Aktuelle Meldungen vom 15.01.2009
Unerlaubtes Futter
Bioland kündigt Robert’s Bio-Geflügel / Mitarbeiter übernehmen Firma
Die Öko-Kontrollbehörde Nordrhein-Westfalens (LANUV) hat den Bioland-Geflügelhof von Berthold Franzsander wegen Verwendung konventioneller Futtermittel mit einem Vermarktungsverbot belegt. Sie stufte das gesamte Geflügel – Junggeflügel, Legehennen und Mastgeflügel - auf den Status „konventionelle Ware“ zurück. Franzsanders Verarbeitungsbetrieb RoBert’s Biogeflügel ist von dem Vermarktungsverbot nicht betroffen, musste aber eine Reihe von Produkten zurückrufen. Bioland hat den Vertrag mit dem Erzeugerbetrieb Franzsander GbR sowie mit RoBert’s Biogeflügel GmbH & Co. KG gekündigt. Als Konsequenz aus dem Vorfall stellt Berthold Franzsander den Betrieb von RoBert’s Biogeflügel Ende Januar ein. Mitarbeiter werden die Firma unter neuem Namen weiterführen.
Mit der Übernahme des Betriebes wollen die Mitarbeiter die Vermarktung der Erzeugnisse zahlreicher Bioland-Betriebe, die mit RoBert’s zusammengearbeitet hatten, sicherstellen. Der Fachhandel soll nahtlos mit Frischware weiterbeliefert werden. Bei Convenience- und Glasprodukten werde es voraussichtlich Mitte Februar neue Ware geben, teilte Berthold Franzsander BioHandel mit.
Konventionelles Futter im falschen Silo
Bei einer Futtermittel-Kontrolle im November hatten sich Hinweise auf nicht zulässige Futtermittel ergeben. Im Bioland-Informationsdienst vom 9. Januar hieß es: „Es wurde in einer Putenherde in den ersten sechs Lebenswochen konventionelles Starterfutter eingesetzt – laut Betriebsleiter, weil die Tiere das Biofutter nicht aufnahmen.“ Nach Angaben von Berthold Franzsander waren drei Aufzuchten betroffen, von denen zwei noch auf dem Hof seien und eine vermarktet wurde – als Bio-Ware. „Das war ein Fehler, das hätten wir nicht machen dürfen.“ Bioland schreibt weiter: „Ferner wurde ermittelt, dass der Geflügelhof auch einzelne Durchgänge mit konventionellem Geflügel, das nachweislich konventionell vermarktet wurde, gefahren hat. In diesem Zusammenhang kam es zu Vermischungen, das heißt, ein Silo für die Elterntierherde wurde mit konventioneller Futterlieferung befüllt.“
Betroffen davon seien nur die Tiere für die Legehennenzucht gewesen, erläutert Franzsander. Die Hinweise führten am 2. Dezember zu einem Vermarktungsverbot für den Geflügelhof. „Die Firma RoBert’s Bio-Geflügel war und ist von dem Vermarktungsverbot nicht betroffen und beliefert den Handel weiterhin seit dem 3.12.2008 ausschließlich mit Biogeflügel, das bei externen Bioland- und Bio-Betrieben zugekauft wird“, schreibt Bioland.
Mehrtägige Kontrollen
Mehrtägige unangemeldete Kontrollen der Kontrollstelle ABCert und der LANUV im Dezember bestätigten diese Hinweise. Am 22. Dezember entschied die LANUV, den gesamten Geflügelbestand des Hofes als konventionell einzustufen, rückwirkend bis zur letzten Kontrolle im Mai 2008. Dies hatte zur Folge, dass auch Produkte von Robert’s Bio-Geflügel, die Fleisch von zurückgestuften Tieren enthielten, ihre Bio-Eigenschaft verloren. Betroffen davon waren lang haltbare Glas- und Convenience-Produkte, die schon vor dem 3. Dezember 2008 produziert worden waren. Ende letzter Woche rief RoBert’s diese Produkte aus dem Handel zurück.
Mitarbeiter übernehmen am 1. Februar
„Eine bittere Geschichte“ sei das, sagt Berthold Franzsander. „Ich habe Fehler gemacht und es tut mir aufrichtig leid. Ich bitte hierfür um Entschuldigung. Für die Vorfälle trage ich die alleinige Verantwortung und werde mich dieser auch stellen. Als Konsequenz stelle ich die Geschäftstätigkeit der RoBerts Bio-Geflügel GmbH & Co. KG zum 31.01.2009 ein. Ein Teil der Mitarbeiter mache weiter, übernehme den Betrieb sowie die Marke RoBert’s und starte zum 1. Februar mit der neuen Firma Bio-Geflügel Vertriebs GmbH. Franzsander hofft, dass der Fachhandel die Neugründung annimmt. „40 Prozent unserer Produkte kamen von anderen Bioland-Landwirten. Die brauchen doch weiterhin einen Abnehmer.“ Für Bioland zeigt der Fall, „dass die Kontrollen wirksam und verlässlich sind“. Der Verband kündigte an, die Kontrolldichte bei Bioland-Betrieben mit mehreren Betriebsstätten und Firmen zu erhöhen.
Berthold Franzsander hatte den elterlichen Geflügelhof im westfälischen Delbrück 1994 auf Bio-Erzeugung umgestellt und zusammen mit seiner Frau Roswitha RoBert’s Bio-Geflügel gegründet, um das Fleisch zu vermarkten. Das Unternehmen war bisher einer der wichtigsten Lieferanten von Geflügelfleisch und –Wurst für den Bio-Fachhandel und machte 2007 mit rund 40 Mitarbeitern 8,5 Millionen Euro Umsatz. Die Erzeugung umfasste Geflügelställe mit einer Gesamtfläche von 16.000 Quadratmetern und 520 Hektar Ackerflächen für den Futteranbau. (leo)
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