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Aktuelle Meldungen vom 02.05.2008

Diskussion über Gentechnik in Bonn

Kritik an EFSA

Die Kritik von unabhängigen Wissenschaftlern an der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die für die Risikobewertung von Gentech-Pflanzen in Europa zuständig ist, wächst. Der Vorwurf: Mit falschen Untersuchungsmethoden, einem eigenwilligen Forschungsdesign und kreativen Formen der Dateninterpretation kommt die EFSA immer zu dem Schluss, dass ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) sicher ist.

Dabei wurde die EFSA 2002 als Reaktion auf die BSE-Krise ins Leben gerufen, um das tief erschütterte Vertrauen der europäischen VerbraucherInnen in den heimischen Lebensmittelmarkt wieder herzustellen. Einige Abteilungen der EFSA leisten hier auch hervorragende Arbeit. Das Panel, das sich mit der Zulassung von GVOs beschäftigt, ist allerdings nahezu ausschließlich mit Experten besetzt, die sich in den letzten Jahren durchweg mit gentechnikbefürwortenden Statements zu Wort gemeldet haben. Zwei der Wissenschaftler sind z.B. in einem Werbefilm von Monsanto für gentechnisch verändertes Saatgut aufgetreten - was nicht gerade auf ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit hoffen lässt.

Bei der Risikobewertung für gentechnisch veränderte Organismen verlässt sich die EFSA vor allem auf die Gleichwertigkeit der Inhaltsstoffe bei der GVO-Pflanze und der konventionellen Ausgangssorte. Sind diese statistisch gleich, wird ein Risiko ausgeschlossen. In Futterverwertungsstudien an Nutztieren werden lediglich die landwirtschaftlich relevanten Daten wie Gewichtszunahme untersucht. Während bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln 720-Tage Tests an Ratten zur Risikobewertung gehören, werden bei GVOs nur 90-tägige Fütterungsversuche durchgeführt, um organische Auswirkungen zu untersuchen. Dies reicht nicht aus, um Langzeitwirkungen wie krebsauslösende Wirkungen festzustellen. Trotzdem treten auch schon in den 90-tägigen Fütterungstests statistisch signifikante Abweichungen bei verschiedenen Untersuchungsparametern wie Blutwerte oder Nierengewicht auf, die von der EFSA allerdings sehr großzügig ausgelegt werden. Zu guter letzt ignoriert die EFSA auch jegliche Unsicherheiten bei der Risikobewertung, obwohl sie eigentlich dazu verpflichtet wäre, diese offen zu kommunizieren. So ist inzwischen wissenschaftlich anerkannt, dass nicht nur die Gene das Wesen von Tier, Pflanze oder Mensch ausmachen, sondern dass die vielen DNA-Abschnitte zwischen den identifizierten Genen, die früher als DNA-Müll bezeichnet wurden, ebenfalls wichtige Funktionen übernehmen. Welche Auswirkungen der Einbau von Genen auf diese Zwischenabschnitte hat, ist noch Forschungs-Neuland.

Trotz dieser offenen Fragen bewertet die EFSA alle gentechnisch veränderten Pflanzen, die sie untersucht hat, mit sicher. Auch die Einschätzungen anderer Organisationen beirren die EFSA nicht: so sprach sie sich für die Zulassung der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora aus, obwohl die Europäische Arzneimittelagentur kritisierte, dass diese ein Antibiotika-Resistenz-Gen enthält. Als Folge wird nahezu jedes GVO von der EU-Kommission trotz einer ablehnenden Haltung der Mehrheit der Mitgliedsstaaten zugelassen.

Die gesundheitlichen Auswirkungen von gentechnisch veränderten Organismen und die unzureichenden Zulassungsverfahren sind auch Thema auf dem Internationalen Kongress "Planet Diversity" in Bonn. Vom 12. - 15. Mai, während die UN-Konvention zur biologischen Vielfalt verhandelt wird, diskutieren bei "Planet Diversity" Bauern, Verbraucher, Lebensmittelhersteller, Gärtner und Saatgutretter, Umweltschützer, Indigene, Wissenschaftler, Gentechnik - und Globalisierungskritiker, Menschenrechts -, Entwicklungs- und Frauenorganisationen und andere soziale Bewegungen, wie die Vielfalt in der Ernährung und in der Landwirtschaft erhalten werden kann. Vielfalt ist das Überlebensprinzip und die Produktivkraft der Natur. Sie ist auch der gemeinsame Wert einer weltweiten Bewegung, die sich gegen industrielle Monokulturen und Monotonie, gegen Hunger, Armut, Ungerechtigkeit, Ignoranz und kulturelle Verarmung zur Wehr setzt. "Planet Diversity" will diese Bewegungen in aller Welt stärken und dabei eine gemeinsame Botschaft an die Vertreter der Regierungen und Institutionen bei der UN-Konvention formulieren: "Die Zukunft unserer Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung liegt in ihrer biologischen wie kulturellen Vielfalt. Diese Vielfalt lässt sich nicht technisch konservieren, sondern kann nur von uns allen gemeinsam gelebt, genossen, respektiert und f ortentwickelt werden." Ein Schwerpunkt des Kongresses wird die Verteidigung gegen industrielle Monokulturen und Gentechnik auf dem Acker und im Essen sein, ein anderer der freie Austausch von Saatgut und Wissen ohne Patente, Terminator-Sterilisierung und Biopiraterie. Es geht um die Auswirkungen der internationalen Spekulation mit Agrar-Sprit und anderen "Bio"-Rohstoffen auf Lebensmittelpreise, bäuerliche Landwirtschaft und Natur, um "Gärten der Hoffnung" und um neue Strategien im Umgang mit dem Klimawandel.
Zu den Rednerinnen und Rednern bei "Planet Diversity" gehören unter vielen anderen die alternativen Nobelpreisträger Vandana Shiva, Percy Schmeiser und Ryoko Shimizu.

Zum Auftakt des Kongresses findet am 12. Mai eine Demonstration unter dem Motto "Für biologische Vielfalt - regional, fair und gentechnikfrei!" statt. Im Anschluss wird auf dem Festival der Vielfalt in den Bonner Rheinauen bis in den Abend gefeiert. Weitere Informationen findet man unter www.planet-diversity.org.

12. Mai 2008: Demonstration
Internationale Kundgebung zum Auftakt der Biosicherheits-Verhandlungen der UN
Treffpunkt: 10:00 Uhr, Kleine Blumenwiese auf den Bonner Rheinauen
Festival der Vielfalt
Internationale Pavillons und Geschichten, Musik, Theater, Vorträge, Filme, Aktionen, Kinderprogramm, Tanz und regionale Spezialitäten aus aller Welt von 14:00 bis 22:00 Uhr in den Rheinauen

13. bis 15. Mai 2008: Internationaler Kongress zur Zukunft von Lebensmitteln und Landwirtschaft
Plenarsitzungen, Informationsmärkte und über 30 Workshops im Gustav-Stresemann-Institut zu den Themen Ernährungssouveränität und Zugang zu gesundem Essen, zu Saatgut, Wasser und Land; Faire Beziehungen zu Konsumenten; Gentechnikfreie Regionen; Patente auf Lebewesen und ihre Gene; Agrar-Sprit; Indigenes Wissen.
Mit Landwirten und VertreterInnen lokaler Initiativen sowie wegweisenden DenkerInnen und AktivistInnen auf dem Gebiet der biologischen und kulturellen Vielfalt.

16. Mai 2008: Öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Kongresses, Exkursionen und Folgetreffen

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