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Agrargift Glyphosat weiter umstritten

201502Dez

Am 12. November haben die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die EU-Mitgliedsstaaten veröffentlicht, dass das Agrargift Glyphosat neu bewertet worden sei: Es sei unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam im März 2015 zu einem anderen Ergebnis: Es gebe Nachweise, hieß es da, für das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat beim Menschen.

Nun hat der Toxikologe Christopher J. Portier etwa 100 internationale Wissenschaftler zusammengetrommelt, die sich allesamt in einer Stellungnahme gegen das EFSA-Votum äußern.

pan-logoAuch das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) protestiert dagegen, dass die EFSA den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat in seiner „Conclusion“ als nicht krebserregend eingeschätzt hat. Diese Bewertung, so PAN Germany, sei unter Missachtung einer erdrückenden Beweislage aus Studien erfolgt, die von der EFSA selbst als valide anerkannt worden seien. PAN Germany hat einen Teil der EFSA Conclusion einer gründlichen Analyse unterzogen und belegt nach eigenen Angaben Punkt für Punkt, dass die EFSA Erkenntnisse ihres eigenen Bewertungsberichts ignoriert.

Die EFSA behauptet, ihre Schlussfolgerung, Glyphosat sei nicht krebserregend, unter Wichtung aller vorliegenden Beweise gezogen zu haben. Die Analyse der EFSA Conclusion belegt jedoch nach Angaben von PAN Germany, dass sie genau dies nicht getan habe. „Eindeutige Hinweise auf Krebseffekte werden mit unhaltbaren Behauptungen und verdrehten Tatsachen beiseitegeschoben“, sagt Toxikologe Dr. Peter Clausing vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany).

„Statistisch signifikante Tumoreffekte in fünf unabhängigen Mäuse-Studien und zusätzliche Belege übertreffen bei weitem die von der EU-Verordnung 1272/20008 vorgegebenen Kriterien, um Glyphosat als ‘wahrscheinlich kanzerogen für Menschen’ (Kategorie 1B) einzustufen“ so Clausing weiter.

PAN Germany appelliert eindringlich an EU-Kommissar Vytenis Anriukaitis und an das Standing Committee for Plants, Animals, Food and Feed, das am 11./12. Dezember tagen wird, die Schlussfolgerungen der EFSA zu korrigieren und einer erneuten Genehmigung von Glyphosat nicht zuzustimmen.

Kritik auch vom Umweltinstitut

umweltinstitutlogoAuch das Umweltinstitut München wendet sich gegen Glyphosat. Hier heißt es: „Offenbar werden Bevölkerung und Behörden von Monsanto seit Jahrzehnten hinters Licht geführt: Wie kürzlich bekannt wurde, soll der Agrarmulti seit 40 Jahren um die krebserzeugende Wirkung seines Bestsellers Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat gewusst haben. Diese und weitere Anschuldigungen erhebt eine Studie amerikanischer Wissenschaftler. Sie werteten darin bisher unter Verschluss gehaltene Daten von Monsanto aus den 1970er und 80er Jahren aus.

Aus der Veröffentlichung geht hervor, dass Monsanto seine eigenen Studien zu Glyphosat verfälscht hat. Laut den Autoren hat der Konzern gezielt signifikante Hinweise auf Tumore vertuscht. Wenn das stimmt, dann hat Glyphosat seine Erstzulassung auf der Basis von verfälschten Studien erhalten. Die Autoren der Studie werfen Monsanto deshalb Betrug vor.

Wir fordern, dass dieser Sachverhalt umfassend geklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Glyphosat darf keine weitere Zulassung in der EU erhalten und muss sofort vom Markt genommen werden!

Am Donnerstag veröffentlichte die europäische Lebensmittelbehörde EFSA ihre lange erwartete Stellungnahme zum Totalherbizid Glyphosat. Das Ergebnis ist skandalös: Die EFSA weigert sich weiterhin, die ‘wahrscheinlich krebserzeugende Wirkung beim Menschen’ anzuerkennen.

Die Behörde will den Grenzwert für die maximale tägliche Aufnahmedosis sogar noch um 66 Prozent erhöhen! Diese Einschätzung ist absolut unverantwortlich, denn sie stützt sich auf eine Risikobewertung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung, dem schwerwiegende Fehler bei der Auswertung von Studien nachgewiesen wurden.

Nach dem Abschluss der Bewertung durch BfR und EFSA liegt die Entscheidung über die Wiederzulassung nun in den Händen der Politik. Wir werden weiterhin alles daransetzen, um eine erneute Zulassung des gefährlichen Ackergifts zu verhindern!“

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Manfred Loosen
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Dieser Beitrag wurde vor am Mittwoch, 2. Dezember 2015 um 10:25 Uhr veröffentlicht und unter Gentechnik, Ökologie gespeichert. Sie können Kommentare zu diesem Eintrag über den RSS-2.0-Feed verfolgen.Sie können einen Kommentar hinterlassen, Pingbacks/Trackbacks sind momentan deaktiviert.

One comment on “Agrargift Glyphosat weiter umstritten

  1. Peter Brehm on said:

    Soweit ich weiß dürfen sogar Politiker Bestechungsgelder annehmen ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Vielleicht sollte man mal in diese Richtung ermitteln!!!????

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