Aktuelle Meldungen vom 15.07.2008
Trotz Ökobooms nur wenig mehr Bioflächen
BMELV veröffentlicht Zahlen zu Biolandbau 2007
Trotz guter Entwicklung am Biomarkt zeigen die Zahlen zum Biolandbau in Deutschland für das Jahr 2007 wieder eine ernüchternde Bilanz. Mit nur 4,8 % Zuwachs der ökologisch bewirtschafteten Fläche auf 865.336 Hektar konnte das historische Tief des letzten Jahres (2,3 % Flächenwachstum) nur wenig gesteigert werden.
Die Zahl der Bio-Erzeuger stieg 2007 um 6,5 % auf 18.703 (2006: 3,2 %). Damit geht seit fünf Jahren die Schere zwischen Biomarktwachstum und Flächenwachstum immer weiter auf. Die Importquote steigt entsprechend. Das Marktwachstum für Biolebensmittel lag 2007 bei 18,4 %.
"Die Agrarpolitiker von Bund und Ländern müssen ihre Mitverantwortung für diese schleppende Entwicklung des Biolandbaus in Deutschland erkennen und gegensteuern", fordert Bioland Präsident Thomas Dosch. Hindernisse durch die aktuelle Förderpolitik müssten beseitigt werden. Vielmehr müsse der Biolandbau von der Politik aktiv unterstützt werden, damit die heimische Biolandwirtschaft die rasch steigende Nachfrage decken kann. Dazu gehöre insbesondere die leistungsgerechte Honorierung von Klima- und Wasserschutz sowie der Biodiversität durch verbesserte Ökoprämien, da diese Honorierung nicht über höhere Produktpreise am Markt gegeben ist.
"Biolandbau bietet Einsparungspotentiale bei Umweltkosten und schafft Arbeitsplätze. Ideologisch motivierte Vorbehalte der Politik sind fehl am Platz", so Dosch.
Auch BÖLW enttäuscht
"Die Signale des Marktes sind bei den Landwirten angekommen, aber die Politik hinkt immer noch halbherzig hinterher", so lautet auch die Schlussfolgerung von Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, nach den vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz veröffentlichten Zahlen zum Ökologischen Landbau.
Die Zahlen blieben völlig unbefriedigend, so Löwenstein, denn die Zahl ausschließlich verarbeitender Betriebe nahm im gleichen Zeitraum um 24 % und die Zahl der Betriebe, die Bio-Erzeugnisse sowohl verarbeiten wie auch importieren um 20 Prozent zu: "Das zeigt, dass sich die Schere zwischen Marktentwicklung und heimischer Bio-Erzeugung weiter öffnet und der Importanteil steigt".
Löwenstein fordert die verantwortlichen Minister in Bund und Ländern auf, die Rahmenbedingungen für den Öko-Landbau zu verbessern: "Mehr Öko-Landbau ist ein Mehr an Natur- und Umweltschutz, ist gut für die Klimawirkung der Landwirtschaft und schafft tragfähige wirtschaftliche Perspektiven für Bauernfamilien. Immer mehr Verbraucher zeigen durch ihre Kaufbereitschaft, dass sie bereit sind, diese Vorteile für die gesamte Gesellschaft mit zu finanzieren. Die Agrarpolitik muss sicher stellen, dass diese Chance auch in Deutschland genutzt wird!" Dafür müssten - wie in Bayern und Niedersachsen - auch in den anderen Bundesländern die Umstellungsprämien erhöht und die Förderung von Investitionen gezielt auf Biobetriebe ausgerichtet werden.
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