Aktuelle Meldungen vom 10.07.2008
MON810 - Verbot ist der einzige Schutz!
E-Mail und Postkarten-Aktion von Campact
Derzeit wird in Europa nur eine Gentechnik-Pflanze kommerziell angebaut: der Mais MON810 des multinationalen Saatgut-Konzerns Monsanto. Das halten Gentechnik-Gegner für einen Riesenfehler; und machen mobil gegen den Anbau.
Das Online-Netzwerk Campact ruft gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus Umwelt-, Bio- und Imkerverbänden alle Bürger dazu auf, von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer ein Verbot des Anbaus von Gen-Mais MON810 zu fordern. MON810-Mais gebe permanent Gifte ab, argumentiert Campact. Der Mais werde verfüttert und lande damit als Käse, Milch, Eier und Fleisch auf unseren Tellern, obwohl die Auswirkungen auf unsere Gesundheit weitgehend unerforscht seien. Wind und Insekten verbreiteten die Pollen des Gen-Maises außerdem über viele Kilometer und verunreinigten die Ernten gentechnikfrei wirtschaftender Landwirte sowie den Honig vieler Imker.
Österreich, Ungarn, Griechenland, Polen, Rumänien und Frankreich haben den Anbau bereits verboten. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer stemmt sich bisher gegen ein Anbauverbot. Nun soll er endlich den Anbau von MON810 verbieten, fordert Campact.
Für die Organisation ist MON810 eine unnötige Erfindung: Dieser Gentechnik-Mais des Konzerns Monsanto, der rund 90 Prozent des weltweiten Marktes für Gentechnik-Saatgut kontrolliert, ist ein Bt-Mais: In seine DNA wurde ein Gen des Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) eingeschleust. Dieses produziert ein Gift, welches bei Verzehr auf die Larven eines Kleinschmetterlings tödlich wirkt - dem Maiszünsler. Völlig unnötig! Denn der Befall durch den Schädling kann auch durch eine vielfältige Fruchtfolge oder das Unterpflügen der Erntereste vermieden werden. Zudem wurde im letzten Jahr mit herkömmlichen Methoden eine Maissorte gezüchtet, die gegen Schädlinge resistent ist.
Die Gefahren des Gen-Maises
- Landwirtschaft ohne Gentechnik bedroht
Felder mit MON810 machen den gentechnikfreien Anbau von Mais auf lange Sicht unmöglich: Wind und Insekten tragen die Gen-Pollen mehr als hundert Kilometer weit auf gentechnikfreie Felder. Über gemeinsam genutzte Erntemaschinen gelangt Gen-Saatgut in die Bestände der gentechnikfreien Landwirtschaft. Damit schleicht sich gentechnisch verändertes Erbgut in den Anbau von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten. In den USA und Kanada ist dies schon Realität: Dort gibt es keinen Mais mehr ohne Spuren von Gentechnik. Auch für Imker kann MON810 Existenz bedrohend sein: Tragen die Bienen die Pollen von Gen-Mais in den Honig, ist dieser unverkäuflich (Urteil des Verwaltungsgerichts Augsburg, Mai 2008). - Keine Wahlfreiheit für Verbraucher
Wenn sich Gentechnik in die Ernte von gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten mischt, verlieren wir Verbraucher/innen die Freiheit, zwischen Lebensmitteln mit und ohne Gentechnik zu wählen. Dabei sind die Auswirkungen des Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen auf unsere Gesundheit nur unzureichend erforscht. Dazu benötigt würden Langzeitversuche. Statt diese durchzuführen, machen die Gentech-Konzerne Millionen Menschen zu Probanden. - Risiken für die Umwelt
Auch das Wissen über die Auswirkungen von Gen-Pflanzen auf ökologische Systeme ist gering. MON810 setzt auf Grund seiner Insektenresistenz erhebliche Toxinmengen frei. Deren Wirkung auf Schmetterlinge, Regenwürmer und Honigbienen ist weitgehend ungeklärt. Wissenschaftliche Studien haben aber immer wieder erhebliche Risiken festgestellt (Link franz. Expertenkommission; BfN). - Keine Antwort auf die Nahrungsmittelkrise
Befürworter der Gentechnik versprechen höhere Ernten und nahrhaftere Produkte, die dem Kampf gegen den Hunger zugute kämen. Doch für Kleinbauern in den Ländern des Südens ist das Saatgut nur teuer zu erwerben, zudem müssen sie spezielle Pestizide einsetzen. Die traditionelle Weitervermehrung des Saatguts ist verboten. Die Kleinbauern verschulden sich beim Saatgut-Erwerb und machen sich abhängig von großen Gen-Konzernen - ohne dass diese halten, was sie versprechen.
