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50 Prozent Plus für Fairtrade

200925Apr

Der ethische Konsum in Deutschland wächst. Dies hat TRANSFAIR e.V. auf seiner Jahrespressekonferenz in den Räumen seiner internationalen Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) in Bonn verkündet. 2008 kauften Verbraucherinnen und Verbraucher Fairtrade-gesiegelte Produkte im Wert von rund 213 Millionen Euro.

Das sind 50 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr. Auch der Absatz stieg um elf Prozent auf 26.000 Tonnen. Wachstumsmotoren waren insbesondere Rosen (+138 Prozent), Zucker (+91 Prozent), Fruchtsaft (+80 Prozent) und Kaffee (+14 Prozent). Neue Partnerfirmen, ein erweitertes Angebot, mehr Engagement des Handels sowie ein bewussteres Einkaufverhalten haben den Erfolg ermöglicht. „Die Verbraucher möchten zunehmend ethische Produkte kaufen, die ohne Ausbeutung und Umweltschäden hergestellt wurden. Hier bietet Fairtrade einen glaubwürdigen Lösungsansatz“, sagte Dieter Overath, Geschäftsführer von TRANSFAIR.

Fairer Mehrwert

Von diesem Erfolg profitieren insbesondere die 870 zertifizierten Produzenten-Organisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika, die allein über den deutschen Markt mehr als 33 Millionen Euro Direkteinnahmen erhalten haben. Die Fairtrade-Gelder werden hauptsächlich dazu genutzt, die medizinische Versorgung, Bildung und soziale Einrichtungen zu verbessern. Heinz Fuchs, Vorstandsvorsitzender des TRANSFAIR e.V., betonte: „Fairtrade schafft Zukunftsperspektiven für die Produzentengruppen und rückt soziales Wirtschaften wieder in den Mittelpunkt.“

Finanzkrise erreicht Produzenten

2008 war ein Jahr der weltweit extremen Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor. Dies ist zurückzuführen auf Ernteausfälle, explodierende Ölpreise und die Verwendung von Ackerland zur Herstellung von Biotreibstoff. Die extreme Preissteigerung stellt Kleinbauern in aller Welt vor erhebliche Herausforderungen. Sind die Einkaufspreise für regionale Lebensmittel weiterhin sehr hoch, fallen in der letzten Zeit die Rohstoffpreise für international gehandelte Waren wie Kaffee, Tee, Zucker und Kakao. Die Finanzkrise verstärkt die wirtschaftliche Notlage der Menschen in den ärmsten Ländern. Ausgerechnet diejenigen, die an der derzeitigen Rezession am wenigsten Schuld trifft, haben am stärksten unter den Folgen zu leiden. Sie sitzen in der „Hungerfalle“.

Ernährungssicherheit durch Fairen Handel

Der Faire Handel setzt all dem sein Konzept der gezielten und nachhaltigen Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft und sozial geführten Plantagen in Lateinamerika, Afrika und Asien entgegen. Durch den garantierten Mindestpreis, den die Produzenten für Kaffee oder Tee, Bananen, Orangen, Kakao oder Reis erhalten, ist ihre Existenz und damit ihre Ernährung und die ihrer Familien gesichert. Mit gezielter Beratung helfen Experten, die Anbaumethoden zu verbessern, eigenes Saatgut zu entwickeln und die Produktion zu diversifizieren.

Fairtrade trotzt dem Wirtschaftsklima

Die internationalen Zahlen belegen, dass die Konsumenten weltweit auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Fairtrade unterstützen. Fairtrade-zertifizierte Waren erbrachten 2008 einen geschätzten Umsatz von 2,9 Milliarden Euro, dies bedeutet ein Plus von 25 Prozent. Starke Wachstumsmärkte sind neben Deutschland auch Großbritannien, Frankreich und die skandinavischen Länder. „Die Tatsache, dass die Verbraucher Fairtrade weiterhin treu bleiben, macht Mut“, so Rob Cameron, Geschäftsführer von Fairtrade Labelling Organizations International. „Die Produzenten brauchen Fairtrade heute mehr als je zuvor. Die Nahrungsmittelkrise trifft sie hart genug, doch jetzt werden sie auch noch mit der Weltwirtschaftskrise konfrontiert. Viele bekannte Marken sehen Fairtrade als wichtigen Teil ihrer künftigen Entwicklung. Wir arbeiten mit diesen Unternehmen, um den Absatzmarkt auszubauen, damit in Zukunft noch mehr Produzenten von den Vorteilen von Fairtrade profitieren können.“

