Aktuelle Meldungen vom 27.04.2008
Festival der Vielfalt zeigt die Sortenvielfalt der Knolle
"Lorbeer macht nicht satt, besser wer Kartoffeln hat"
Mit einem eigenen Kartoffelzelt, dem "Liebeslied an die Kartoffel Linda" und mit mehr als hundert verschiedenen Kartoffelsorten laden die Organisatoren von Planet Diversity zum Festival der Vielfalt am 12. Mai in Bonn ein. Parallel zu den UN-Verhandlungen über Biologische Vielfalt wird Planet Diversity den Reichtum an Kulturpflanzen in aller Welt zeigen und damit demonstrieren, dass Gentechnik in der Landwirtschaft nicht benötigt wird.
Nicht nur im diesjährigen "Jahr der Kartoffel" hat die Erd-Knolle in Deutschland eine besondere Bedeutung für die Ernährung. Seit ihrer Einführung Anfang des 18. Jahrhunderts, die Friedrich der Große durch gesetzliche Vorgaben maßgeblich vorangetrieben hat, ist die Kartoffel einer der wesentlichen Bestandteile unseres Essens.
Ursprünglich stammt die Kartoffel aus Peru. Dort geht ihre Bedeutung weit über ihre zentrale Stellung bei der Ernährung hinaus. Sie ist fester Bestandteil der Spiritualität und der Kultur, die Inkas verehrten sogar einen Kartoffel-Gott. Es gibt eine Kartoffelsorte, die verschenkt wird, wenn Eltern einen Paten für ihr Kind ausgesucht haben, eine andere wird gegessen, wenn einem Jungen das erste Mal die Haare geschnitten werden. Es gibt tausende von Kartoffelvarietäten in Peru, die an die unterschiedlichen regionalen Anbau- und Klimabedingungen angepasst sind. Trotzdem versuchte die peruanische Regierung lange Zeit, die alten Sorten und traditionellen Anbau durch neue Sorten, die nur mit Dünger- und Pestizideinsatz zu kultivieren sind, zu verdrängen.
Aber spätestens seitdem der Klimawandel auch die Anbaubedingungen in Peru verändert, setzen die Anden-Bauern dort wieder auf den Anbau der traditionellen Sorten. Sie arbeiten daran, einige von diesen an die klimatischen Veränderungen anzupassen. Da viele Sorten nur noch in der Genbank des Internationalen Kartoffel- Zentrums in Lima vorhanden waren, aber nicht mehr im freien Anbau, schlossen die Andenkommunen mit den Wissenschaftlern des Zentrums eine Vereinbarung, die es in dieser Art vorher noch nicht gab: Die Bauern erhalten freien Zugang zu den in der Genbank gelagerten Kartoffelsorten, dürfen sie wieder anbauen und züchterisch weiterentwickeln. So gelangt die Kontrolle über die genetischen Ressourcen wieder in die Hände der Ureinwohner, die die Sortenvielfalt in Jahrhunderte langem Anbau geschaffen haben.
Dass sich auch deutsche Verbraucher um die Kartoffelvielfalt sorgen, hat der Kampf um die Sorte Linda gezeigt. Nachdem der Sorteninhaber die beliebte Knolle vom Markt nehmen wollte, gründete sich der Freundeskreis "Rettet die Linda", der mit einer breit angelegten Kampagne den Sorteninhaber dazu bewegte, weiterhin Linda-Pflanzgut anzubieten.
Kartoffelzelt beim Festival der Vielfalt
Sortenvielfalt und Erhalt von Saatgut sind auch Thema des Internationalen Kongresses "Planet Diversity", der vom 12. bis zum 15. Mai in Bonn stattfindet. Das Festival der Vielfalt, das als Auftakt des Kongresses am 12. Mai in den Bonner Rheinauen gefeiert wird, bietet ein buntes Programm, das zum Ziel hat, eine breite Öffentlichkeit auf den Verlust von Vielfalt auf dem Acker, im Stall und in den Töpfen aufmerksam zu machen. Dazu begrüßen die Veranstalter internationale Gäste aus sozialen Bewegungen und freuen sich über eine rege Beteiligung engagierter Menschen aus der Region. Das Fest wird alle Sinne ansprechen und es ist für alle Generationen etwas dabei: ein Kinderbereich mit Streichelzoo und Aktionen zum Mitmachen, Kino- und Theater, Musikbands, ebenso wie ein Angebot von Jungpflanzen und von Leckereien aus der Region und von anderswo. In einem eigenen Pavillon wird das "Internationale Jahr der Kartoffel" gefeiert. Dort wird der bolivianische Botschafter die Bedeutung der Kartoffel für sein Land erklären.
Auf zwei Bühnen wird ein multikulturelles Programm mit Musikbands, Tanz, Kabarett und Polit-Talk mit Agrar- und Umweltexperten aus der ganzen Welt geboten. Dort werden bolivianische und haitianische Tanzgruppen auftreten, es gibt russischen Speedfolk, Rock und Klassik, Jazz und Afro-Klänge, Latino-Gruppen und japanische Trommler. Der bekannte Kabarettist Gregor Lawatsch hat zugesagt ebenso wie Bands aus einem Schüler-Rockwettbewerb. Mit Songs wie dem "Liebeslied an die Kartoffel Linda" und der Huldigung an das Schwäbisch-Hällische Schwein werden Künstler lustvoll zeigen, dass die Agrarwirtschaft auch hier zu Lande umsteuern muss, damit das Spektrum von Kulturpflanzen und Nutztiere nicht immer weiter eingeschränkt wird.
Im Kartoffelzelt informieren Aussteller aus der näheren Umgebung sowie die Sortenzüchterin Ingrid Matthes über Geschichte und Hintergründe der Kartoffel. Frau Matthes kommt vom Niederrhein, einem bekannten Kartoffel-Anbaugebiet. Derzeit hat sie etwa 150 Kartoffel-Sorten im Erhaltungsanbau. Im Kartoffelzelt können die BesucherInnen Saatgut, Pflanzen und rosa, blaue, gelbe Kartoffeln kaufen.
Wettbewerb der Kartoffelrezepte
Das UN-Jahr der Kartoffel nutzt Planet Diversity auch, um Kartoffelrezepte von und für Freunde der tollen Knolle zu sammeln und damit zum Erhalt der Kartoffelrezeptvielfalt beizutragen.
Planet Diversity lädt alle Köche, Landwirte, Feinschmecker und Topfgucker dazu ein, ihr Lieblingsrezept bis 1. Mai per E-Mail an festival@planet-diversity.org zu schicken. Die eingesandten Rezepte werden auf der Homepage www.planet-diversity.org veröffentlicht, wo sich alle Kartoffelinteressierten Rezepte herunterladen, zu Hause ausprobieren und anschließend online bewerten können.
Die drei beliebtesten Rezepte werden am 12. Mai auf dem Festival der Vielfalt im Kartoffelzelt prämiert. Auf die drei Gewinner warten attraktive Preise. Außerdem werden die gesammelten Rezepte als Kartoffelkochbuch der Vielfalt veröffentlicht.
Weitere Informationen zum Festival, zur Demo für "Für biologische Vielfalt - regional, fair und gentechnikfrei" und zum Kongress Planet Diversity finden Sie unter www.planet-diversity.org.
12. Mai 2008: Festival der Vielfalt in Bonn
14:00 bis 22:00 Uhr, Kleine Blumenwiese auf den Bonner Rheinauen:
Internationale Pavillons und Geschichten, Musik, Theater, Vorträge,
Filme, Aktionen, Kinderprogramm, Tanz und regionale Spezialitäten
aus aller Welt.
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