Der Bio-Puten-Skandal um Berthold Franzsander weitet sich aus. Die Öko-Kontrollbehörde Nordrhein-Westfalens (LANUV) hat mitgeteilt, dass Franzsander seit 2005 mehr als 3.000 Tonnen konventionelles Futter zugekauft hat. Naturkosthersteller haben mittlerweile Babygläschen mit Geflügelfleisch von RoBert‘s aus den Regalen genommen, weil das Geflügelfleisch darin nicht mehr Bio ist.
Das Landesamt für Natur Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hat am 29. Januar einem weiteren Betrieb in Delbrück den Öko-Status entzogen, der zu Franzsanders Unternehmensgruppe gehört. Dabei handelt es sich um die Firma Bertros Feinkost. Dieses von der Kontrollstelle Lacon zertifizierte Unternehmen hat als reines Vermarktungsunternehmen Bioprodukte an den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verkauft. Das LANUV schreibt über Bertros, „dass in den Jahren 2004 bis 2008 circa 1.000 Tonnen konventionelle Geflügel- und Lammerzeugnisse direkt zugekauft wurden. Trotz wiederholter Aufforderungen konnte die Firma den Verbleib der Ware nicht nachweisen.“ Nach Auskunft von Lacon habe Bertros hauptsächlich Bio-Ware gehandelt. Es habe bei den Kontrollen keine Auffälligkeiten gegeben.
Ställe jenseits der Kontrolle?
In Sachen Franzsander teilte das LANUV weiter mit: „Nach jetzigem Stand wurden von dem Ökobetrieb bereits seit 2005 mehr als 3.000 Tonnen konventionelles Futter gekauft.“ Bisher war nur bekannt, dass Franzsander 2008 rund 960 Tonnen zugekauft hatte, was zur Aufdeckung des Skandals führte. Auf die Frage, warum die Kontrollstelle ABCert den früheren konventionellen Futterzukauf nicht entdeckt habe, sagte Bioland-Vorstand Thomas Dosch: „Die Ställe, für die Franzsander dieses Futter eingekauft hatte, lagen nicht im Kontrollauftrag der ABCert.“ Diese sei nur für die Franzsander GbR als Erzeuger sowie Robert´s Biogeflügel zuständig gewesen. Bei der Franzsander GbR sei es erst nach der letzten turnusmäßigen Kontrolle im Mai 2008 zu Unregelmäßigkeiten gekommen.
Während Dosch davon ausgeht, dass frühere konventionelle Zukäufe von Franzsander ausschließlich in dessen konventionellen Betrieben eingesetzt wurden, sagt LANUV-Pressesprecherin Babette Winter: „Ein Großteil dieser Futtermittel ist vom Ökobetrieb verfüttert worden.“
Keine Beanstandungen hatte ABCert auch bei dem Erzeugerbetrieb Franzsanders, der als Demeter-Partner anerkannt war. Nach Auskunft von Demeter lief die Partnerschaft im letzten Oktober aus, weil Franzsander keinen Demeter-Kooperationspartner für die Lieferung von Futtergetreide im Tausch gegen Geflügelmist mehr hatte. Die Vertragsbeziehungen mit RoBert’s kündigte Demeter am 27. Januar. Bereits am 22. Januar hatte das LANUV gegen Franzsanders Verarbeitungsbetrieb RoBert’s Biogeflügel ein Vermarktungsverbot erlassen.
Damit verloren alle Produkte der Firma ihre Bio-Eigenschaft – und das rückwirkend für das ganze Jahr 2008. Das betrifft nicht nur Läden und Großhändler, die noch RoBert’s-Produkte im Regal haben, sondern auch Hersteller, die sich bei RoBert’s mit Geflügelfleisch für TK-Ware oder Babygläschen eingedeckt haben.
Rückruf von Baby-Gläschen
Noch ist offen, wie viele Firmen betroffen sind und Produkte zurückrufen müssen, weil das Geflügelfleisch darin nicht mehr Bio ist. Sunval-Geschäftsführer Ralf Jungfermann teilte mit, dass man drei Gläschen mit Geflügelfleisch und unterschiedlichen MHDs (Mindesthaltbarkeitsdatum) aus dem Handel zurückgerufen habe. Alnatura hatte am Mittwoch sieben Sorten Alnatura-Babygläschen mit Geflügelfleisch vorsorglich aus dem Verkauf genommen. „Möglicherweise wurde das Bio-Geflügel, das in unseren Babygläschen verarbeitet wurde, mit konventionellem Futter gefüttert oder dem Bio-Geflügelfleisch für die Gläschen wurde konventionelles Geflügelfleisch beigemischt“, erklärte das Unternehmen.
Auch Gläschenhersteller Holle hat seine beiden Artikel Holle Kürbis mit Huhn und Putenfleisch aus dem Handel zurückgerufen. Hipp teilte mit, man habe kein Geflügelfleisch von RoBert’s bezogen. Alete meldete sich auf Anfrage des Fachmagazins BioHandel nicht zurück. Ökofrost und Ökoland teilten mit, dass in ihren Produkten kein Fleisch von RoBert’s zum Einsatz gekommen sei. Leo Frühschütz
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