"Seehofer muss handeln!", fordert Campact. MON810 wurde bereits vor zehn Jahren in der Europäischen Union zum Anbau zugelassen. Die Risiken des Gen-Mais seien dabei nicht beachtet worden, so Campact. Denn in den wissenschaftlichen Behörden, auf deren Stellungnahmen die europäischen Gentechnik-Genehmigungen beruhten, säßen Befürworter der Agro-Gentechnik, die die Interessen der Gentechnik-Industrie vertreten. Die Zulassungsanträge der Gentech-Konzerne würden hier einfach nur abgenickt. Selbst Minister Seehofer kritisiere diese Praxis als unzureichend.
Doch da immer mehr negative Folgen des Anbaus von Gen-Mais bekannt geworden seien, habe sich in den letzten Jahren Widerstand gegen den Gen-Mais geregt: Immer mehr Regierungen hätten sich, so Campact, für ein Verbot von MON810 in ihren Ländern entschieden. Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Polen und Rumänien hätten die Gen-Saat bereits untersagt. Kürzlich verwies auch das Bundesamt für Naturschutz auf die zahlreichen Risiken des Anbaus. Jetzt müsse Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer endlich handeln: "Er muss ein nationales Verbot erlassen!"
Auch in der EU wird demnächst über MON810 entschieden: Dessen EU-Genehmigung läuft dieses Jahr aus. Europäische Kommission und die EU-Regierungen müssen neu entscheiden, ob sie den Gen-Mais noch einmal zugelassen. "Horst Seehofer muss in Brüssel mit Nein stimmen!", fordert Campact.
Ende September sind bayerische Landtagswahlen. Die Agro-Gentechnik ist in diesem Bundesland mit den seinen vielen Landwirten äußerst unbeliebt. Seehofer und seine Partei, die CSU, wollen gut abschneiden. "Deshalb haben wir eine gute Chance, den Minister in den nächsten Wochen unter Druck zu setzen. Er muss den Gen-Mais stoppen!"
Auf seiner Internet-Seite bietet das Online-Netzwerk verschiedene Möglichkeiten des Protestes. Zum Beispiel kann man an Horst Seehofer schreiben:
"Sehr geehrter Herr Landwirtschaftsminister Seehofer,
der Gen-Mais MON810 ist die einzige Gentechnik-Pflanze, die in Europa kommerziell angebaut wird. Ein Riesen-Fehler: Schleichend verunreinigen seine Pollen die gentechnikfreie Landwirtschaft. Das Insektengift des manipulierten Maises bedroht die Ökosysteme. Und damit nicht genug: Der Risiko-Mais wird verfüttert und landet dann als Käse, Milch, Eier und Fleisch auf unseren Tellern.
Die Regierungen von Österreich, Ungarn, Griechenland, Polen, Rumänien und Frankreich haben gehandelt und den Anbau von MON810 verboten. Folgen Sie diesem guten Beispiel: Erlassen Sie ein Verbot für den Anbau von MON810 in Deutschland! Stimmen Sie mit Nein, wenn in Brüssel erneut über die europaweite Zulassung von MON810 entschieden wird!"
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