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Aktuelle Meldungen vom 19.10.2008

Warentest verliert vor Gericht

"Buttertest fachlich indiskutabel"

Die Andechser Molkerei Scheitz hat vor dem Landgericht Mannheim gegen die Stiftung Warentest gewonnen. Die Stiftung darf keine abwertenden Aussagen mehr über die Sauerrahmbutter der Molkerei machen.

Die Andechser-Butter hatte in einem Test der Stiftung mit "mangelhaft" abgeschnitten. Gegen die nach Auffassung von Experten falschen Bewertungskriterien hatte die Molkerei geklagt. Laut Landgericht Mannheim darf Stiftung Warentest jetzt nicht mehr behaupten, dass die Bio Almbutter Andechser Natur zu wenige der nützlichen Milchsäurebakterien enthalte, das Produkt durch geringe Mengen Milchsäurebakterien negativ auffiel und mangelnde Hygiene bei der Herstellung vorliege. Auch die Bewertung "mangelhaft" in der Rubrik "mikrobiologische Qualität" dürfe nicht allein mit der Fußnote "zu wenig Milchsäurebakterien (Nutzflora)" begründet werden.

Vorausgegangen war der Entscheidung eine mündliche Verhandlung, bei der die Molkerei auf Gutachten von Experten verwies. Diese hatten festgestellt, dass die Anzahl der Milchsäurebakterien kein "Qualitätskriterium für industriell hergestellte Sauerrahmbutter" sei und "es weder eine Verordnung noch ein Gesetz gibt, das sich über die Anzahl von Milchsäurebakterien in Sauerrahmbutter auslässt". Die Bewertung sei "nicht nachvollziehbar und somit willkürlich". Das Heft darf nicht mehr ausgeliefert und die Internetseiten entsprechend geändert werden. Die Stiftung Warentest will juristische Mittel gegen das Urteil einlegen.

Der Buttertest der Stiftung Warentest wird von führenden Milchwissenschaftlern aus fachlicher Sicht heftig kritisiert. Der Grund: die "Aktivität von Milchsäurebakterien", die von Warentest als wesentliches Beurteilungskriterium eingeführt wurde, sei als Qualitätskriterium für Butter unzutreffend und fachlich falsch.

Auslöser der aktuellen Warentest-Kritik war der Entschluss der Andechser Molkerei, sich gegen die Warentest-Beurteilung ‚Mangelhaft' für ihre ‚Natur Sauerrahmbutter' zur Wehr zu setzen. Denn zu offensichtlich war, dass die für ihre Butter angegebenen Daten nicht stimmen konnten! Die Verwechslung von Daten hat der Vorstand der Stiftung Warentest inzwischen zwar eingestanden und diese fehlerhaften Angaben auch aus seiner Internetseite gelöscht. Die Warentest-Zeitschrift ‚test' jedoch war bereits gedruckt und wurde am Markt ausgeliefert.

Nachdem dieser Warentest-Buttertest bezüglich der Qualitätsbewertung jedoch mit einem zu geringen Gehalt an Milchsäurebakterien in der Butter begründet wurde, hatte sich die Molkerei an den Freiburger Anwalt Hanspeter Schmidt gewandt. Dieser beantragte beim Landgericht Mannheim die Unterlassung entsprechender Aussagen der Stiftung Warentest.

Die Stiftung Warentest jedoch berief sich in einer ersten Verteidigung ihres ‚Buttertests' auf ein Standardwerk der Molkereiwissenschaft, wo nach ihrer Lesart den Milchsäurebakterien in der Butter letztlich ein maßgebliches Qualitätskriterium zukommen würde.

Erstaunlich: der Autor dieser zitierten Aussage im Standardwerk, der Milchwissenschaftler Dr. Herbert Seiler von der TU München, Weihenstephan, stellte dazu eindeutig fest, dass die Anzahl der Milchsäurebakterien kein "Qualitätskriterium für industriell hergestellte Sauerrahmbutter" sind.

In seiner Stellungnahme legt er sich fest: "Entscheidend für den Genusswert der Butter ist die Ausprägung des Butteraromas (Diacetyl) und der milchig saure Geschmack und nicht die Konzentration an Milchsäurebakterien."
Prof. Dr. Knut Heller vom "Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Mikrobiologie und Biotechnologie" in Kiel, stellte deutlich heraus, dass der von der Stiftung Warentest für ihren ‚Buttertest' eingebrachte Ausdruck ‚Nutzflora' als Qualitätsmerkmal nicht annehmbar sein kann!
Prof. Dr. Heller: "Da es weder eine Verordnung noch ein Gesetz gibt, dass sich über die Anzahl von Milchsäurebakterien in Sauerrahmbutter auslässt, ist diese Bewertung nicht nachvollziehbar und somit willkürlich. Im Übrigen bleibt unklar, was unter ‚Nutzflora' verstanden wird, bzw. verstanden werden soll."

In seiner Stellungnahme legte der Experte auch für Laien eindeutig dar, dass das von der Stiftung Warentest diesbezügliche Bewertungskriterium wissenschaftlich nicht haltbar sein kann!

Auch eine "Testgröße" eines ‚gesundheitsförderlichen' Nutzens durch Milchsäurebakterien in der Sauerrahmbutter lehnt Prof. Dr. Heller ab: "Über den Verzehr von Sauerrahmbutter als Brotaufstrich lassen sich keine signifikanten Mengen an lebenden Milchsäurebakterien aufnehmen, selbst dann, wenn Sauerrahmbutter 106 oder mehr KbE pro Gramm enthalten würde!"

Prof. Dr. Heller bei seiner Zusammenfassung: "Diese Gründe machen klar, warum der Gesetzgeber darauf verzichtet hat, Milchsäurebakterien-Keimzahlen für Sauerrahmbutter vorzugeben. Eine Funktion im Sinn einer ‚Nutzflora' ist für das fertige Produkt Sauerrahmbutter nicht gegeben."

Mehr zum Thema

  • Zu Besuch bei der Andechser Molkerei (Schrot & Korn 6/2005)
  • Verpackungen: Andechser Molkerei Scheitz (Schrot & Korn 10/2006)
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