Aktuelle Meldungen vom 15.06.2008
Gentech-Spuren in Mais und Raps
Koexistenz offenbar nicht möglich
In Niedersachsen ist konventionelles Maissaatgut aufgetaucht, das Erbgut des Gentechnik-Maises Bt 11 enthielt. In Belgien wuchs Gen-Raps. Die beiden Fälle von gentechnischen Verunreinigungen zeigen einmal mehr, dass die Koexistenz von Gentech- und gentechnikfreier Landwirtschaft nicht funktioniert.
Bekannt geworden war die Verunreinigung von Maissaatgut in Niedersachsen durch eine kleine Anfrage der Landtags-Grünen an die Landesregierung. Danach sollen 1350 Saatguteinheiten Mais, die von einem nordrhein-westfälischen Unternehmen ausgeliefert worden waren, mit dem Gen-Konstrukt Bt 11 kontaminiert gewesen sein. Der Süßmais Bt 11 von Syngenta ist in der EU nur als Lebensmittel, nicht aber für den Anbau zugelassen. Nach Angaben der Landesregierung wurden nur 15 Prozent der gesamten Liefermenge ausgesät, bis die Verunreinigung entdeckt wurde. Die betroffenen Pflanzen hätten nachträglich vernichtet werden müssen. Der agrarpolitischen Sprechers der Landtagsgrünen, Christian Meyer, forderte: "Die Landesregierung und die Landwirtschaftskammer müssen die strikte Trennung der Produktions- und Lieferketten von konventionellem und gentechnisch verändertem Saatgut durchsetzen."
In Belgien meldete das Gesundheitsministerium, dass fünfzehn Rapsfelder mit gentechnisch veränderten Pflanzen kontaminiert seien, für die es in der EU keine Zulassung gebe. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP weiter meldete, gehören die Felder gehören dem Bayer-Tochterunternehmen CropScience.
Das Unternehmen hatte die belgischen Behörden über die Kontamination unterrichtet, nachdem auf den Feldern konventioneller Raps ausgebracht worden war. Nach Ministeriumsangaben lag der Kontaminationsanteil bei fünf Prozent. Einer ersten Einschätzung des Unternehmens zufolge kam es zu der Verunreinigung aufgrund menschlichen Versagens. Bayer versicherte, dass die erforderlichen Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des manipulierten Erbgutes ergriffen wurden. Unter anderem seien die jungen Pflanzen, noch vor der Blüte ausgerissen und vernichtet worden. Bayer hat für zwei Gen-Rapssorten Anbauanträge bei der EU eingereiht. Mehrere Sorten des Konzerns sind bereits als Lebens- und Futtermittel zugelassen, nicht jedoch für den Anbau.
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