Fairer Handel

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Fairtrade ist „eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.“ Von biologischem Anbau ist nicht ausdrücklich die Rede, allerdings gehören zum Kriterienkatalog unter anderem der Schutz des Trinkwassers.

Selbstverständlich ist die Kombination von bio und fair nicht, obwohl beide Ansätze gegen Ausbeutung sind – der Bio-Landbau gegen die Ausbeutung der Natur, der faire Handel gegen die Ausbeutung der Bauern. Bio-Landbau setzt demzufolge vor allem auf ökologische Landwirtschaft und Nachhaltigkeit, der faire Handel auf ökonomische Gerechtigkeit.

Naturkost-Hersteller und -Händler haben sich dagegen einer gesamtheitlichen Philosophie verschrieben, die darauf zielt, eine alternative, das heißt ökologische und sozialverträgliche Wirtschaftsform zu etablieren. Die gerechte Bezahlung aller Partner weltweit gehört dazu.

Geschichte

Pionier der weltweiten Fairhandelsbewegung war die 1967 gegründete niederländische SOS Wereld Stichting. Aus einer ihrer Tochtergesellschaften ging später unter anderem die Fairhandelsgesellschaft Gepa hervor. Ursprünglich wurde nur Handwerk importiert („Jute statt Plastik“). Das verkaufte sich gut, bis der exotische Reiz durch das Image vom weltfremden Müslifreak überlagert wurde. Ende der 80er-Jahre begann der faire Handel mit Lebensmitteln aus südlichen Ländern, zunächst Tee und Kaffee. Etwa zur gleichen Zeit entstand der deutsche Verein Transfair. Er führte 1993 sein schwarz-weißes Logo ein. Damit wurde die Einhaltung gerechter Arbeitsbedingungen vom Produzenten bis zum Verkäufer garantiert. Im Jahr 2002 hat Transfair das internationale Fairtrade-Logo übernommen.
Transfair handelt nicht selbst mit Waren, sondern vergibt gegen eine Gebühr das „Fair“-Logo an Hersteller und kontrolliert deren Angaben. Außerdem gehören Marketing und die Erschließung neuer Absatzmöglichkeiten zu seinen Aufgaben. Hier gab es in letzter Zeit Kritik. Grund: Die Zusammenarbeit mit dem Billigdiscounter Lidl. Hier werde fair nur als Marketinginstrument missbraucht, lautete der Vorwurf. Nicht zuletzt wegen solcher Tendenzen hat sich der internationale Dachverband des ökologischen Landbaus (IFOAM) 2005 eine Rückbesinnung auf die Grundwerte des biologischen Wirtschaftens verordnet. Vier Prinzipien gehören demnach untrennbar zum Öko-Landbau: Health, Ecology, Fairness und Care – Gesundheit, Umweltschutz, Fairness und Fürsorge.

Bio und Fair

Dass Bio für Fairtrade dennoch immer wichtiger wird, lässt sich an dem stetig zunehmenden Anteil ökologisch produzierter Lebensmittel ablesen: noch im Jahr 2003 waren 40 Prozent des Transfair-Sortiments bio, heute sind es 64 Prozent. Der Bio-Anteil ist auf die einzelnen Produktgruppen sehr unterschiedlich verteilt: Fruchtsaft (8 %), Honig (13 %), Kaffee (50 %), Schokolade (60 %), Tee (71 %), Kakao (79 %), Wein (90 %) und Bananen (99 %). Der ganzheitliche Ansatz – im Einklang mit der Natur zu wirtschaften und dabei einander partnerschaftlicher zu begegnen – gehört für viele Bio-Firmen zum Selbstverständnis. Doch nicht alles, was bio ist, ist automatisch auch fair gehandelt.

Die Firmen, die neben bio auch auf fairen Handel setzen, verfolgen zudem unterschiedliche Strategien. Manche wollen ihr faires Engagement nicht an die große Glocke hängen, andere sind nicht bereit, Lizenzgebühren zu zahlen, und verzichten deshalb auf eine Kennzeichnung, wieder andere haben sich bestehende Projekte gesucht oder eigene partnerschaftliche Projekte auf die Beine gestellt. Ein Grund für diese Vielfalt: Im Hinblick auf die ökologische Qualität war vielen das Siegel von Transfair nicht ausreichend.

Das firmeneigene „Hand-in-Hand“-Logo von Rapunzel etwa garantiert seit 1992 beides: Öko-Landbau und Erfüllung der sozialen Leitlinien des Öko-Landbaus sowie der international gültigen Arbeitsvorschriften. Auszug aus den „Hand-in-Hand“-Richtlinien:

• Für Produzenten: Produkte in Bio-Qualität, soziale Absicherung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Verbot von Kinderarbeit, Transparenz.

• Für Rapunzel: langfristige Handelsbeziehungen, Abnahmegarantien, faire Produktpreise über dem Weltmarktniveau, Unterstützung und Beratung, Förderung gemeinnütziger Projekte.

Faire Ausblicke

Damit „bio“ und „fair“ richtig zusammenkommen können, müsste sich etwas in der Organisation und Preisstruktur ändern. Seit Jahren versuchen die Dachorganisationen von Fairhandel IFAT und Ökolandbau IFOAM Richtlinien für gemeinsame Kontrollen zu finden – denkbar wären gemeinsam ausgebildete Kontrolleure, die in einem Durchgang kostensparend „bio“ und „fair“ prüfen. Durchaus möglich, dass sich hier was bewegt, wenn der Druck durch die Verbraucher weiter wächst.

Das wird geprüft

Transfair

Auszüge aus den Transfair-Richtlinien

Für Produzenten: politische Unabhängigkeit und demokratische Strukturen, nachhaltige Entwicklung von Ökologie, Bildung und Frauenförderung, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Verbot von Kinder- arbeit und Zwangsarbeit.

Für Importeure und Hersteller: direkter Bezug über Kooperativen oder Plantagen, die im Fairhandels-Register gelistet sind, langfristige Lieferbeziehungen, Mindestpreise (meist über dem Weltmarkt).

Weitergehendes

Wie auch bei den Bio-Siegeln gibt es Hersteller, denen die vereinbarten Kompromisse nicht weit genug gehen, und die sich daher bessere Handelsbedingungen auferlegt haben. Ein Beispiel hierfür ist der Banafair-Verband für fair gehandelte Bananen.

Mehr dazu

Internet

Literatur

  • Wagenhofer, E.; Annas, M.:
We feed the world – Was uns das Essen wirklich kostet. Das Buch zum gleichnamigen Film.
Orange Press, 2006, 191 Seiten, 20 Euro, ISBN 3-936086-26-5
  • Boris, Jean-Pierre:
(Un)Fair Trade – Das profitable Geschäft mit unserem schlechten Gewissen.
Goldmann Verlag, 2006, 219 Seiten, 7,95 Euro, ISBN 3-442-15392-1
  • Report des Wuppertal Instituts: Fair Future – Begrenzte Ressourcen und Globale Gerechtigkeit.
C.H. Beck Verlag, 2005, 278 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 3-406-52788-4
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