Aktuelle Meldungen vom 10.09.2008
Bioland verklagt Bundesland
Schleswig-Holstein soll Gen-Rapsfelder offenlegen
Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein weigert sich seit einem Jahr, die Ackerstandorte zu nennen, auf denen im vergangenen August versehentlich Gen-Rapssaatgut ausgebracht worden war. Der Bioland-Landesverband klagt nun auf Herausgabe dieser Informationen.
Gen-Raps ist EU-weit verboten. Im August 2007 wurde Raps-Saatgut, das unbeabsichtigt mit gentechnisch verändertem Saatgut verunreinigt war, in mehreren Bundesländern ausgesät. Diese Saatgutpartie (Taurus D/BN 3237/318, Deutsche Saatveredlung AG in Lippstadt) wurde auch in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ausgesät. Die betroffenen Landwirte erfuhren erst durch eine Saatgut-Rückrufaktion von der Verunreinigung. Zu diesem Zeitpunkt waren aber schon rund 300 ha Ackerfläche in Schleswig-Holstein bestellt.
Das Ministerium verweigerte die Offenlegung der Standorte mit der Begründung, sie seien vertraulich. Das Land ist jedoch grundsätzlich verpflichtet, Informationen über die Standorte zugelassener Gen-Saaten in einer öffentlichen Datenbank, dem Standortregister, zugänglich zu machen.
"Von diesen Gen-Raps-Flächen gehen auch in den nächsten Jahren Gefahren aus. Im Boden verbliebener Gen-Raps ist bis zu zehn Jahre lang keimfähig", begründet Carola Ketelhodt, Geschäftsführerin des Bioland-Landesverbandes, die Klage. Nur großer Abstand zu Gen-Pflanzen verringert das Risiko der Verunreinigung von Pflanzen, Rohstoffen und Produkten und das Risiko wirtschaftlichen Schadens. Beispiel Imker: Honig, der Gen-Pollen enthält, ist unverkäuflich. "Die genaue Standortkenntnis benötigen wir dringend. Landwirte und Imker müssen wissen, welcher Gefahr sie ausgesetzt sind," sagt Carola Ketelhodt.
Der ökologische Landbau ist gesetzlich verpflichtet, gentechnik-frei zu wirtschaften. Bioland ist grundsätzlich gegen den Einsatz von Gentechnik, weil sich gentechnisch veränderte Pflanzen nicht mehr aus der Natur zurückholen lassen und die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen ungeklärt sind.
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