Diese Seite drucken

Filmstart: In die Welt

200928Mai

Ein besonderer Film kommt heute in die Kinos: Das bewegende Portrait einer Geburtsklinik in Wien gibt einen faszinierenden Einblick in das Drama, den Schmerz und die Schönheit des In-die-Welt-Kommens. In ihrer ganzen Intensität und Unterschiedlichkeit wird das alltägliche Wunder der Geburt gezeigt, ohne Kommentar, ohne Interviews, ohne Musik; die Bilder sprechen für sich.

In Constantin Wulffs bewegendem Dokumentarfilm „In die Welt“ wird der Zuschauer kurzerhand mitten ins Geschehen gestoßen. Durch sorgfältige Montage fügen sich die faszinierenden Beobachtungen und Mikrodramen des Krankenhausalltags zu größeren Themen, die weit über ein bloßes Klinikporträt hinausreichen und sich zu einer Art Gesellschaftsbild rund um die Geburt fügen.

Charakteristisch für die Komplexität des Films ist die Darstellung der ersten Geburt im Film: Sie ist mit über zehn Minuten Dauer dessen längste Szene und eine seiner intensivsten – und je nach Perspektive der Beteiligten selbstverständliche Routine oder großes Drama. Mit anderen nicht weniger souverän dokumentierten Szenen wird so ein kleines Panorama des vielfältigen Alltags des In-die-Welt-Kommens zwischen Schmerz und Glück entworfen, das ins große, faszinierende Panorama seiner institutionellen Umstände gebettet ist.

Wie um das Singuläre und Abenteuerliche einer jeden Geburt zu betonen, beginnt der Film mit einem kritischen Moment: ein Baby im Brutkasten, Diagnose ungewiss. Nach dem Titel folgt dann die Schilderung der Zyklen des Klinikalltags: von Untersuchung zu Untersuchung, von Ultraschall zu Ultraschall. Zwischen die individuellen Mikrodramen montiert sind hintersinnige kleine Beobachtungen und vor allem leitmotivisch wiederkehrende Vorgänge. Der Film zeigt die notwendigen, „versteckten“ Abläufe wie das Ordnen von Medikamenten und Operationsbesteck, das Analysieren von Daten, das Messen, Waschen, Füttern der Kleinkinder und natürlich die unauffällige Allgegenwart des Putzpersonals. Und über allem, repräsentiert durch stets wachsende Aktenberge, das unvermeidliche Wuchern des organisatorischen Aufwands. „In die Welt“ ist eine Chronik vom Beginn des Lebens – und dessen Organisation.

Der Film läuft ab heute in Berlin (fsk Kino und Neue Kant Kinos) und in Köln (Filmpalette und Odeon). Weitere Termine und Orte – und einen kurzen Trailer zum Fim – findet man hier.


Manfred Loosen
Dieser Beitrag wurde vor am Donnerstag, 28. Mai 2009 um 07:16 Uhr veröffentlicht und unter Gesundheit gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen.Sie können einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrer Website hierher setzen.
  • Share/Bookmark

Keine Kommentare

Kommentieren