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Aktuelle Meldungen vom 23.09.2008

Weniger Schutz vor Pestiziden

Umweltverbände fordern weniger Gifteinsatz

Mehr Schutz für Verbraucher und Umwelt vor gefährlichen Pestiziden fordern vier führende Umweltverbände im Vorfeld der Agrarministerkonferenz, die ab Mittwoch in Meißen tagt. Der Grund: Der vor kurzem vorgestellte "Aktionsplan" des Bundes-Landwirtschaftsministeriums (BMELV) sei ein schwerer Rückschritt für den Schutz von Verbrauchern und Umwelt.

Der "Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" ersetzt das im Jahr 2004 von der damaligen Ministerin Renate Künast (Grüne) verabschiedete "Reduktionsprogramm chemischer Pflanzenschutz". Die bisher geltenden Ziele, den Einsatz von Pestiziden innerhalb von zehn Jahren um 15 Prozent und Überschreitungen von Pestizidgrenzwerten in Lebensmitteln auf unter ein Prozent zu senken, sind im neuen "Aktionsplan" gestrichen worden.

Greenpeace e.V., NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.), PAN (Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.) und der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) fordern deshalb die Agrarminister von Bund und Ländern zur Korrektur des Plans auf. Darin muss klar festgelegt sein, wie stark der Einsatz chemischer Pestizide gesenkt werden soll, wie stark nichtchemische Alternativen ansteigen und gefördert werden sollen und wie stark Pestizid-Rückstände in Lebensmitteln sinken sollen.

"Die französische Regierung hat vergangenen Dienstag angekündigt, den Pestizideinsatz innerhalb von zehn Jahren um 50 Prozent zu senken. Dagegen ist der Aktionsplan von Minister Seehofer ein Rohrkrepierer," kritisiert Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace. "Inzwischen wirken die Maßnahmen der Umweltverbände und des Lebensmittelhandels zur Verringerung der Pestizide in Obst und Gemüse. Seehofer setzt diesen Fortschritt nun fahrlässig aufs Spiel."

Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany stellt klar: "Sollten die Landwirtschaftsminister ihren Aktionsplan nicht deutlich nachbessern, wird die weitere Mitarbeit unserer Verbände an dem Plan in Frage gestellt."

"Aus Sicht des Naturschutzes ist ein Maßnahmenkatalog mit verbindlichen Reduktionszielen und Instrumenten dringender denn je erforderlich", fordert NABU-Agrarexperte Florian Schöne. "Die jüngsten Umsatzzuwächse der Pestizidindustrie belegen eine deutliche Intensivierung der Landnutzung, die sämtliche Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung gefährdet."

"Statt konkreter Ziele zur Minderung der Pestizidbelastung bei Lebensmitteln finden sich im Aktionsplan von Landwirtschaftsminister Seehofer lediglich vage Forschungsvorhaben und nur unzureichende Maßnahmen", so Patricia Cameron, Chemieexpertin des BUND.

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