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Aktuelle Meldungen vom 13.03.2008

Keine "Frohe Ostern" für Hühner

Organisationen gegen Käfigeier

Kurz vor Ostern machen zwei Organisation mobil gegen Eier aus nichtartgerechter Hühnerhaltung. Die Aktion Tier und Vier Pfoten rufen dazu auf, solche Eier nicht zu kaufen.

Ab 2009 ist die herkömmliche Käfighaltung von Legehennen in Deutschland verboten. Die Mehrzahl der Hühner soll stattdessen künftig in so genannten ausgestalteten Käfigen leben, die mit dem irreführenden Namen "Kleingruppenhaltung" bezeichnet werden. "Der Unterschied zwischen herkömmlichen Legebatterien und der 'Kleingruppenhaltung' ist kaum sichtbar, in beiden Käfigsystemen leben die Tiere auf engstem Raum und werden nicht ansatzweise artgerecht gehalten", erklärt Markus Pfeuffer, Kampagnenleiter der Tierschutzstiftung Vier Pfoten.

Mit Unterstützung von Bundesminister Seehofer beabsichtigt die Geflügelwirtschaft bereits in den kommenden Monaten Käfig- Eier mit der Bezeichnung "aus Kleingruppenhaltung" auf den Markt zu bringen. Dies soll sowohl auf dem Ei als auch auf der Verpackung stehen. "Hier liegt ein Verstoß gegen die EU-Vermarktungsnorm vor, denn diese Bezeichnung lenkt von der vorgeschriebenen Kennzeichnung 'Eier aus Käfighaltung' ab", sagt Markus Pfeuffer. "Bei dem Wort 'Kleingruppe' denkt der Verbraucher eher an glückliche Hühner auf der Wiese als an tierquälerische Käfighaltung. Deshalb wird Vier Pfoten hier nicht tatenlos zusehen und gegen Supermärkte aktiv vorgehen, die auf diese Weise die Kunden täuschen."

Vier Pfoten hat sich bereits über diese geplante Verbrauchertäuschung bei der Europäischen Kommission beschwert und um Stellungnahme und Einschreiten gebeten.

Vier Pfoten fordert den deutschen Einzelhandel dazu auf, seine Verantwortung gegenüber den Verbrauchern und den Tieren wahrzunehmen, indem er sich künftig gegen den Verkauf sämtlicher Käfig-Eier entscheidet. Bereits jetzt muss er gegenüber der Eierindustrie deutlich machen, die Verbrauchertäuschung "Kleingruppenhaltung" nicht mitzutragen. "In Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Belgien und der Schweiz zeigen fast alle Supermarktketten deutlich mehr Entschlossenheit beim Thema Tierschutz. Sie verkaufen schon seit Jahren keine Käfig-Eier mehr. Viele dieser Konzerne sind auch in Deutschland vertreten und könnten das hier genauso umsetzen", so Pfeuffer.

Hintergrund zur Kleingruppenhaltung

In der so genannten "Kleingruppenhaltung" leben etwa 60 Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht, eine Henne kann bei einer Käfighöhe von 50- 60 cm nicht einmal richtig flattern. Die eingezogenen Sitzstangen haben nur eine Alibifunktion. Denn sie können in den niedrigen Käfigen nicht tiergerecht angebracht werden und schränken die Bewegungsfreiheit der Tiere ein. Wollen sich die Hühner fortbewegen, müssen sie übereinander klettern, dabei stoßen die Tiere ständig an die Käfigdecken - jedes Aufflattern endet mit Schmerzen. Das "Nest" besteht lediglich aus gummiertem Gitterboden oder aus einer Plastikmatte hinter einem Plastikvorhang. Auch der angepriesene Einstreubereich ist nur ein kleines Stück Kunststoff auf dem Gitterboden.

Der Brief an die EU-Kommission kann bei Vier Pfoten angefordert werden.

Aktion Tier startet Kampagne "Käfigeier sind out"

Auch die Aktion Tier weist darauf hin, dass in Deutschland zurzeit ca. 40 Millionen Legehennen gehalten werden. Etwa 75 % der Hennen leben in Anlagen mit mehrfach über- und aneinandergereihten Käfigen, den so genannten Legebatterien. Hier fristen die Tiere, mit mehreren Artgenossen auf engstem Raum zusammengepfercht, ihr trostloses Leben - reduziert auf einen einzigen Zweck: Eier legen - und zwar möglichst viele und möglichst schnell. Die Tiere sehen nie das Tageslicht und haben auch niemals die Möglichkeit, auf einer grünen Wiese zu laufen, um dort nach Futter zu suchen, zu picken und zu scharren. Eine art- und tiergerechte Lebensweise ist in solch einem Betrieb in keinster Weise möglich. "Gerade jetzt zu Ostern steigt die Eier-Nachfrage explosionsartig an", so die Diplom-Biologin Ursula Bauer von Aktion Tier in Berlin.

Im Verbraucherverhalten zeichnet sich allerdings eine aus tierschützerischer Sicht positive Tendenz ab: Der Konsument weiß, was sich hinter der "3" auf dem Eierstempel verbirgt -nämlich die Käfighaltung - und entscheidet sich immer häufiger für Eier aus Freiland- oder Bio-Haltung. So wurden in den letzten Jahren knapp 20 % weniger Käfigeier gekauft, während der Verkauf von Bio- und Freilandeiern um 400 % anstieg. Auch mehrere Supermarktketten sahen diesen Trend und handelten. So haben beispielsweise im Rahmen der Initiative "Handeln mit Gewissen" ALDI Nord und Plus Käfigeier komplett aus ihrem Sortiment genommen. Um weitere Handelskonzerne zur Nachahmung zu bewegen, hat Aktion Tier im Vorfeld seiner Kampagne "Käfigeier sind out" alle namhaften Supermarktketten angeschrieben und anhand einer aktuellen Videodokumentation über die tierquälerischen Zustände in den Legebatterien informiert. "Die Reaktionen waren ganz unterschiedlich", so Ursula Bauer, "einige Konzerne hatten bereits tierschutzgerechte Konsequenzen gezogen oder waren sich zumindest der Problematik bewusst, andere dagegen haben unser Schreiben nicht einmal beantwortet". Eine aktuelle Übersicht, welcher Handelskonzern noch Käfigeier führt und welcher nicht, findet sich auf der Website von Aktion Tier.

Da die Mehrzahl der Supermarktketten auch weiterhin Käfigeier anbietet, appelliert Ursula Bauer von Aktion Tier Berlin an die Verbraucher: "Die "3" auf einem Ei steht jedes Mal für ein gequältes Tier. Investieren Sie bitte künftig ein paar Cent mehr für Freiland- oder Bioeier, um so die Legebatterien in Deutschland langfristig abzuschaffen. Ihre Nachfrage regelt schließlich das Angebot. Handeln Sie! Jetzt!"

Weitere Informationen sowie das Kampagnen-Video findet man ab sofort unter www.aktiontier.org.

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  • Warenkunde: Eier (Schrot & Korn 3/2005)
  • Eier / Artgerechte Haltung (Schrot & Korn 3/2005)
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