Erste weltweite Marktforschung

Das Fairtrade-Siegel genießt weltweit eine hohe Bekanntheit und größte Vertrauenswürdigkeit. In den 15 Ländern, die die aktuelle Studie abdeckt, kennt die Hälfte der Menschen das Fairtrade-Siegel. Davon vertrauen dem Siegel neun von zehn Menschen. 64 Prozent aller Verbraucher sind der Überzeugung, dass Fairtrade für strenge Standards steht. Dies steht in direktem Zusammenhang mit dem Vertrauen der Verbraucher. Beinahe drei Viertel sind der Meinung, dass eine unabhängige Zertifizierung der beste Weg ist, den ethischen Anspruch eines Produktes glaubhaft zu machen.

RugMark wächst zweistellig

Im Jahr 2008 wurden in Deutschland RugMark-Teppiche im Wert von über 19 Millionen Euro gekauft, dies bedeutet ein Plus von zwölf Prozent. Aus Indien ist der Absatz um elf Prozent gestiegen und aus Nepal um 25 Prozent. Von dort wurden besonders Designer-Teppiche nachgefragt. Der allgemeine Trend, es sich in Krisenzeiten zuhause gemütlich machen zu wollen, kommt hier zum Ausdruck.

Fairtrade-Produkte in Zahlen

Im Jahre 2008 wurden fast 5.000 Tonnen Fairtrade-Kaffee gekauft. Davon wurden 165 Millionen Tassen in über 10.000 gastronomischen Betrieben ausgeschenkt. Dies bedeutet eine Steigerung um 34 Prozent. In Deutschland wurden 4,5 Millionen Liter Fruchtsaft getrunken, das sind 80 Prozent mehr. 46,8 Millionen fair gehandelte Rosen erblühten 2008, ein Plus von 138 Prozent. Der Absatz von Tee stieg um zwei Prozent auf 202 Tonnen. 557.000 Liter fair gehandelter Wein bedeuten ein Plus von 72 Prozent. Leckermäuler genossen 867 Tonnen Fairtrade-Schokolade, das sind 10 Prozent mehr. 451 Tonnen Fairtrade-Reis bedeuten ein Plus von 48 Prozent. 844.000 Textilien aus Fairtrade-Baumwolle wie Jeans, T-Shirts und Stofftaschen sind ein erfreulicher Start. Lediglich Fairtrade-Bananen sind mit 12.000 Tonnen um elf Prozent gesunken: Verschiedene Handelsketten haben die fair gehandelten Bananen aus dem Sortiment genommen.

Unabhängige Kontrolle durch FLO-CERT

Damit Produkte mit dem Fairtrade-Siegel überall auf der Welt den gleichen festgelegten Fairtrade-Standards entsprechen, werden alle beteiligten Akteure regelmäßig kontrolliert. Mit dieser Aufgabe ist die FLO-CERT GmbH mit Sitz in Bonn beauftragt. Die Gesellschaft arbeitet mit einem unabhängigen, transparenten und weltweit konsistenten Zertifizierungssystem nach den Anforderungen der ISO Norm 65.


Manfred Loosen
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Dieser Beitrag wurde vor am Samstag, 25. April 2009 um 22:54 Uhr veröffentlicht und unter Ernährung & Naturkost gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen.Sie können einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer Website hierher setzen.
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2 Kommentare

17. Juli 2009 um 11:05 Uhr
Maik sagt:

Dass der Verkauf von Fair Trade Produkten zunimmt, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Ich kaufe selbst immer öfter Fairtrade Produkte, da ich mir sicher sein kann, dass diese nicht aus Kinderarbeit stammen und die Erzeuger einen gerechten Lohn erhalten. Die Produkte sind zwar meist teurer, aber wie gesagt: Man kennt die Hintergründe und tut was Gutes.

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