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Stiftung Warentest meint, bio sei nicht besser

201027Mai

Die Stiftung Warentest hat 52 Lebensmitteltests ausgewertet und ihr Fazit für Bio-Produkte gezogen: „Biolebensmittel sind nach den Qualitätsurteilen unserer Tests nicht besser als herkömmliche Produkte.“ Trotzdem belegt die Zeitschrift Test dann auf mehreren Seiten, dass Bio doch sehr oft besser ist.

Doch weil sich schlechte Nachrichten bekanntlich besser verkaufen als gute, titelt auch spiegel-online „Tester sehen Bio gleichauf mit normalen Lebensmitteln“ und bei süddeutsche.de heißt es sogar plakativ Tester prangern Bio-Lüge an.

Weniger Pestizide und mehr Ethik

Zwei Vorteile gesteht die Stiftung den Bio-Lebensmitteln zu: „Pestizide kommen in der Bioware selbst in geringen Mengen selten vor. Außerdem können Käufer von Biolebensmitteln Unternehmen unterstützen, die soziale, ethische und ökologische Verantwortung übernehmen. Unsere Untersuchungen dazu zeigen, dass dabei auf die Biobranche Verlass ist.“

Auch an der Bio-Qualität der Produkte hätten die Tests „kaum Zweifel“ ergeben, schreibt Test. Man habe in keinem Bioprodukt aus pflanzlichen Zutaten Rückstände synthetisch-chemischer Pflanzenschutzmittel nachgewiesen –„von seltenen Verunreinigungen und einem Ausreißer abgesehen“. Biomilch und Biolachs werden ausdrücklich gelobt, bei Biosojadrinks habe es jedoch zwei Produkte gegeben, die wegen des zugesetzten Calciumcarbonats nicht als Bio hätten deklariert werden dürfen. Lob für verbessertes Abschneiden gab es für Lachs (weniger Keime), Margarine (schmeckte besser) und Honig (keine Rückstände mehr). Auch Vollmilch und Würzöle in Bioqualität hob die Stiftung hervor. Kritik dagegen gab es am Geschmack der nativen Rapsöle, den vielen Ausreißern beim Olivenöl und den zu wenig fetten Baby-Menüs im Glas.

Stiftung Warentest hat Studienlage nicht erfasst

„Bio hat nicht mehr bioaktive Stoffe“, heißt eine Zwischenüberschrift. Die Argumentation der Stiftung in diesem Punkt ist zumindest fragwürdig. „Biolebensmittel sollen besonders reich an bioaktiven Stoffen sein, behauptet eine Studie des Forschungsinstitutes für biologischen Landbau“, schreibt die Stiftung Warentest. Mit den „Behauptungen“ der Studie sind die Ergebnisse des großen EU-Forschungsprojektes QLIF gemeint, an dem zahlreiche Institute mehrere Jahre lang arbeiteten.

Diese vielfach in Fachzeitschriften publizierten Ergebnisse des Projekts kanzelt die Stiftung Warentest mit Verweis auf ihren Apfelsaft- und ihren Rapsöltest ab: Sekundäre Pflanzenstoffe kämen in naturnah hergestellten Produkten verstärkt vor, unabhängig davon, ob der naturtrübe Apfelsaft oder das native Rapsöl ökologischer oder konventioneller Herkunft sei. In Tests setzt die Stiftung dann aber raffiniertes und natives Öl gleich, ebenso Direktsaft mit rückverdünnten Konzentraten, weil das Mehr an sekundären Pflanzenstoffen nicht für gesundheitliche Vorteile ausreiche.

Dass es der Stiftung gelegentlich an Gründlichkeit in Sachen Bio fehlt, zeigt auch eine Bildunterschrift: „Konventionelle Discounter sorgten 2009 für 60 Prozent des Bioumsatzes“ heißt es da. Das ist falsch. Der gesamte LEH kam nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung 2009 auf 58 Prozent Marktanteil, die Agrarmarkt-InformationsGmbh (AMI) schätzt den LEH-Anteil auf 56 Prozent. Der Marktanteil der Discounter alleine liegt bei rund 30 Prozent.

BÖLW: Bio an entscheidenden Punkten besser

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) begrüßt in einer Pressemitteilung, dass die Stiftung Warentest bei ihrer Bilanz zur Qualität von Bio-Lebensmitteln die Kritik an vorangegangenen Berichten aufgegriffen habe und die Test-Ergebnisse wesentlich differenzierter auswerte. Sie widme beispielsweise dem Thema Nachhaltigkeit ein eigenes Kapitel und berücksichtige die Besonderheit von Bio-Produkten bei der sensorischen Beurteilung. „Dieser Weg muss konsequent weitergegangen werden: Die Sensorik-Prüfer sollten speziell für den Test von Bio-Lebensmitteln geschult und Nachhaltigkeitsaspekte bei jedem Test geprüft und in die Benotung einbezogen werden“, so Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW. Dass Bio-Produkte nach den Test-Ergebnissen im Durchschnitt keine höheren Gehalte an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aufweisen, stehe jedoch im Widerspruch zu europaweit angelegten Vergleichsstudien, kritisiert auch der BÖLW. So sei beim Vergleich von verschiedenen Produkten, wie ihn Stiftung Warentest vornehme, der Einfluss von Sorte, Boden und Klima oft größer als die Bewirtschaftungsweise. „Wird aber unter gleichen Bedingungen erzeugt, dann schneiden Bio-Produkte bei sekundären Inhaltsstoffen deutlich besser als konventionelle ab“, so der BÖLW.

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Manfred Loosen
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Dieser Beitrag wurde vor am Donnerstag, 27. Mai 2010 um 16:57 Uhr veröffentlicht und unter Ernährung & Naturkost gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen.Sie können einen Kommentar hinterlassen, Pingbacks/Trackbacks sind momentan deaktiviert.

2 comments on “Stiftung Warentest meint, bio sei nicht besser

  1. Pingback: Farmblogger

  2. Nina K. on said:

    …wenn Bio nicht gesünder ist, heißt dass dann im Umkehrschluss, dass Pestizide auch gesund sind? Bestimmt,gell?! Und diese ganzen sogenannten “Lebensmittel” mit viel bunten Umverpackungen und chemischen Pülverchen drinn, ja klar, sowas wächst bei mir ja auch im Garten, ist doch alles gesund.

    Ich glaube da haben ein paar Leute Bedenken, dass die “doofen” willigen Verbraucher sich etwa Emanzipieren könnten und plötzlich anfangen könnten zu Denken und Nachzufragen was sie da überhaupt für ihr Geld einkaufen….

    Bitte noch mehr von diesen unsinnigen Aussagen, das bestätigt mich nur noch mehr darin Naturland/Bioland/Demeter zu “unterstützen”.

    Schönes Wochenende!

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