über die aktuellen Erfolge bäuerlichen Widerstands: "Der Anstieg der Milchpreise von einem jahrzehntelangen ruinösen Absinken hin zu einem kostendeckenden Preis innerhalb kürzester Zeit macht deutlich, dass Instrumente wie Exportsubventionen oder Intervention von der Politik dazu genutzt wurden, den Erzeugerpreis zu drücken," so AgrarBündnis-Vorstandsmitglied Bernd Voß. Der hohe Organisationsgrad der Milchbauern im Bund deutscher Milcherzeuger und die erfolgreiche Drohung mit einem Lieferboykott zeigen, dass Selbsthilfe möglich und wirkungsvoll ist. Die jetzt voreilig von der Politik geplante Ausdehnung der Milchquote um 2% diene wie zuvor dem Ziel, die Preise zu Lasten der Bauern und Bäuerinnen nach unten zu drücken; das gleiche gelte für die Abschaffung der Milchquote nach 2015. Die Folgen dieser Politik mit den knappen Mitteln des ländlichen Entwicklungsfonds abfedern zu wollen, bezeichnet das AgrarBündnis als Augenwischerei.

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