Aktuelle Meldungen vom 05.09.2008
Bio doch nicht besser?
Studie falsch zitiert und bewertet
Eine neue Studie aus Dänemark musste in einigen Medien als Beleg dafür herhalten, dass Bio-Lebensmittel nicht besser seien als konventionelle. Doch das steht in der Arbeit gar nicht drin. Manche Journalisten störte das nicht.
Das anerkannte Fachblatt Journal of the Science of Food and Agriculture veröffentlichte Anfang August eine Studie dänischer Forscher. Diese entstand im Rahmen eines groß angelegten dänischen Öko-Forschungsprogramms und wurde von Wissenschaftlern erarbeitet, die in der Fachwelt einen gute Namen haben. Die Forscher hatten auf einem Gelände Lebensmittel auf drei Arten angebaut: Konventionell mit hohem Input an Pestiziden und Kunstdünger, im integrierten Anbau sowie streng ökologisch. Die so gewonnenen Erzeugnisse wurden untersucht und zwei Jahre lang an Ratten verfüttert.
Als erste griff die konservative Tageszeitung Die Welt die Studie auf und titelte: "Die Mär von der gesunden Biokost". Im Text hieß es dann unter Berufung auf die dänischen Forscher: "Öko-Produkte enthalten nicht mehr Vitamine als herkömmliche" und "Bei dem größten Teil der Proben ergaben sich keine Unterschiede im Nährstoffgehalt." Dabei hatten die Dänen gar nicht die Vitamine und Nährstoffe analysiert, sondern lediglich Mineralstoffe wie Kalzium und Spurenelemente wie Selen.
Auch frühere Studien fanden bei Mineralstoffen und Spurenelementen nur dann relevante Unterschiede, wenn sie frische Produkte verglichen. Bio-Obst und Gemüse ist aufgrund der geringeren Nitratdüngung weniger wässrig und enthält daher bezogen auf das Frischegewicht oft mehr Mineralstoffe. Betrachtet man - wie die Dänen - die reine Trockenmasse, so gleichen sich die Unterschiede allerdings aus.
Die dänische Studie hatte also nichts aufsehenerregend Neues festgestellt. Sie steht, da sie sich nur auf Mineralstoffe und Spurenelemente bezieht, auch nicht im Gegensatz zu den vielen Arbeiten, die Bio-Lebensmitteln einen höheren Gehalt an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen oder wertvollen ungesättigten Fettsäuren bestätigen. Sogar die ebenfalls konservative Frankfurter Allgemeine sprach von einer "journalistischen Knallerbse", die die Welt gezündet habe und zitierte die an der Studie beteiligte Professorin Susanne Bügel: "Auch wenn der Gehalt an Mineralien gleich hoch war, können biologisch erzeugte Produkte dennoch gesünder sein."
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