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Aktuelle Meldungen vom 07.04.2008

Stromversorgung ohne Atom und Kohle

Umweltbundesamt sieht keine "Stromlücke"

Auch ohne Atomkraftwerke ist die Versorgungssicherheit bei Strom bis 2020 nicht in Gefahr. Das hat das Bundesumweltamt (UBA) in einer Studie herausgefunden.

Im Juni 2000 hat die Bundesregierung mit den Energieversorgungsunternehmen vereinbart, nach und nach aus der Atomkraft auszusteigen. Kritiker dieser Absprache wandten ein, dass ohne Atomstrom das Klimaschutzziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht zu erreichen sei. Dem widerspricht das Bundesumweltamt nun. Es schlägt für den Kraftwerkspark eine Begrenzung der Emissionen auf 225 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2020 vor.

Dieses Ziel sei auch erreichbar, wenn man auf die Nutzung der Atomkraft verzichte. Es gebe aber Voraussetzungen:

 

  1. Stromsparen: Der Bruttostromverbrauchs muss um elf Prozent im Jahr 2020 gegen über 2005 gesenkt werden.
  2. Die Kraft-Wärme-Kopplung, vor allem auf Erdgasbasis, muss um den Anteil von KWKStrom im Jahr 2020 auf 25 Prozent gesteigert werde.
  3. Es dürfen keine zusätzlichen Kohlekraftwerke über die heute schon im Bau befindlichen hinaus gebaut werden.
  4. Die erneuerbaren Energien müssen - wie im Leitszenario vorgesehen - ausgebaut werden.
  5. Alte, ineffiziente Kraftwerke müssen abgeschaltet werden, sobald die vorgesehene Lebensdauer erreicht ist. Dadurch werden Effizienzverbesserungen erreicht.

"Stromlücke" ist eine Erfindung

Über die Bestätigung des UBA, dass es keine Versorgungslücke im Energieangebot geben wird, freute sich der Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, "Jetzt hat auch das Umweltbundesamt klargestellt, dass ohne Atomstrom und ohne neue Kohlekraftwerke ambitionierte Klimaschutzziele und eine sichere Stromversorgung erreichbar bleiben. Die Chefs der Energieunternehmen sollten endlich einsehen, dass ihre Panikmache vor einem Black-out in Deutschland gescheitert ist. Und sie sollten dafür sorgen, dass mehr in effiziente und klimaschonende Heizkraftwerke investiert wird."

Nach Ansicht des BUND könnten regenerative Energien bis 2020 die Kapazitäten der abzuschaltenden Atomkraftwerke ersetzen. Werde der Stromverbrauch bis dahin um ein Fünftel gesenkt und der Anteil des Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) auf rund 30 Prozent gesteigert, sei Deutschland weit von einer so genannten "Stromlücke" entfernt. Die Stromerzeugung in KWK-Heizkraftwerken mit hohem Wirkungsgrad lasse sich gegenüber dem heutigen Stand mindestens verdoppeln, wenn es eine ausreichende Förderung gebe.

Den von der Deutschen Energieagentur (dena) zur Deckung einer "Stromlücke" errechneten Bedarf von 15 zusätzlichen Großkraftwerken stellte der BUND infrage. Deutschlands Stromexporte hätten im zurückliegenden Jahr der Leistung zweier Atomkraftwerke entsprochen. Dieser hohe Exportanteil belege, dass es auch dann keine Stromlücke gebe, wenn wie 2007 mehrere Reaktoren wegen technischer Pannen monatelang abgeschaltet blieben. Neue Kohlekraftwerke, wie sie die dena fordere, unterliefen zudem die nationalen Klimaschutzziele. Weiger kündigte an, der BUND werde den Bürgerprotest an den Standorten geplanter neuer Kohlekraftwerke weiter unterstützen. Als nächstes gehe es darum, den Bau des Steinkohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg zu stoppen. www.bund.net

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